Klosterplatz
St.Galler Festspiele auch in der Äbtestadt Wil? Regierung zeigt sich offen – Theater St.Gallen wartet noch ab

SVP-Kantonsrat Erwin Böhi fordert, die St.Galler Festspiele abwechselnd in St.Gallen und Wil durchzuführen. Die Regierung schliesst eine Durchführung der Festspiele in Wil nicht aus. Doch der Entscheid über die Wahl eines Spielorts liegt alleine in der Hand des Theaters St.Gallen – dieser ist noch nicht gefallen.

Rossella Blattmann
Drucken
Teilen
Der Hof zu Wil könnte zum Durchführungsort der Festspiele werden.

Der Hof zu Wil könnte zum Durchführungsort der Festspiele werden.

Bild: Dinah Hauser

St.Galler Festspiele in Wil? In einer Einfachen Anfrage schlug Kantonsrat Erwin Böhi (Wil/SVP) vor, die St.Galler Festspiele alternierend in der Gallusstadt und in der Äbtestadt – auf dem Hof zu Wil – durchzuführen. Dies, nachdem die Regierung die Konzession des Theaters St.Gallen für die Festspiele auf dem Klosterplatz bis 2026 zwar erneuert, jedoch ab 2023 eine Durchführung im Zweijahresrhythmus beschlossen hatte.

Vor einem Monat hatte sich eine Gruppe verschiedener Wiler Institutionen in einem von der IG Kultur Wil initiierten Schreiben an die Direktion des Theaters St.Gallen für eine Durchführung der Festspiele in Wil starkgemacht.

Alternative Standorte ausserhalb der Gallusstadt nicht ausgeschlossen

Nun hat die Regierung Böhis Einfache Anfrage beantwortet. Darin schliesst sie für die Festspiele alternative Standorte zum Klosterplatz nicht aus.

Mehr als durch die Kulturförderstrategie werde der Rahmen der Festspiele durch den Leistungsauftrag zwischen dem Kanton (der Regierung) und der Genossenschaft Konzert und Theater St.Gallen (KTSG) definiert. «Zum aktuellen Leistungsauftrag gehören auch die Festspiele», schreibt die Regierung in ihrer Antwort.

Im Leistungsauftrag werden die verschiedenen Spielstätten erwähnt. Neben der Tonhalle St.Gallen, dem Theater St.Gallen und der Lokremise ist auch der Klosterplatz ausdrücklich aufgeführt. Die Liste der Spielorte werde aber erweitert, indem die Genossenschaft KTSG im Leistungsauftrag angewiesen werde, ein Konzept für besondere Angebote (Konzerte, Schauspiel-, Tanz- oder Musiktheaterveranstaltungen) für die verschiedenen Regionen des Kantons St.Gallen sowie die mitfinanzierenden Nachbarkantone zu entwickeln und umzusetzen, hält die Regierung in ihrer Antwort weiter fest.

St.Galler Festspiele 2019: die Verdi-Oper «Il trovatore» auf dem Klosterplatz St.Gallen.

St.Galler Festspiele 2019: die Verdi-Oper «Il trovatore» auf dem Klosterplatz St.Gallen.

Archivbild: Urs Bucher

So seien die «seit Abschluss des Leistungsauftrags zusätzlich hinzugekommenen Spielorte ausserhalb der Stadt und an weiteren Orten ganz im Sinn des Auftrags an diese Kultureinrichtung von überregionaler Bedeutung», heisst es weiter. Solche Orte sind laut Regierung etwa der Alte Schiffscontainer, der seit der Spielzeit 2016/2017 an verschiedenen Orten in der Stadt St.Gallen aufgebaut werde sowie das Sommerkonzert des Symphonieorchesters im neuen Kultur- und Kongresshaus Verrucano in Mels. Die Regierung des Kantons St.Gallen hält in der Folge fest:

«Eine periodische Durchführung der Festspiele ausserhalb der Stadt St.Gallen würde demnach der Kulturförderstrategie nicht widersprechen und auch im Einklang mit dem Leistungsauftrag stehen.»

Reges Interesse an Standort Wil

Die Regierung stelle ein «breit abgestütztes Interesse an der Durchführung der Festspiele in Wil fest», schreibt sie weiter. Mit ihrem Schreiben vom 6. September an die Genossenschaft KTSG hätten 14 Verantwortliche lokaler und regionaler Organisationen aus Wil die alternierende Austragung der Festspiele im St.Galler Stiftsbezirk und in der Äbtestadt Wil, beim Hof zu Wil angeregt. Der Entscheid über die Wahl eines Spielorts liege in der alleinigen Zuständigkeit der Genossenschaft KTSG, betont die Regierung. Neben den Vorgaben von Gesetz und Leistungsauftrag gelte nämlich – wie bei allen Institutionen – der Grundsatz der künstlerischen (Programm-)Freiheit.

Da gemäss der neuen Konzession für die Durchführung der St.Galler Festspiele auf dem Klosterplatz bis 2026 ab dem Jahr 2023 für die Durchführung der Festspiele ein Zweijahresrhythmus gelte, müsse das Theater die St.Galler Festspiele ohnehin neu konzipieren, heisst es in der Regierungsantwort weiter. Die Regierung schreibt:

«Dabei und im Rahmen des anstehenden Wechsels in der Direktion werden auch Überlegungen zu alternativen Spielorten anzustellen sein.»
Kantonsrat Erwin Böhi (Wil/SVP).

Kantonsrat Erwin Böhi (Wil/SVP).

Bild: Benjamin Manser

Parlamentarier Böhi zufrieden

Erwin Böhi zeigt sich auf Anfrage erleichtert, dass der Kanton St.Gallen den Hof zu Wil als Durchführungsort für die Festspiele in Betracht zieht. Er sagt:

«Mir der Antwort der Regierung bin ich sehr zufrieden.»

Die Regierung erwähne in ihrer Antwort andere Regionen ausserhalb der Stadt St.Gallen. Zudem sage die Regierung nicht, dass sie nicht bereit sei, die Festspiele in Wil durchzuführen, auch wenn sie bezüglich Standort keine Vorschriften machen könne.

Klosterhof als Kulisse nicht beliebig austauschbar

Werner Signer, Direktor Konzert und Theater St.Gallen.

Werner Signer, Direktor Konzert und Theater St.Gallen.

Bild: Arthur Gamsa

Konzert und Theater St.Gallen habe den Vorschlag, die St.Galler Festspiele künftig alternierend auf dem St.Galler Klosterhof und auf dem Wiler Hofplatz durchzuführen, zur Kenntnis genommen, sagt Theaterdirektor Werner Signer auf Anfrage. Die vom Initiativkomitee formulierte Würdigung der St.Galler Festspiele als ein über die Stadt und den Kanton St.Gallen hinaus strahlendes Ereignis empfinde man als Bestätigung jahrelanger Anstrengungen. Dass die Region Wil mit namhaften kulturellen und gesellschaftlichen Institutionen hinter den Festspielen stehe, freue das Theater St.Gallen.

Doch Signer sagt auch, dass das Theater die Antwort des St.Galler Regierungsrates auf Böhis Vorstoss nicht kommentieren wolle. Er weist darauf hin, dass das Konzept der St.Galler Festspiele grundsätzlich auf der engen Verknüpfung von Programm und Standort basiere. Signer sagt:

«Der Klosterhof mit seiner sakralen Aura ist jeweils nicht blosse Kulisse, sondern steht in einem direkten Bezug zur Handlung und zur Thematik der Oper.»

Den Durchführungsort der Festspiele empfinde man deshalb nicht als beliebig austauschbar.

Alles hängt von der neuen Direktion ab

Konkrete Antworten auf den vorliegenden Vorschlag aus Wil könne das Theater zum jetzigen Zeitpunkt keine geben, hält Signer weiter fest. «Einerseits, weil im Moment noch weitere Optionen hinsichtlich der künftigen Durchführung der St.Galler Festspiele in Evaluation sind. Anderseits wollen wir mit einem Entscheid nicht dem anstehenden Wechsel in der Direktion von Konzert und Theater vorgreifen.» Signer weist darauf hin, dass per 1. August 2023 das Theater St.Gallen eine neue Leitung bekommt: Das derzeit laufende Wahlverfahren wird laut Signer voraussichtlich bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein.

Da man es für unabdingbar halte, dass die neue Führungsperson den Entscheid über die weitere Entwicklung der St.Galler Festspiele mittrage, seien verbindliche Antworten frühestens im Frühjahr 2022 möglich, ergänzt Signer.

Aktuelle Nachrichten