Kantonsgericht
Marihuana im Auto und halsbrecherische Manöver: 32-Jähriger nach Verfolgungsjagd mit der Polizei schuldig gesprochen

Ein 32-jähriger Mann wollte sich mit einer wilden Fluchtfahrt einer Polizeikontrolle entziehen. Das St.Galler Kantonsgericht spricht ihn schuldig, sieht aber von einem Landesverweis ab.

Claudia Schmid
Drucken
Teilen
Nach einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd konnte die Polizei den Flüchtigen aufhalten.

Nach einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd konnte die Polizei den Flüchtigen aufhalten.

Bild: Raphael Rohner

Das Kreisgericht Rorschach hatte den kroatischen Staatsangehörigen im November 2019 wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetzes, diverser Strassenverkehrsdelikte, Hinderung einer Amtshandlung und Missbrauchs von Ausweisen zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten, einer Geldstrafe und einer Busse verurteilt. Von einer Landesverweisung sah es ab.

Autotür verletzt Polizisten leicht

Am Kantonsgericht verlangte der Beschuldigte nun verschiedene Freisprüche und eine mildere Sanktion. Die Staatsanwaltschaft beantragte im Gegenzug einen zusätzlichen Schuldspruch, eine härtere Sanktion und die Anordnung einer Landesverweisung von sieben Jahren.

Die wilde Fluchtfahrt vor der Polizei ereignete sich am 16. Februar 2017, als der Beschuldigte gegen 19 Uhr bei der Autobahnausfahrt in Thal von der Kantonspolizei St.Gallen kontrolliert wurde. Weil er keinen Fahrausweis besass, zeigte er denjenigen seines Beifahrers. Die Beamten forderten beide auf, sie für weitere Kontrollen zum nahe gelegenen Polizeistützpunkt zu begleiten. Als der Beifahrer das Auto verliess, legte der Beschuldigte den Rückwärtsgang ein und brauste los, um sich weiteren polizeilichen Abklärungen zu entziehen. Laut Anklageschrift touchierte die geöffnete Beifahrertüre den seitlich vom Fahrzeug stehenden Polizeibeamten. Dieser kam zu Fall und zog sich leichte Verletzungen zu.

Nach Kollision setzt er Flucht zu Fuss fort

Die Fluchtfahrt ging weiter Richtung Rheineck. Der Flüchtende überholte eine Fahrzeugkolonne auf der Gegenfahrspur und umfuhr einen Kreisel in entgegengesetzter Richtung. Schliesslich gelang es den Polizeibeamten, ihn zu überholen und zum Anhalten zu zwingen. Der Beschuldigte aber beschleunigte seinen Personenwagen wieder und setzte die Fluchtfahrt fort. In einem Rechtsbogen driftete er über einen Kiesplatz und prallte frontal gegen eine steigende Böschung. Danach flüchtet er zu Fuss und verletzte sich bei einem Sprung an beiden Fersen. In seinem Auto fand die Polizei ein halbes Kilogramm Marihuana.

Beschuldigter gibt sich wortkarg

An der Berufungsverhandlung gab sich der Beschuldigte wortkarg. Er habe schon alles gesagt, antwortete er auf die meisten Fragen des vorsitzenden Richters. Er wisse, dass er in der Vergangenheit «totalen Blödsinn» gemacht habe. Nun werde er aber alles besser machen, da er in der Zwischenzeit eine Familie gegründet habe und demnächst zum zweiten Mal Vater werde. Er wisse genau, dass er nie wieder straffällig werde.

Der Staatsanwalt beantragte eine Erhöhung der Freiheitsstrafe auf 19 Monate, eine Geldstrafe und eine Busse. Den Antrag auf eine Landesverweisung von sieben Jahre zog er zurück, nachdem er gehört hatte, dass der Beschuldigte zum zweiten Mal Vater wird. Der Beschuldigte habe gewerbs- und bandenmässigen Drogenhandel betrieben und davon seinen Lebensunterhalt bestritten, begründete er die Forderung nach einem härteren Strafmass.

Eine bedingte Haft- und Geldstrafe

Der Verteidiger machte Verfahrensfehler geltend und bestritt, dass bei den Drogendelikten Gewerbs- und Bandenmässigkeit vorliege. Sein Mandant stehe zu seiner Schuld. Als Sanktion verlangte er lediglich eine Geldstrafe und eine Busse. Eine Landesverweisung könne nicht in Frage kommen, da es sich klar um einen Härtefall handle. Der Beschuldigte sei in der Schweiz geboren und hier verwurzelt. Er kaum eine Bindung an sein Heimatland Kroatien.

Das Kantonsgericht änderte den Entscheid des Kreisgericht Rorschach nur leicht ab. Es verurteilte den Kroaten zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten, einer Geldstrafe von 175 Tagessätzen zu je 70 Franken und einer Busse von 1800 Franken. Der Vollzug der Freiheits- und Geldstrafe wird mit einer Probezeit von vier Jahren aufgeschoben.

Aktuelle Nachrichten