Justiz
Wer ist der Mörder? Der Todesschütze von Ganterschwil und sein Komplize stehen erneut vor Gericht

Das Kreisgericht Toggenburg hat den mutmasslichen Mörder von Ganterschwil vor einem Jahr zu einer Freiheitsstrafe von 19 Jahren verurteilt. Nun befindet das St.Galler Kantonsgericht über das kaltblütige Verbrechen.

Noemi Heule
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Der mutmassliche Mord geschah am 9. September 2015 im Gebiet Lochermoos in Ganterschwil.

Der mutmassliche Mord geschah am 9. September 2015 im Gebiet Lochermoos in Ganterschwil.

Bild: Beat Kälin/BRK News

Ein Toter und zwei Täter, die sich gegenseitig die Schuld zuwiesen. Der Mordfall von Ganterschwil beschäftigte vor einem Jahr das Kreisgericht Toggenburg. Obwohl Haupttäter und Komplize jegliche Verantwortung von sich wiesen, verurteilte das Richtergremium den Hauptangeklagten wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 19 Jahren. Es sah die Schuld des heute 35-Jährigen als erwiesen an. Laut Richterspruch hatte er seinen Nebenbuhler 2015 im Streit um eine Frau auf einem Spaziergang überrascht und mit mehreren Schüssen kaltblütig hingerichtet.

Mit diesem Befund will sich der Beschuldigte nicht abfinden. Er hat das Urteil an die nächste Instanz weitergezogen. Am Montag geht das St.Galler Kantonsgericht, in dessen Räumlichkeiten aus Sicherheitsgründen bereits die erste Verhandlung stattgefunden hatte, erneut über die Aktenberge. Der Verteidiger des 35-Jährigen forderte damals unter anderem wegen Formfehlern einen Freispruch für seinen Klienten.

Die Tat

Der Verurteilte hatte 2015 den Lebenspartner seiner Ex-Freundin auf offenem Feld im Lochermoos bei Ganterschwil erschossen. Ziel sei es gewesen, seinen Nebenbuhler aus dem Weg zu räumen, heisst es im erstinstanzlichen Urteil. Gleichzeitig sollte seine Verflossene bestraft werden. Die Kreisrichter sprachen im März 2020 deshalb von einem «Eliminationsmord». An der Tat beteiligt war neben dem Haupttäter, der die tödlichen Schüsse auf das Opfer abgab, ein 55-jähriger Gehilfe. Die beiden hatten sich im Nachtclub kennen gelernt und liessen die Nacht nach der Tat im Nachtclub ausklingen.

Vor Gericht muss sich auch sein 55-jähriger Komplize verantworten. Er wurde in erster Instanz wegen Gehilfenschaft zur vorsätzlichen Tötung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Der 55-Jährige hatte den Täter gemäss Anklageschrift zum Ort des Verbrechens chauffiert und ihm seine Militärpistole ausgehändigt.

Die Forderungen der Staatsanwaltschaft gehen über die damaligen Richtersprüche hinaus. Sie fordert für den Hauptangeklagten eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren. Er muss sich nebst dem Hauptanklagepunkt (Mord) auch wegen diverser Delikte verantworten. Darunter: versuchter Raub, Sachbeschädigung, mehrfache Nötigung und Vergehen gegen das Waffengesetz. Der Mitangeklagte soll unter anderem wegen Gehilfenschaft zu Mord für sieben Jahre ins Gefängnis.