Impfoffensive
«Das Geld ist nicht das Problem, es mangelt an Personal»: Ostschweizer Kantone stehen Impfoffensive skeptisch gegenüber

Die Impfquote muss erhöht werden, darin sind sich alle einig. Doch die Ostschweizer Kantone haben resigniert; bereits die heutigen Bemühungen stossen auf sinkende Resonanz.

Noemi Heule
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Der Bund setzt in seiner Impfoffensive auf zusätzliche mobile Impfequipen.

Der Bund setzt in seiner Impfoffensive auf zusätzliche mobile Impfequipen.

Bild: Keystone

Keine Impfprämie von 50 Franken, dafür eine Impfwoche, mehr mobile Impfequipen und Impfberater. Obwohl der Bundesrat auf den im Vorfeld meistkritisierten Anreiz verzichtet, stösst der jüngste Entscheid der Landesregierung in der Ostschweiz auf Skepsis.

Yves Noël Balmer, Gesundheitsdirektor Kanton Ausserrhoden

Yves Noël Balmer, Gesundheitsdirektor Kanton Ausserrhoden

Bild: Keystone

Zwar begrüsst etwa der Ausserrhoder Gesundheitsdirektor Yves Noël Balmer den zusätzlichen Effort des Bundes, um die in der Schweiz vergleichbar tiefe Impfquote auf das Niveau der Nachbarländer anzuheben. Dennoch: «Wir machen bereits jetzt alles, was wir können.» Die Impfbereitschaft sei im ländlichen Kanton bescheiden und könne auch mit weiteren Bussen oder Beratern nicht signifikant angehoben werden. Der zusätzliche Aufwand sei deshalb nicht verhältnismässig.

Das Personal fehlt

Bereits während der Vernehmlassung hatten sich die Ostschweizer Kantone kritisch zum Vorschlag des Bundes geäussert, zusätzliche mobile Impfeinheiten einzusetzen oder das Informationsangebot zu erweitern. Beide Massnahmen würden heute schon ausgeschöpft. Balmer nennt ein Beispiel: So sei das mobile Impfteam auch schon für weniger als zehn Personen ausgerückt - «das ist nicht zielführend».

Er sieht eine weitere Knacknuss: Der Bund spricht für die angekündigten Massnahmen zwar maximal 96,2 Millionen Franken, die Umsetzung liegt aber bei den Kantonen. «Das Geld ist nicht das Problem, es mangelt an Personal», sagt Balmer. So würden bereits die heutigen Massnahmen das Gesundheitspersonal sowie den Zivilschutz stark in Anspruch nehmen.

Trotz dieser Bedenken werde man nun prüfen, ob man etwa die Kommunikation in Zusammenarbeit mit den Hausärzten weiter intensiviert.

Im Thurgau fehlt die Nachfrage

Urs Martin, Gesundheitsdirektor Kanton Thurgau

Urs Martin, Gesundheitsdirektor Kanton Thurgau

Bild: Tobias Garcia

Das Personal für Impfaktionen könnte man im Thurgau organisieren, sagt Gesundheitsdirektor Urs Martin. Dennoch teilt er die Skepsis seines Ausserrhoder Amtskollegen. Die Auslastung der beiden Impfbusse, die im Thurgau derzeit im Einsatz stehen, sinke. Die Nachfrage sei schlicht nicht da. Er ist überzeugt:

«Die breite Bevölkerung hat sich ihre Meinung zum Thema Impfen mittlerweile gebildet.»

Auch eine Impfoffensive könne einen überzeugten Impfgegner nicht umstimmen. Potenzial sieht er hingegen dann, wenn Informationen gezielt auf bestimmte Bevölkerungsschichten abgestimmt werden, welche man bisher zu wenig erreichte - etwa Menschen mit Migrationshintergrund.

Auch im Thurgau ist noch nichts entschieden, man werde die Massnahmen nun analysieren. Erste Vorbereitungen für die Impfwoche vom 8. bis zum 14. November seien bereits in Gang. Appenzell Innerrhoden will nun ebenfalls prüfen, welche zusätzlichen Massnahmen umgesetzt werden. Beim Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen heisst es auf Anfrage lediglich: «Der Kanton hat bereits erste Planungsschritte zur Umsetzung der Impfoffensive unternommen. Nun, da der Bundesratsentscheid definitiv ist, werden diese Planungen weiter vorangetrieben.»

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