HSG-China-Affäre
Wie viel China steckt in den St.Galler Hochschulen? Jetzt reagiert die Politik

Die SP-Fraktion im St.Galler Kantonsrat will in einer Einfachen Anfrage von der Regierung wissen, wie es um die Beziehungen zwischen den St.Galler und chinesischen Hochschulen steht.

Rossella Blattmann
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Die SP-Fraktion im St.Galler Kantonsrat verlangt von der Regierung eine Überprüfung der Beziehungen zwischen den St.Galler Hochschulen und China.

Die SP-Fraktion im St.Galler Kantonsrat verlangt von der Regierung eine Überprüfung der Beziehungen zwischen den St.Galler Hochschulen und China.

Illustration: Stefan Bogner

Der Vorfall hat Wellen geworfen und beschäftigt nun auch die Politik: Ein Doktorand der Universität St.Gallen (HSG) hatte auf Twitter den Umgang der Kommunistischen Partei Chinas mit der Coronapandemie kritisiert. Seine Doktormutter befürchtete berufliche Konsequenzen und beendete das Betreuungsverhältnis. Der HSG-Doktorand, der inzwischen eine andere Stelle gefunden hat, musste seine Ambitionen auf einen Doktortitel begraben.

Der Vorfall, der vor zwei Wochen an die Öffentlichkeit gelangte, warf die Frage auf, ob die Universität vor einer Einflussnahme durch den chinesischen Staat sicher ist.

Die HSG kündigte eine externe Untersuchung der Vorkommnisse an. «Die HSG hat zum heutigen Zeitpunkt keine Hinweise auf eine Einflussnahme oder Druckversuche von aussen, sei es im Rahmen der Austauschprogramme noch bei Ausbildungs- oder Forschungsprojekten», hiess es in der Stellungnahme. Dennoch soll eine Arbeitsgruppe prüfen, ob «potenzielle Angriffsflächen» auf die Lehr- und Forschungsfreiheit bestünden.

Beziehungen zwischen Hochschulen und China

Die SP-Fraktion im St.Galler Kantonsrat hat am Donnerstag eine Einfache Anfrage mit dem Titel «Wie viel China steckt in den St.Galler Hochschulen?» eingereicht. Darin fragt sie die Regierung:

«Welche Kontakte bestehen zwischen st.gallischen und chinesischen Hochschulen und wie sind diese ausgestaltet und organisiert?»

Die Hochschulen im Kanton St.Gallen – die HSG sowie die Ostschweizer Fachhochschule OST mit den vorher selbstständigen Fachhochschulen Rapperswil, Buchs und St.Gallen – bauten seit längerem Kontakte zu chinesischen Hochschulen auf, hält die SP-Fraktion im Vorstoss fest. Angesichts «sich häufender Vorfälle von Einflussnahmen von staatlicher Seite Chinas» sei eine ergebnisoffene Überprüfung der Kontakte auf Ebene der Hochschulen zwingend.

Eine Beantwortung des Vorstosses steht noch aus.

HSG-Rektor Bernhard Ehrenzeller.

HSG-Rektor Bernhard Ehrenzeller.

Bild: Michel Canonica

HSG: Studierendenaustausch im Vordergrund

Die Universität St.Gallen pflegt Partnerschaften mit über 200 Universitäten weltweit, darunter 15 Abkommen mit Universitäten in China. Gemäss HSG-Rektor Bernhard Ehrenzeller steht der Studierendenaustausch im Vordergrund. Im Einzelfall wolle die HSG die Zusammenarbeit hinterfragen. Ehrenzeller sagte auf Anfrage dieser Zeitung:

«Wenn chinesische Universitäten der Wissenschaftsfreiheit nicht den gleichen Stellenwert beimessen, zu dem wir uns verpflichtet fühlen, so bedauern wir dies selbstverständlich. Wir müssen im Einzelfall prüfen, ob damit von einer Zusammenarbeit abgesehen werden soll.»

Entscheidend sei, dass klar darauf geachtet werde, dass die wissenschaftliche Freiheit der Universitätsangehörigen nicht beeinträchtigt werde. «Wo dies der Fall ist oder zu werden droht, müssen wir entsprechende Konsequenzen ziehen.»

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