Grossveranstaltungen
CSIO, Festspiele und Infekttag als St.Galler Pilotprojekte – es sind wohl die einzigen Ostschweizer Grossanlässe im Juni

Der Kanton St.Gallen prüft drei Gesuche für Grossanlässe im Juni, die als Pilotveranstaltungen gelten. Der Thurgau hat noch keine Pilotprojekte beschlossen, die beiden Appenzell verzichten mangels Interesse möglicher Veranstalter.

Marcel Elsener
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Schöne Aussichten, wenn auch für etwas weniger Leute und mit mehr Abstand als – wie hier – am CSIO im Mai 2019.

Schöne Aussichten, wenn auch für etwas weniger Leute und mit mehr Abstand als – wie hier – am CSIO im Mai 2019.

Bild: Benjamin Manser

Viele Ostschweizer Grossveranstaltungen mussten abgesagt werden, aber immerhin zwei werden im Juni mit Einschränkungen stattfinden: Für den CSIO, das Weltturnier der Springreiter vom 3. bis 6. Juni, ist am Montag der Vorverkauf angelaufen. Und im Hinblick auf die St.Galler Festspiele vom 25. Juni bis 9. Juli auf dem Klosterplatz ist in den vergangenen Tagen die Tribüne aufgebaut worden, Tickets können zumindest reserviert werden.

Zu diesen Pilotveranstaltungen für künftige Grossanlässe nach der langsam überwundenen Pandemie kommt – kein schlechter Witz – der St.Galler Infekttag vom 17. Juni im Würth Haus Rorschach, die jährliche Fortbildungsveranstaltung der Klinik für Infektiologie/Spitalhygiene am Kantonsspital St.Gallen, heuer letztmals mit Chefinfektiologe Pietro Vernazza.

Probehalber für 600 respektive 1000 Personen

Für CSIO, Festspiele und Infekttag hat das St.Galler Gesundheitsdepartement «die Bewilligungen in Aussicht gestellt, damit die Vorbereitungsarbeiten weitergeführt werden könnten», wie der Kanton mitteilt. Bis dato seien nur diese drei Gesuche für Pilotveranstaltungen eingereicht worden, sagt Generalsekretär Gildo da Ros. Die Bewilligung werde nach der Prüfung der vollständig vorliegenden Unterlagen erteilt. Möglich wären - höchstens - fünf solche Pilotprojekte im Juni, doch dürfte es wahrscheinlich bei diesen drei bleiben.

Die St.Galler Regierung hat am Dienstag die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen für Grossveranstaltungen beschlossen und per sofort in Kraft gesetzt. Dabei hält sich der Kanton samt und sonders an die Vorgaben des Bundesrates. Mit den Pilotprojekten im Zeitraum vom 1. bis 30. Juni sollen «Modelle für eine sichere und praxistaugliche Durchführung von Grossveranstaltungen» erprobt werden. Sie müssen mit mindestens 300 und in Innenräumen mit höchstens 600, im Freien mit höchstens 1000 Personen durchgeführt werden.

Unter diese Zahlen fallen die anwesenden Besucherinnen und Besucher sowie teilnehmende Personen im Sinne von beteiligten Sportlerinnen und Sportlern oder auftretenden Künstlerinnen und Künstlern, wie es behördensprachlich heisst. Nicht dazugezählt werden die Personen, die für die Organisation der Veranstaltung tätig sind.

Evaluation erforderlich

Die Veranstalter müssen eine Risikoanalyse und ein taugliches Schutzkonzept vorlegen. Und sie müssen ihre Erfahrungen in einer Evaluation bündeln, die etwa über die Eingangskontrolle, die Testungen vor Ort oder die Lenkung der Personenströme Auskunft gibt. Einige Beispiele aus dem Fragenkatalog: Wie viele Personen konnten nicht zur Veranstaltung zugelassen werden, weil beispielsweise der Nachweis nicht korrekt war? Hat die Lenkung der Personenströme funktioniert? Wurden die Maskentragpflicht und das Abstandsgebot eingehalten? Welche Massnahmen waren zu wenig praxistauglich? Der Organisator muss die Ergebnisse der Evaluation innerhalb von zehn Tagen nach Abschluss der Veranstaltung dem kantonalen Gesundheitsdepartement sowie dem BAG vorlegen.

Trotz der strikten Vorgaben und der Fülle an zusätzlichen Aufgaben freuen sich die CSIO- und Festspiel-Verantwortlichen auf die «neuen Perspektiven», wie Theaterdirektor Werner Signer verlauten liess. Auf der Sitztribüne mit Blick auf die Kathedrale wäre das Publikum sogar von der Maskenpflicht befreit. Dies sei ein «weiterer Schritt in Richtung eines ungetrübten Kulturgenusses».

In den Nachbarkantonen gibt es derzeit keine Anzeichen für Pilot-Grossveranstaltungen. Der Thurgauer Regierungsrat habe – Stand 1. Juni – noch nicht entschieden, «ob überhaupt und gegebenenfalls welche Pilotveranstaltungen durchgeführten werden», wie es bei der Medienstelle heisst. Und die beiden Appenzell verzichten auf Pilotanlässe, weil sich bis Ende Mai keine interessierten Veranstalter gemeldet hätten.