Coronavirus
1000 Franken, Freizeit oder doch eine Handcreme? So wird das Ostschweizer Gesundheitspersonal in der Pandemie unterstützt

Die Gewerkschaft VPOD Ostschweiz hat untersucht, ob und wie die Angestellten der Gesundheitsbranche für die Zusatzbelastung während Corona belohnt werden. Die Ergebnisse sind erfreulich.

Chiara Gerster
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Im Oktober 2020 demonstrierte das Gesundheitspersonal in der St.Galler Innenstadt.

Im Oktober 2020 demonstrierte das Gesundheitspersonal in der St.Galler Innenstadt.

Bild: Ralph Ribi

Seit Ausbruch der Coronapandemie hat das Gesundheitspersonal enorm viel leisten müssen. Wie reagieren die Arbeitgebenden auf die hohe Belastung ihrer Angestellten?

Der VPOD Ostschweiz, die Gewerkschaft für den Service Public, befragte während der zweiten und dritten Pandemiewelle Betriebe der Gesundheitsbranche, ob und wie die Arbeitnehmenden für ihren zusätzlichen Aufwand wertgeschätzt werden. Die Umfrage wurde in den Kantonen St.Gallen, Thurgau und beider Appenzell durchgeführt. 66 der 67 angefragten Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber waren bereit Auskunft zu geben, wie es in einer Medienmitteilung heisst.

Voller Lohn trotz Kurzarbeit

Laut Regionalsekretärin Alexandra Akeret seien die Ergebnisse positiv überraschend. Viele Betriebe hätten sich intensiv damit beschäftigt, wie sie auf die schwierige Situation des Personals reagieren könnten und hätten eine grosse Palette an Unterstützungen entwickelt. Dabei seien einige kreative Lösungen entstanden: Ein Betrieb überraschte die Angestellten beispielsweise wiederholt mit Glaceaktionen, Powernahrung oder einem «gratis Zmittag».

Knapp die Hälfte der Betriebe waren allerdings weniger kreativ und zahlten ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern finanzielle Prämien aus. Die Höhe der monetären Unterstützungen variierte stark – von 100 bis 1000 Franken war alles dabei. Dies liegt laut Akeret auch daran, dass kleinere Institutionen nicht die gleichen Möglichkeiten wie grössere besitzen. Die meisten Betriebe zahlten den Angestellten trotz Kurzarbeit weiterhin 100 Prozent des Lohns aus. Dies wurde in der Umfrage ebenfalls als Zuwendung gewertet.

Zusätzliches Personal als Entlastung

Jedoch kamen nicht alle Aktionen gut an. «Lächerlich» wirkte laut Akeret die Aktion eines Betriebes, der seinen Mitarbeitenden einmalig Handcreme und Maskentäschchen verteilte. Die Arbeitnehmenden seien unzufrieden gewesen und haben sich durch die Vertröstung «verarscht» gefühlt.

Längerfristige Verbesserungen der Arbeitsbedingungen oder regelmässige finanzielle Prämien seien jedoch einmaligen Zuwendungen vorzuziehen. So lobt der VPOD Ostschweiz speziell Betriebe, die differenziert auf ihren Betrieb und die Mitarbeitenden abgestimmte Programme entwickelt haben, um die Arbeitsbelastungen so gering wie möglich zu halten. Als positives Beispiel erwähnt Akeret einen Betrieb, der eine zusätzliche Person anstellte, um seine Mitarbeitenden zu entlasten. Einige Unternehmen gewährten ihren Angestellten einen bis fünf zusätzliche freie Tage. «Einmalige Aufmerksamkeiten sind zwar schön als Wertschätzung, tragen jedoch nicht zu einer langfristigen Lösung bei.»

Trotzdem: «Der Grundtenor zeigt, dass Arbeitgebende in der Gesundheitsbranche sehr wohl wahrnehmen, wie viel die Mitarbeitenden zu leisten im Stande sind und jeweils im Rahmen ihrer Möglichkeiten darauf reagieren können», heisst es in der Medienmitteilung des VPOD Ostschweiz. Alexandra Akeret ergänzt: «Die Aufmerksamkeiten und Prämien helfen dem Gesundheitspersonal – als Anerkennung ihrer Vorgesetzten für den Mehraufwand.»

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