GERICHTSURTEIL
«Ich habe einfach nicht dran gedacht»: Vorarlberger geht trotz Corona-Infektion unter die Leute

Nach einem Ehestreit verliess ein ansteckender Covid-Erkrankter seine Wohnung und übernachtete bei seiner Tochter. Wegen des Verstosses gegen die Quarantänepflicht wurde er zu einer Geldstrafe und zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.

Christiane Eckert
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51-Jähriger übernachtet trotz positivem Covid-Test bei seiner Tochter.

51-Jähriger übernachtet trotz positivem Covid-Test bei seiner Tochter.

Bild: Ruslan Dashinsky

Im Januar hatte der Vorarlberger Probleme beim Atmen, fühlte sich müde und abgeschlagen. Er suchte das Spital auf. Dort schickte man ihn zum Testen und siehe da, er war positiv. «Nach drei Stunden hatte ich das SMS, dass ich Covid habe», erinnert sich der 51-Jährige. Er musste in Quarantäne.

Doch dann gab es Streit mit seiner Frau, die Polizei musste einschreiten, dabei verlor der gelernte Verputzer kein Wort über seine Infektion und seinen positiven Test. Weil Gewalt drohte, wurde eine Wegweisung ausgesprochen, der Mann weggeschickt. Immer noch machte er aus seiner Infektion den Beamten gegenüber ein Geheimnis. «Ich hatte so viel im Kopf, Stress mit meiner Frau, so viele Sorgen, ich habe einfach nicht dran gedacht», erinnert sich der Beschuldigte an die damalige Situation.

Gefährdet Öffentlichkeit und Tochter

Er machte sich auf zu seiner Tochter, wo er übernachten konnte. «Sie wissen, dass Sie damit die Öffentlichkeit und auch ihre Tochter stark gefährdeten?», fragt der Richter des Landesgerichts Feldkirch nach. «Das war ein äusserst leichtfertiger Umgang mit dieser schweren Erkrankung. Und wenn sich Leute wie Sie immer wieder so verhalten, bekommt man sie nie in den Griff», betont der Vorsitzende nochmals. «Ja, heute weiss ich das und es war falsch, es tut mir leid», weiss der Handwerker. Aber jetzt, sagt er, sei alles wieder in Ordnung, die Familie okay, er arbeitet wieder, die Probleme seien gelöst.

«Es ist alles gesagt»

Damals im Januar, so sagt das Gutachten, war der Covid-Erkrankte auch tatsächlich gefährlich. Sein Gesundheitszustand war so, dass er durchaus auch andere hätte anstecken können. Dass er dennoch, obwohl er sogar deutliche Symptome spürte, unter die Leute ging, wird ihm als «Vergehen der vorsätzlichen Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten» angelastet. Dafür wird er auch verurteilt.

Von einem Schlusswort macht der Mann nicht Gebrauch. «Es ist alles gesagt», räumt er sein Fehlverhalten nochmals ein. Der Strafrahmen reicht bei diesem Delikt bis zu drei Jahre. Verhängt werden über den bislang Unbescholtenen allerdings «nur» sechs Monate auf Bewährung plus 840 Euro unbedingte Geldstrafe. Das Urteil akzeptiert er bereitwillig. Da er nicht anwaltlich vertreten ist, kann er sich allerdings noch drei Tage überlegen, ob er die Entscheidung bekämpfen will.

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