Gender
Kantonspolizei St.Gallen: Regierung will keine starren Frauenquoten

In ihrer Antwort zu einem Vorstoss von SP-Kantonsrätin Monika Simmler schreibt die Regierung des Kantons St.Gallen, mit welchen Massnahmen die Kantonspolizei St.Gallen Frauen fördern will. Dies soll unter anderem mit mehr Präsenz in den sozialen Medien geschehen.

Rossella Blattmann Jetzt kommentieren
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Die Regierung des Kantons St.Gallen erachtet die Einführung von starren Frauenquoten bei der Kantonspolizei St.Gallen als «nicht zielführend».

Die Regierung des Kantons St.Gallen erachtet die Einführung von starren Frauenquoten bei der Kantonspolizei St.Gallen als «nicht zielführend».

Bild: Raphael Rohner

Was tut die St.Galler Regierung, um die Frauen in der St.Galler Kantonspolizei zu fördern? Das fragte die St.Galler SP-Kantonsrätin Monika Simmler in einem im Mai eingereichten Vorstoss mit dem Titel «Frauenförderung bei der Kantonspolizei: Welche Massnahmen wurden ergriffen?».

In ihrer Einfachen Anfrage hatte sich Simmler auf die Regierungsantwort auf einen Vorstoss zum selben Thema, den sie im Oktober des vergangenen Jahres eingereicht hatte, bezogen. In ihrer Antwort vom Dezember hatte die Regierung geschrieben, dass es das erklärte Ziel der Kantonspolizei sei, den Frauenanteil bei den Mitarbeitenden allgemein und im Kader im Besonderen zu erhöhen. Gemäss Simmler betrug der Frauenanteil bei der St.Galler Kantonspolizei per 1. November 2020 insgesamt 27 Prozent, bei den Korpsangehörigen 16 Prozent und bei Korpsangehörigen mit Führungsfunktion 2 Prozent. Im obersten Kader seien keine Frauen vertreten.

Kantonsrätin Monika Simmler (SP/St.Gallen).

Kantonsrätin Monika Simmler (SP/St.Gallen).

Bild: Benjamin Manser

Nun hat die Regierung des Kantons St.Gallen Simmlers erneuten Vorstoss beantwortet.

Mehr Präsenz auf Social Media, Vermittlungsprämien und Programm für Wiedereinsteigerinnen

Simmler hatte sich etwa danach erkundigt, welche konkreten Massnahmen zur Frauenförderung bei der Kantonspolizei im Rahmen des Projekts «Gender Diversity» bis Ende März 2021 präsentiert werden konnten.

Die Regierung hält in ihrer Antwort fest, dass das Projekt «Gender Diversity» der St.Galler Kantonspolizei in zwei Phasen unterteilt ist: Phase 1 dauerte vom 1. April 2020 bis 31. März 2021 mit dem Ziel, einen Massnahmenplan vorzustellen. Phase 2 begann an 1. Oktober 2021 und dauert bis am 30. September 2022. Sie hat zum Ziel, die diversen Punkte umzusetzen.

Die Geschäftsleitung der Kantonspolizei hat unter anderem folgende Massnahmen beschlossen:

Erste Priorität

Die Kantonspolizei St.Gallen will mit Massnahmen mit einem kleinen Ressourcenaufwand starten. Die Umsetzung beginnt innerhalb von sechs Monaten nach Beginn der zweiten Phase.

So sollen Frauen bei der Rekrutierung gezielt angesprochen werden. «Die Möglichkeit von Teilzeitarbeit ist in der Stellenausschreibung, sofern in der konkreten Aufgabe möglich, konsequent aufzuzeigen», schreibt die Regierung weiter. Zudem soll die Höhe des Arbeitspensums für die Möglichkeit zur Teilnahme an einer Weiterbildung irrelevant sein.

Zweite Priorität

Hierbei handelt es sich «um Massnahmen mit grösserem Ressourcenaufwand, deren Feinkonzeptionierung und saubere Vorbereitung entscheidend für ihren Erfolg sind». Dies sind gemäss Regierungsantwort anspruchsvolle und komplexere Massnahmen, die den Ausbau der HR-Systeme sowie Know-how-Aufbau voraussetzen. Die Umsetzung beginnt nach sechs bis zwölf Monaten.

In den Social-Media-Kanälen der Kantonspolizei St.Gallen sollen Polizistinnen präsenter gemacht werden. Die Regierung schreibt:

«Es soll insbesondere aufgezeigt werden, dass ein Beruf bei der Polizei bei weitem nicht nur ein ‹Männerberuf› ist.»

Aktives Personalmarketing durch Mitarbeitende der Kantonspolizei St.Gallen soll zudem durch die Ausrichtung einer ausserordentlichen Leistungsprämie an die Vermittelnden belohnt werden. Dabei sollen die Prämien für neue weibliche Korpsangehörige höher ausfallen. Weiter sollen Rückkehrerinnen in den Polizeiberuf ein spezielles Wiedereinstiegsprogramm durchlaufen.

Dritte Priorität

Die vorhergehenden Massnahmen müssen bereits in Umsetzung sein, sodass die folgenden Punkte ergänzend wirken können, hält die Regierung in ihrer Antwort fest. So soll etwa ein Mitglied der Geschäftsleitung jeweils für zwölf Monate die Aufgabe als Gender-Botschafterin oder Gender-Botschafter wahrnehmen. Damit soll die kulturelle Veränderung zu Gunsten der Frauenförderung verstärkt werden. In der Kantonspolizei sollen dereinst auch «Gender-Sticker oder Gender-Pins mit Symbolkraft» verteilt werden, welche die Botschaft verstärken und als Gesprächsöffner dienen sollen. «Die Trägerinnen und Träger zeigen damit Farbe und bekennen sich zu einer offenen, liberalen Gender-Kultur und ihrem Wunsch nach mehr gemischten Teams auf allen Hierarchieebenen», heisst es in der Regierungsantwort.

Wiedereinstiegsprogramm nach der Familienpause

Simmler hatte sich in ihrem Vorstoss auch über den Stand von Teilzeitpensen erkundigt. Die Regierung hält fest:

«Bereits heute führen Teilzeitpensen bei der Kantonspolizei St.Gallen nicht zu einer Degradierung oder gar zu einer spezifischen Lohnreduktion.»

Grund für eine allfällige Degradierung oder Lohnanpassung seien Funktionsänderungen, die zur Übernahme einer weniger verantwortungs- oder anspruchsvollen Aufgabe führten. In der Praxis bestünde durchaus Offenheit für Teilzeitpensen, soweit sich dies mit den «vorrangigen betrieblichen Bedürfnissen» vereinbaren lasse.

Auf Simmlers Frage, wie ein Wiedereinstieg nach der Familienpause für Frauen attraktiver gestaltet werden kann, verweist die Regierung auf das neue Wiedereinstiegsprogramm der Kantonspolizei St.Gallen. Die SP-Kantonsrätin und Strafrechtsprofessorin wollte auch wissen, wie die Regierung den Frauenanteil in Kaderposition bei der Polizei steigern will und ob sie die Einführung von Geschlechterquoten als zielführend erachtet. Die Regierung schreibt:

«Die Einführung von starren Frauenquoten bei der Kantonspolizei St.Gallen wird von der Regierung als nicht zielführend erachtet.»

Wichtig erscheine der Regierung, dass die Kantonspolizei den Handlungsbedarf erkannt und die entsprechenden Umsetzungen an die Hand genommen habe. «Die Regierung ist überzeugt, dass damit der Frauenanteil im Polizeikorps und insbesondere auch im Kader erhöht werden kann», hält sie in ihrer Antwort fest.

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