GEDANKENSTRICH-KOLUMNE
Toni Brunner: Sexuelle Attacken, Drogen und Gewalt an der Street Parade – keine Spur davon beim Schwägalp-Schwinget

Unser Kolumnist Toni Brunner stellt die städtische Street Parade und das ländliche Schwägalp-Schwinget gegenüber. Dabei zieht er eine ernüchternde Bilanz: Während das Schwingfest ohne Polizei ausgekommen wäre, gab es in Zürich Schlägereien, Stichverletzungen und sogar einen Todesfall.

Toni Brunner
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Toni Brunner, «Tagblatt»-Kolumnist.

Toni Brunner, «Tagblatt»-Kolumnist.

Bild: Michel Canonica

Gestern und vorgestern haben zwei Anlässe stattgefunden, die schweizweit Wellen warfen. Am Sonntag das Schwägalp-Schwinget am Fusse des Säntis und vorgestern die Street Parade in Zürich. Zwei Anlässe, die aus dem Jahreskalender grosser schweizerischer Anlässe gar nicht mehr wegzudenken sind – und doch unterschiedlicher nicht sein könnten.

Da die Raverinnen und Raver an der grössten Technoparty der Welt in der Stadt Zürich, dort die Schwingerfreundinnen und -freunde aus allen Landesteilen auf einer der grössten Alpen der Schweiz. Beides waren friedliche Anlässe, die Polizei hat eine überwiegend positive Bilanz gezogen.

Positiv? Das ist relativ. Schauen wir etwas genauer hin. An der Street Parade gab es einen Todesfall zu beklagen, insgesamt 36 Verhaftungen, unzählige Verzeigungen und rund 700 Behandlungen bei der Sanität.

Die Bilanz sieht demnach nicht ganz so positiv aus. An der Street Parade gab es Stichverletzungen, Prügeleien, Flaschen wurden über Köpfe geschlagen, es gab Fusstritte gegen Menschen, die am Boden lagen und dadurch ihr Bewusstsein verloren. Es gab sexuelle Attacken, eine Frau wurde zu Boden gerissen, andere Frauen sexuell belästigt und bedrängt. An der Street Parade gab es Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Drogenmissbräuche und Diebstähle. Die 36 festgenommenen Täter stammten laut Polizeimeldung aus Marokko, dem Iran, Nordmazedonien, Rumänien, Slowenien, Georgien, Italien, Tunesien, Afghanistan, Algerien, Polen, Gambia, Spanien und der Schweiz. Die über 700 Personen, die auf den Sanitätsposten behandelt wurden, hatten entweder übermässig Alkohol und Drogen konsumiert, Prügelverletzungen oder Stichwunden. Rund einem Dutzend Personen wurde Schmuck entrissen und es wurde gestohlen. Auch ein neues Phänomen hat die Street Parade erreicht: Needle-Spiking. Dabei handelt es sich um mysteriöse Nadelstiche, die Unbekannte wahllosen Opfern zufügen.

Gestern nun, auf der Schwägalp, das letzte Schwingfest vor dem Eidgenössischen in Pratteln im Baselbiet. Der Saisonhöhepunkt aller Schwingbegeisterten. Ziehen wir eine Bilanz des gestrigen Schwägalp-Schwingets. Sie ist eine positive.

Es sind keine Stichverletzungen bekannt und es gab auch keine Fusstritte gegen am Boden liegende Menschen. Es gab keine Sachbeschädigungen. Über den Lautsprecher wurden mehrere Male Leute aufgefordert, ihr verlorenes Portemonnaie oder den verlorenen Motorrad- oder Autoschlüssel bei der Fundstelle abzuholen. Die Finder haben sie anstandslos dort deponiert. Es wurde weder Schmuck gestohlen noch gab es Vergewaltigungen. Das neue Phänomen Needle-Spiking wurde auf der Schwägalp nirgends beobachtet. Es gab keine einzige Nadelstichattacke aus dem Hintergrund.

Warum? Weil es am Schwägalp-Schwinget keine Täter gab. Nur Böse. Aber das war so geplant und fand im Sägemehlring statt.

Und ja, nach dem Raven in der Stadt Zürich kam das grosse Putzen. Die ganze Stadt war ein kleiner Saustall. Berge von Abfällen sind liegen geblieben. Auf der Schwägalp trug jede Besucherin und jeder Besucher das Mineralfläschli oder den Bierbecher fein säuberlich zur Rückgabestelle.

Zwei Anlässe: Der eine in der Stadt, der andere auf dem Land. Der eine mit einem Höchstaufgebot an Polizei und Rettungsdiensten, der andere ohne besondere Aufgebote. Ob überhaupt eine einzige Polizistin oder ein Polizist auf der Schwägalp nötig gewesen wäre, darüber liesse sich diskutieren. Aber ein wenig macht es einen schon stolz zu sehen, dass grössere Anlässe auch heute noch ohne spezielle Sicherheitsaufgebote und Sonderkommandos durchgeführt werden können. Der traditionellen Schweiz sei Dank.