Frühling
Der Mai macht was er will: Wetterkapriolen vermiesen Pfingsten und Heuferien

Das bisherige Mai-Wetter lässt jegliche Frühlingsgefühle erkalten. Vorerst wird sich an den wechselhaften Wetterverhältnissen nichts ändern. Doch was steckt hinter diesem Phänomen?

Gabriela Schmid
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Wer über Pfingsten auf strahlende Sonne hofft, wird leider enttäuscht. Der Jetstream macht nicht nur der Ostschweiz einen Strich durch die Rechnung.

Wer über Pfingsten auf strahlende Sonne hofft, wird leider enttäuscht. Der Jetstream macht nicht nur der Ostschweiz einen Strich durch die Rechnung.

Bild: Philipp Schmidli

Nach einem langen Winter im Shutdown, endlich der Lichtblick: Der anfangs ungewöhnlich frostige April überraschte gegen Ende Monat mit frühsommerlichen Temperaturen. Doch der als Wonnemonat bekannte Mai lässt dieses Jahr einiges zu wünschen übrig.

Kälte, Nässe und wenig Sonne

Dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie zufolge war es in der gesamten Schweiz bislang markant kälter als für diese Jahreszeit üblich. Seit Beginn des Monats befanden sich die Temperaturen verbreitet zwischen zwei und zweieinhalb Grad unter dem Durchschnitt.

Trotz des kühlen Wetters blieb in der Ostschweiz allerdings der Besuch der Eisheiligen aus – zur Freude von Bauern und Hobbygärtnern. «Vom 11. bis zum 15. Mai lagen die Tiefstwerte der Temperatur auch in Bodennähe deutlich über dem Gefrierpunkt», erläutert Stefan Bader von «Meteo Schweiz».

Weniger erfreulich für Sonnenhungrige hingegen ist die anhaltende Nässe. So fiel in der Ostschweiz bereits bis zur Monatshälfte so viel Regen wie sonst im gesamten Mai. Folglich wurde beispielsweise in St.Gallen und am Bodensee eine deutlich geringere Sonnenscheindauer verzeichnet, erklärt Bader:

«Die vielen Niederschlagstage liessen der Sonne bisher kaum eine Chance.»

Badigänger müssen sich also noch etwas gedulden. Auch die Wandersaison verspätet sich durch den Schneefall in den Bergen. Am Säntis, zum Beispiel, legte die Schneehöhe seit Anfang Mai um rund einen halben Meter zu, wie das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie schreibt.

Sonderlich, aber kein Einzelfall

Schuld an dem Schmuddelwetter ist der sogenannte Polarfrontjetstream – ein Starkwind, welcher von Westen nach Osten weht. Je nach Verlauf erzeugt dieser dabei Hoch- und Tiefdruckgebiete. Regenströme und Gewitter entstehen gemäss «Meteo Schweiz» in labileren Luftmassen aufgrund der Sonneneinstrahlung. Ein stabiles Hochdruckgebiet sei weiterhin nicht in Sicht.

Die rasante Klimaerwärmung macht sich laut Statistiken des Bundesamts für Meteorologie und Klimatologie seit Ende der 1980er-Jahre in der Schweiz bemerkbar. Dennoch sind die unbehaglichen Mai-Tage in diesem Jahr kein Einzelfall, sagt Stefan Bader. Exemplarisch dafür sei das Jahr 2019: Mit Schneefällen bis in tiefe Lagen war es so kalt, wie seit 30 Jahren nicht mehr.

«Der Mai kann hin und wieder recht unfreundlich sein.»

Mutter Natur und Allergiker profitieren

Während Outdoor-Pläne für Pfingsten ins Wasser fallen, kommt die Natur wieder zu Kräften. «Die vergangenen Frühlingsmonate, März und April, waren beide niederschlagsarm», präzisiert Bader. In St.Gallen prasselte im März etwa 16 Prozent weniger Regen als gewöhnlich, im April gar 62 Prozent. Der Mai trage nun wesentlich dazu bei, dieses Regendefizit aufzubessern, so Bader.

Klar ist: Wo Regentropfen fallen, fliegen weniger Pollen. Schon die Birken- und Eschenpollen konnten sich wegen des frischen Aprilwetters nur schwach durchsetzen. Die Gräserpollensaison beginne nun ebenfalls mit Verzögerung. Bader warnt jedoch: «Für die nächsten Tage ist mit einem Ansteigen der Gräserpollenkonzentrationen zu rechnen, dies natürlich vor allem während längeren sonnigen Abschnitten.»

Launisches Wetter über Pfingsten

Der Blick auf das Pfingstwochenende bietet der Ostschweiz eher trübe Aussichten:

  • Am Freitag sind laut Prognosen von «Meteo Schweiz» zunächst föhnige Aufhellungen zu erwarten, ehe von Westen her dichte Wolken und Regen aufziehen.
  • In der Nacht auf Samstag ist mit Niederschlägen zu rechnen. Tagsüber zeigt sich trotz Wolken vereinzelt die Sonne. Gelegentliche Schauer sind nicht auszuschliessen.
  • Erst der Pfingstsonntag zeigt sich etwas freundlicher, wobei es im Verlauf vom Tag vor allem in der Alpenregion zu Regengüssen kommen kann.
  • Das Wetter am Pfingstmontag ist veränderlich bewölkt. Im Flachland blickt teilweise die Sonne durch. Gegen Abend fällt erneut Regen.

Die Temperaturen über das verlängerte Wochenende liegen weiterhin unter der Norm mit zwischen 7 und 18 Grad. Meteorologe Bader empfiehlt bei Aktivitäten im Freien wetterfeste Kleidung und gute Schuhe.