Erbenaufruf
So gehen die St.Galler Behörden vor, wenn sie Nachkommen einer verstorbenen Person suchen

Verstirbt eine Person, die im Ausland geboren wurde, haben die St.Galler Behörden verschiedene Mittel, um Nachkommen eines Erblassers zu finden. Der Amtsleiter des Handelsregisters erklärt, wann der Erbaufruf zur Anwendung kommt.

Natascha Arsić
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Wenn jemand verstirbt, müssen die Behörden alle Erben ausfindig machen.

Wenn jemand verstirbt, müssen die Behörden alle Erben ausfindig machen.

Bild: Getty

Mit einem Erbaufruf in der «Neuen Zürcher Zeitung» sucht der Kanton St.Gallen nach Nachkommen einer Erblasserin. Sanchez-Campins Maria del Pilar, geboren am 10. August 1934 in Madrid, von Spanien, Tochter des Sanchez-Campins José und der Sanchez Adoracion, wohnhaft gewesen an der Kreuzackerstrasse 6 in 9000 St.Gallen.

Am 28. Februar 1970 ist sie in die Schweiz eingereist. Gemäss dem Erbaufruf können daher mögliche Nachkommen in Spanien nicht ausgeschlossen werden. In erster Linie suche der Kanton allfällige Nachkommen der Erblasserin. Sofern solche nicht vorhanden sind, suche er mögliche Nachkommen im elterlichen oder grosselterlichen Stamm.

Gestorben ist Sanchez-Campins am 5. Februar 2022 in St.Gallen. Unbekannte Erben werden aufgefordert, sich unter Nachweis ihrer Erbberechtigung beim Amtsnotariat St.Gallen zu melden.

«Auf eine perfekte Fälschung könnte jeder reinfallen»

«Es kommt zwar nicht so häufig vor, doch wenn wir Erben vermuten und sie mit anderen Mitteln nicht ausfindig machen können, greifen wir auf den Erbaufruf zurück», erklärt Clemens Meisterhans, Amtsleiter des St.Galler Handelsregisters. Denn die Behörden sind verpflichtet, möglichst alle Erben zu finden, damit sie in der Erbbescheinigung aufgeführt werden können. Der Aufruf richte sich somit an alle, die das Gefühl haben, sie hätten Anspruch auf das Erbe.

Oft werden Erbaufrufe bei Fällen mit einem internationalen Hintergrund gestartet. Dabei wird das Inserat laut Meisterhans sowohl am Wohnort der verstorbenen Person als auch im Herkunftsland beziehungsweise dort, wo Erben vermutet werden, in der Zeitung geschaltet. Und zwar in jener, die am meisten gelesen wird und eine grosse Reichweite hat. «Das Amt kann dabei zum Beispiel auch von der ausländischen Botschaft in der Schweiz oder dem Schweizer Konsulardienst Unterstützung erhalten», so Meisterhans.

Um Anspruch auf das Erbe anmelden zu können, müssen die Personen einen Nachweis ihres verwandtschaftlichen Verhältnisses mit der verstorbenen Person vorweisen. Fälle von Betrügern, die an fremdes Erbe gelangen wollen, sind ihm keine bekannt, sagt der Amtsleiter. «Ganz ausschliessen lässt sich die Gefahr nie, auf eine perfekte Fälschung könnte jeder reinfallen.» Doch: Die Zuständigen bei den Behörden wüssten, wie die Zivilstandsdokumente der umliegenden Nachbarstaaten aussehen. Sofern sich keine Erbberechtigten melden, fällt der Nachlass an das Gemeinwesen.