Covid-Gesetz
Drei von vier Ostschweizer Kantonen sagen Ja – Appenzell Innerrhoden lehnt die Covid-Vorlage als einziger Kanton neben Schwyz ab

Thurgau, St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden stimmen dem Covid-Gesetz zu, Appenzell Innerrhoden steht mit seinem Nein allein auf weiter Flur. Die Befürworter haben gegenüber der ersten Abstimmung im Juni in der Ostschweiz in praktisch allen Gemeinden zugelegt, vor allem auf dem Land.

Jürg Ackermann
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Plakat der Gegner des Covid-Gesetzes.

Plakat der Gegner des Covid-Gesetzes.

Bild: Christian Flierl / bz

Die Abstimmung über das Covid-Gesetz hat auch in den Ostschweizer Kantonen viele Emotionen freigesetzt. Die Vorlage mobilisierte Geimpfte wie Ungeimpfte, eine sehr hohe Stimmbeteiligung war die logische Folge. So nahmen in Appenzell Ausserrhoden fast 73 Prozent aller Stimmberechtigten an der Abstimmung teil, im Kanton St.Gallen 69 und im Thurgau über 67 Prozent.

Schon nach wenigen ausgezählten Gemeinden war klar, dass diese hohe Mobilisierung auch in der Ostschweiz vor allem den Befürwortern des Gesetzes in die Hände spielt. Insbesondere auf dem Land machte das Ja-Lager teils deutlich Boden gut.

Hier konnten die Befürworter des Gesetzes im Kanton St.Gallen in vielen Gemeinden zwischen vier und sieben Prozentpunkte zulegen. So stieg der Ja-Stimmen-Anteil gegenüber der Abstimmung im Juni in Tübach von 55 auf fast 62 Prozent, in Zuzwil von 53 auf 59,3 Prozent, in Schmerikon von 53,2 auf 59,3 Prozent oder in Mörschwil von 58,2 auf 63,3 Prozent.

Und die Landgemeinden, die das Covid-Gesetz auch dieses Mal ablehnten, taten dies meist weniger deutlich als noch im Juni. So schrumpfte das Nein-Lager in Rüthi von 56 auf 51 Prozent, in Sevelen von 54,4 auf 51,6 Prozent, in Flums von 62 auf 58 Prozent oder in Ebnat-Kappel von 59,5 auf 52,8 Prozent.

Die Folge: Im ganzen Kanton stieg der Ja-Stimmen-Anteil von 51 auf fast 55 Prozent. Dass er nicht noch stärker zunahm, lag an den urbanen Gebieten. Erstaunlicherweise gab es nämlich in den Städten, die schon im Juni das Covid-Gesetz teils deutlich angenommen hatten, kaum mehr Veränderungen. Die Befürworter hatten ihr Potenzial hier offensichtlich weitgehend ausgeschöpft.

Nur in Rorschach legen die Gegner zu

So stieg der Ja-Stimmen-Anteil in der Stadt St.Gallen nur noch marginal von 65,7 auf 65,8 Prozent, in Wil von 58,7 auf 60,2 Prozent oder in Buchs von 51 auf 52,3 Prozent. Etwas rätselhaft ist der Ausgang der Corona-Abstimmung in Rorschach. Die Stadt am See ist eine der ganz wenigen Gemeinden in der Ostschweiz, in der die Gegner des Coronagesetzes gegenüber der Abstimmung im Juni zulegen konnten, von 39.6 auf 42,4 Prozent.

Gegen 700 Frauen, Männer und Kinder hatten vor zehn Tagen mit einem Protestmarsch in Rorschach ihren Unmut gegen die Anpassung des Covid-Gesetzes bekundet. Ob das Resultat damit zusammenhängt, ist reine Spekulation.

Insgesamt widerspiegelt das St.Galler Abstimmungsergebnis jedoch ziemlich genau den Impfgraben im Kanton. Im Toggenburg, wo nur knapp über 50 Prozent aller Menschen gegen Corona geimpft sind, wurde die Covid-Vorlage mit einer satten Mehrheit von 57 Prozent bachab geschickt. In Wahlkreis St.Gallen, wo die Impfquote bei über 66 Prozent liegt, gab es den mit 63 Prozent höchsten Ja-Anteil im Kanton. Von den acht Wahlkreisen sagte neben dem Toggenburg nur noch das Rheintal – allerdings äusserst knapp – Nein.

Thurgauer Seegemeinden kippen vom Nein- ins Ja-Lager, nicht aber Amriswil

Ein sehr ähnliches Bild zeigte sich im Thurgau. Auch hier waren es vor allem die Landgemeinden, in welchen die Befürworter des Gesetzes gegenüber der Abstimmung im Juni am stärksten zulegen konnten.

So kippten verschiedene Orte wie Märstetten, Egnach, Schlatt oder die Seegemeinden Güttingen, Uttwil oder Altnau vom Nein- ins Ja-Lager. Nicht jedoch die Stadt Amriswil. Hier blieben die Gegner erstaunlicherweise in der Mehrheit.

In den anderen Thurgauer Städten gab es jedoch die erwartet soliden Ja-Mehrheiten, in Arbon mit 58 Prozent, in Kreuzlingen mit 63 Prozent und insbesondere in Frauenfeld. Die Thurgauer Hauptstadt sagte mit 66,2 Prozent überraschenderweise noch deutlicher Ja als die Stadt St.Gallen (65,8).

Dies führte dazu, dass der Thurgau, der das Covid-Gesetz im Juni noch hauchdünn abgelehnt hatte, nun mit 54,65 Prozent Ja sagte. Mit einer fast gleich hohen Zustimmung wie der Kanton St.Gallen (54,73 Prozent).

Damit liegen die beiden Kantone zwar deutlich unter der schweizweiten Zustimmungsrate von 62 Prozent, dennoch ist das Ergebnis bemerkenswert. Denn die Befürworter des Gesetzes legten im Vergleich zum Juni im Thurgau und in St.Gallen stärker zu als in vielen anderen Kantonen.

Mehrheit der Gemeinden in Ausserrhoden sagen Nein

Mit knapp 400 Stimmen Unterschied nur eine sehr knappe Mehrheit für das Gesetz gab es in Appenzell Ausserrhoden. Der Kanton hatte wie der Thurgau im Juni noch zum Nein-Lager gehört. Zwar lehnte auch diesmal der grosse Teil der Gemeinden die Vorlage ab, dank bevölkerungsreicherer Orte wie Speicher, Gais, Herisau, Teufen, Heiden oder Trogen hatten die Befürworter am Schluss dennoch knapp die Nase vorne.

Im Kanton Appenzell Innerrhoden, der beim Impfen zu den Schlusslichtern des Landes gehört, stiess das Covid-Gesetz wie erwartet auf wenig Gegenliebe. Über 55 Prozent stimmten Nein – so viele wie nirgendwo in der Schweiz. Einzig der Kanton Schwyz lehnte das Covid-Gesetz ebenfalls ab, mit 51,8 Prozent allerdings deutlich knapper als Appenzell Innerrhoden.

Einen ausführlichen Artikel zum Resultat finden Sie zu folgenden Gemeinden:

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