Covid-19
Nach Forderung des obersten Gesundheitsdirektors: Ostschweizer Kantone führen noch keine verschärften Massnahmen an Schulen ein

Der oberste Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger fordert aufgrund der steigenden Fallzahlen verstärkte Schutzmassnahmen an Schulen. Während Kantone wie Graubünden oder Basel-Stadt bereits reagiert haben, wartet die Ostschweiz vorerst noch ab.

Rossella Blattmann
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Die St.Galler Regierung hat noch keine verschärften Massnahmen wie eine Wiedereinführung der Maskenpflicht an den Volks- und Mittelschulen beschlossen.

Die St.Galler Regierung hat noch keine verschärften Massnahmen wie eine Wiedereinführung der Maskenpflicht an den Volks- und Mittelschulen beschlossen.

Bild: Gaetan Bally/Keystone

Die Zahlen steigen weiter und ein Licht am Ende des Coronatunnels ist noch lange nicht in Sicht. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) meldet am Montag für die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein 14'590 Neuinfektionen übers Wochenende. Am Montag vor einer Woche waren es noch 9702 gewesen. Auch in der Ostschweiz bleibt die Gesamtzahl Neuansteckungen hoch: Der Kanton St.Gallen verkündet fürs Wochenende 1373 neue laborbestätigte Coronafälle – das sind fast ein Zehntel der nationalen Neuansteckungen.

Lukas Engelberger, Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK).

Lukas Engelberger, Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK).

Bild: Anthony Anex/Keystone

Covid-19 grassiert momentan vor allem unter Jugendlichen: Wie die Statistik des Bundesamts für Gesundheit zeigt, sind die Fallzahlen in der ersten Novemberhälfte bei den 10- bis 19-Jährigen am höchsten. In der Woche vom 8. bis zum 14. November wurden in dieser Altersgruppe über 4700 Personen positiv getestet.

LCH-Präsidentin Dagmar Rösler.

LCH-Präsidentin Dagmar Rösler.

Bild: Gaetan Bally/Keystone

Lukas Engelberger, Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren, und Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) fordern deshalb von den Kantonen verstärkte Schutzmassnahmen an den Schulen.

Wie reagiert nun die Ostschweiz auf die Forderungen des obersten Gesundheitsdirektors? Und wie präsentiert sich die Lage bezüglich Neuansteckungen in den Schulen der Kantone St.Gallen, Thurgau, Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden?

Kanton St.Gallen: Noch keine Zusatzmassnahmen

Aus dem Gesundheitsdepartement des Kantons St.Gallen heisst es auf Anfrage:

«Die St.Galler Regierung diskutiert die aktuelle Lage laufend, hat bislang aber keine Verschärfung der Covid-Massnahmen beschlossen.»

Und: «Ein solcher Beschluss wird dann gefällt, wenn die epidemiologische Lage es erforderlich macht.» Würden weitere Beschlüsse notwendig, kommuniziere die Regierung diese und deren Hintergründe «zum gegebenen Zeitpunkt». Dies gelte auch für allfällige Massnahmen im schulischen Bereich. Eine Koordination mit den Nachbarkantonen werde von Fall zu Fall entschieden, hält das Gesundheitsdepartement weiter fest.

An den St.Galler Volksschulen kam es vergangene Woche bei den 54'982 Schülerinnen und Schülern zu 328 Neuinfektionen, teilt derweil das Bildungsdepartement mit. Vor einer Woche waren 291 Neuansteckungen gemeldet worden; dies nach 155 beziehungsweise 43 Fällen in den Vorwochen. Von den insgesamt 20'467 Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe II haben sich im Kanton St.Gallen vergangene Woche 73 neu mit dem Coronavirus angesteckt.

Thurgau: Warten auf die Kinderimpfung

Die Thurgauer Regierungsrätin Monika Knill (SVP), Vorsteherin des Departements für Erziehung und Kultur.

Die Thurgauer Regierungsrätin Monika Knill (SVP), Vorsteherin des Departements für Erziehung und Kultur.

Bild: Andrea Stalder

Der Thurgau führe seit den Herbstferien flächendeckend präventiv-repetitive Testungen durch, hält Bildungschefin Monika Knill fest. Teilnahmebereitschaft und Akzeptanz seien gut, und «die komplexen Prozesse übers Ganze gesehen gut angelaufen». Schutzkonzepte würden von den Schulen nach wie vor pflichtbewusst umgesetzt. Doch Knill sagt auch:

«Bei Bedarf können weitere lokale und situative Massnahmen zur Reduktion der Ansteckungsgefahr ergriffen werden.»

Und:

«Solange Kinder unter 12 Jahren keinen Zugang zur Impfung erhalten, wird es zu erhöhten Ansteckungen auf der Primarschulstufe kommen.»

Es brauche ein Abwägen, welche Massnahmen flächendeckend angeordnet und wo der individuelle Schutz verortet werden soll. «Die Realität ist so, dass von den 168 Stunden einer Woche ein Primarschulkind gerade mal 20 bis 24 Lektionen in der Schule ist», ergänzt Knill. «Über 145 Stunden pro Woche befinden sich die Kinder im familiären, privaten Umfeld, wo die strikte Einhaltung von Schutzmassnahmen nicht vorausgesetzt werden kann.»

Massnahmendruck auf Schulen

Der Thurgau habe immer aufgrund der aktuellen Lage entschieden, und so auch temporäre Maskentragpflichten angeordnet, so Knill. Neben epidemiologischen Erwägungen sei für das Schulfeld jeweils eine «Gesamtbeurteilung unter Einbezug weiterer pädagogischer und psychologischer Faktoren vorzunehmen». Diese Beurteilung werde man fortlaufend machen und entsprechend handeln.

So würden es auch die anderen Kantone handhaben, weshalb sich einzelne Massnahmen auch bezüglich der Festlegung und Dauer zwischen den Kantonen unterscheiden würden. Knill sagt:

«Es tönt teilweise etwas gar einfach, nun den ganzen Massnahmendruck auf die Schulen zu übertragen, wenn es nicht gelungen ist, die vielen Ungeimpften im Rahmen der nationalen Impfwoche für eine Impfung zu überzeugen.»

Vielmehr sollten jetzt die vereinten Kräfte für die Bereitstellung der dringend nötigen Booster-Impfung eingesetzt werden. Davon würden laut Knill auch die Schulen profitieren.

Appenzell Ausserrhoden: Kanton prüft ergänzende Massnahmen

Alfred Stricker (parteiunabhängig), Vorsteher Departement Bildung und Kultur Appenzell Ausserrhoden.

Alfred Stricker (parteiunabhängig), Vorsteher Departement Bildung und Kultur Appenzell Ausserrhoden.

Bild: PD

Alfred Stricker, Vorsteher des Departements Bildung und Kultur Appenzell Ausserrhoden, sagt:

«Appenzell Ausserrhoden beobachtet den Fallanstieg mit Sorge und ist bereits daran, ergänzende Massnahmen zu prüfen.»

Appenzell Ausserrhoden spreche sich diesbezüglich mit den umliegenden Kantonen ab. Der Kanton folge den Vorgaben von Bundesrat und der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) und weiterer Netzwerke, beobachte die Entwicklung in Bezug auf Covid-19 sehr aufmerksam und handele «situationsbezogen gemäss dem aktuellen Wissensstand». Dazu tausche man sich mit verschiedenen Fachgremien aus. Stricker sagt:

«Es ist noch offen, wann der Regierungsrat über weitere Massnahmen entscheidet.»

Der Regierungsrat lasse sich seit Beginn der Pandemie mindestens einmal wöchentlich über die Lage informieren und sei in engem Austausch mit dem kantonalen Führungsstab.

Repetitive Tests bei Rund der Hälfte der Gemeinden

«Appenzell Ausserrhoden hat sich für eine kombinierte Strategie mit Ausbruchstestungen, freiwilligen präventiven Testungen und situativer, zeitlich begrenzter Maskentragepflicht an den Schulen entschieden», hält Stricker weiter fest. «Das bedeutet, dass die jeweilige Situation in einer Gemeinde betrachtet wird und die entsprechenden Massnahmen durch den Schulträger oder die kantonalen Behörden angeordnet werden.» So könnten trotz gemeinsamer kantonaler Strategie die vor Ort notwendigen Massnahmen unterschiedlich sein. «Rund die Hälfte der Gemeinden führen repetitive Tests durch. Weitere Schulen sind dabei, das freiwillige repetitive Testen aufgrund der aktuellen Lage einzuführen», sagt Stricker.

Appenzell Ausserrhoden verzeichnete übers Wochenende 138 Coronafälle. Gemäss Stricker gab es vergangene Woche unter den 5900 Schülerinnen und Schülern der Volksschule 70 Neuansteckungen, 6 auf der Sekundarstufe II.

Appenzell Innerrhoden: Festhalten an Maskenpflicht auf Oberstufe

Und wie sieht es in Appenzell Innerrhoden bezüglich Verstärkung der Schutzmassnahmen an den Schulen aus? Im Moment würden Absprachen mit dem Kantonsarzt laufen, sagt Silvio Breitenmoser, Departementssekretär des Innerrhoder Erziehungsdepartements. Und:

«Wir erwägen eine Intensivierung der repetitiven Tests. An der Maskenpflicht ab der Sekundarstufe I werden wir festhalten.»

An den Innerrhoder Volksschulen kam es vergangene Woche zu fünf Neuansteckungen bei der Schülerschaft, an den Mittelschulen zu drei, teilt Breitenmoser weiter mit.

Andere Kantone haben bereits reagiert

Andere Kantonen hingegen haben aufgrund der rasch steigenden Ansteckungszahlen bereits zusätzliche Massnahmen beschlossen. So gilt in Teilen Graubündens ab morgen Dienstag die Maskenpflicht ab der dritten Primarklasse. Betroffen sind die Regionen Imboden, Landquart, Moesa, Plessur, Prättigau, Surselva und Viamala.

Und der Kanton Basel-Stadt, wo Engelberger als Gesundheitsdirektor waltet, hat bereits reagiert. Basel-Stadt führt ab Mittwoch die Maskenpflicht ab der 5. Klasse ein.

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