Bodenseeraum
«Unter dem Strich kommt zu wenig raus»: Das St.Galler Symposium EcoOst debattiert über einen klimaneutralen Bodensee und unsexy Strassenprojekte

Alt Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold für die Schweiz, Hilti-CEO Christoph Loos für Liechtenstein, Industrievertreter Christian Zoll für Vorarlberg und Unternehmerin Dorothee Buhmann für das Allgäu: Wirtschaftsvertreterinnen und -vertreter suchten am «EcoOst St.Gallen Symposium» nach Ideen für eine verstärkte Zusammenarbeit im Bodenseeraum.

Stefan Marolf Jetzt kommentieren
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Von links nach rechts: Christian Zoll, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Vorarlberg, alt Bundesrätin und Präsidentin von Switzerland Global Enterprise Ruth Metzler-Arnold, «Tagblatt»-Chefredaktor und Moderator Stefan Schmid, Hilti-CEO Christoph Loos und Dorothee Buhmann, Geschäftsführerin der Buhmann Systeme GmbH.

Von links nach rechts: Christian Zoll, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Vorarlberg, alt Bundesrätin und Präsidentin von Switzerland Global Enterprise Ruth Metzler-Arnold, «Tagblatt»-Chefredaktor und Moderator Stefan Schmid, Hilti-CEO Christoph Loos und Dorothee Buhmann, Geschäftsführerin der Buhmann Systeme GmbH.

Bild: Stefan Marolf

Die kritischste Frage des gesamten «EcoOst St.Gallen Symposium» am Mittwochabend in der St.Galler Lokremise kam nicht von Moderator Stefan Schmid, sondern aus dem Publikum. Was eigentlich bei den Treffen der internationalen Gremien rund um den Bodensee ausser Apéros jeweils herausschaue, wollte eine junge Frau ganz zum Ende der Veranstaltung mit dem Titel «Zukunftsraum Bodensee – Wandel gemeinsam gestalten» wissen.

Ruth Metzler-Arnold, alt Bundesrätin und Präsidentin von Switzerland Global Enterprise.

Ruth Metzler-Arnold, alt Bundesrätin und Präsidentin von Switzerland Global Enterprise.

Bild: Michel Canonica

Alt Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold nahm sich der Frage an. Die Apéros seien wichtig, um Kontakte zu knüpfen, betonte sie. Unterstützung erhielt sie von Christian Zoll, dem Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Vorarlberg. «Die Grundlage von Zusammenarbeit ist gegenseitiges Vertrauen.»

Zur konkreten Wirkung der Treffen von Organisationen wie der Internationalen Bodenseekonferenz sagte allerdings auch Zoll:

«Unter dem Strich kommt zu wenig raus.»

«Der Bodensee hat etwas Trennendes»

Christoph Loos, CEO der Hilti Group.

Christoph Loos, CEO der Hilti Group.

Bild: Eddy Risch

Christoph Loos, Geschäftsführer der liechtensteinischen Hilti Group, war trotzdem positiv gestimmt, was die internationale Zusammenarbeit rund um den Bodensee angeht. Er sagte: «Ich sehe viel Pragmatismus.» Eine übergeordnete «politische Agenda» vermisst aber auch der Werkzeughersteller aus dem Fürstentum.

Die länderübergreifende Zusammenarbeit zu intensivieren sei zwar wünschenswert, aber schwieriger als in anderen Grenzregionen, glaubt Metzler-Arnold. «So schön er auch ist: Der Bodensee hat etwas Trennendes. Er macht die Distanzen grösser.»

Der erste CO2-neutrale See Europas

Getrenntes zusammenbringen, und zwar mittels Verkehrsprojekten, war eines der Hauptthemen am EcoOst-Symposium. Über die parallel verlaufenden Autobahnen im Rheintal und deren fehlende Verbindung amüsierte sich der Vorarlberger Christian Zoll schon fast, fand aber ein gewisses Verständnis für das Nichtzustandekommen der Autobahnverbindung:

«Strassenverkehrsprojekte sind nicht mehr sexy.»

Ernsthafter diskutiert wurde eine mögliche Elektrifizierung der Bodensee-Schifffahrt. Der HSG-Student Philipp Rodak stellte die Idee vor, die den Bodensee zum ersten «CO2-neutral betriebenen See Europas» machen würde. Er sieht sie im Kontext eines Bodenseeraums, der zum «Reallabor» für nachhaltige Pilotprojekte werden soll.

Grüne Technologien am Bodensee

Der zweite grosse Ansatz zur Förderung der Region, den Stefan Schmid und seine Gäste vor vollen Rängen in der Lokremise diskutieren, war die Bekämpfung des Fachkräftemangels. Mit einem kurzen Vortrag Input zeigten die beiden HSG-Studenten Niklas Gurcke und Luca Bianchi ihre Lösung auf: die Positionierung des Bodenseeraums als «europaweit führendes Green-Tech-Zentrum» und damit verbunden das Ziel, qualifiziertes Personal in der Region zu halten.

Als die vier Gäste und Moderator Stefan Schmid zum Schluss abstimmten, welche Idee weiterverfolgt werden soll, wurde es knapp. Christoph Loos und Ruth Metzler-Arnold sprachen sich für den klimaneutralen Bodensee und damit für Mobilitätsprojekte aus.

«Der Fachkräftemangel brennt mir auf dem Herzen», sagte Dorothee Buhmann, Geschäftsführerin der Allgäuer Buhmann Systeme GmbH. Sie und Christian Zoll stimmten für das «Green-Tech»-Zentrum und damit für Massnahmen gegen den Personalmangel.

Damit war Stefan Schmid zum Schluss das Zünglein an der Waage. Er schlug sich auf die Seite von Zoll und Buhmann und sorgte mit seiner Stimme dafür, dass sich bis zum Herbst eine Gruppe von HSG-Studierenden vertieft mit umweltverträglichen Technologien im Wirtschaftsraum Bodensee auseinandersetzen wird.

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