Betrunkener lässt Auto auf Gleis in Richtung Buchs stehen: Kombinierte Geld- und Gefängnisstrafe

Ein 28-Jähriger verlor seine Schweizer Wohnung und musste wieder bei seiner Mutter in Feldkirch einziehen. Betrunken liess er sein Auto auf dem Gleis in Richtung Buchs stehen. Beinahe wäre ein Personenzug mit dem Fahrzeug kollidiert.

Christiane Eckert
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Der Mann fuhr solange das Geis entlang, bis sein Auto im Schotter stecken blieb.

Der Mann fuhr solange das Geis entlang, bis sein Auto im Schotter stecken blieb.

Symbolbild: Stadtpolizei St.Gallen

Feldkirch. Der 28-jährige Maurer hatte im Herbst einiges zu verarbeiten. In der Schweiz in Kreuzlingen hatte er seinen Arbeitsplatz verloren, eine Menge Schulden am Hals, die Schweizer Wohnung war weg und er musste bei seiner Mutter in Feldkirch einziehen. Er trank einiges über den Durst, laut eigenen Angaben ein paar Bier und einen Jack Daniels, womit er es auf etwas über ein Promille brachte.

Gegen 22.30 Uhr verliess er in Feldkirch sein Stammlokal und stieg ins Auto. Gleich zu Beginn der Fahrt erwischte der Lenker einen Begrenzungspfosten. Er fuhr Richtung Altenstadt, drehte noch ein paar Runden auf einem Fussballplatz, wodurch ein Flurschaden entstand. Dann zweigte er auf der Bahnstrecke nach Buchs ab und fuhr so lange den Gleisen entlang, bis das Auto im Gleisschotter stecken blieb. Die Räder drehten durch, es gab kein Vor und kein Zurück. In Panik verliess der 28-Jährige den Toyota und ging die wenigen hundert Meter zu Fuss zu seiner Wohnung. Warum er überhaupt auf die Gleise gefahren war, weiss er nicht mehr.

Grosses Glück

«Gegen 22.50 Uhr konnte der Notfallkoordinator der Österreichischen Bundesbahnen verständigt werden. Um 23.05 hätte ein Personenzug die Strecke passieren sollen», zeigt Staatsanwältin Melanie Wörle auf, wie knapp ein Unglück verhindert wurde.

Der Zug wurde im letzten Moment umgeleitet. Mehrere Personen hatten die Aktion beobachtet und die Landesleitzentrale verständigt. Doch kurz darauf rief der alkoholisierte Lenker selbst die Landesleitzentrale an und meldete, sein Fahrzeug wäre ihm gestohlen worden. Er habe es beim Landesgericht Feldkirch abgestellt, dort müsse es der Dieb entwendet haben, so seine Lüge. «Mein Mandant war in Panik, zudem war er stark alkoholisiert und fürchtete um seinen Führerschein», erklärt Verteidiger Serkan Akman.

Verdächtige Spuren

Doch die Polizisten schöpften gleich Verdacht, als sie den schmutzigen Anzeigenerstatter sahen. Genauere Untersuchungen bestätigten, dass der Schmutz an der Hose mit dem Bodenmaterial vom Gleisdamm übereinstimmte. Schliesslich räumte der Mann sein Fehlverhalten ein. «Ich glaube nicht, dass man von Vorsatz sprechen kann», zeigt sich Akman davon überzeugt, dass seinem Mandanten nicht klar war, welch grosse Gefahr er für Zugpassagiere und Lokführer geschaffen hatte.

Das Gericht, der Schöffensenat, spricht den Angeklagten wegen versuchter vorsätzlicher Gemeingefährdung und Vortäuschung einer Straftat schuldig. Die Strafe für den fünffach Vorbestraften: zwölf Monate auf Bewährung plus 8000 Euro unbedingte Geldstrafe. Der Führerschein ist ebenfalls weg. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.