Bauvorhaben
St.Galler Staatsarchiv erhält neuen Standort – im Studienzentrum Technik der Fachhochschule OST

Das Staatsarchiv erhält mehr Platz und wird an einem Standort konzentriert: Die Regierung will dafür das Studienzentrum Waldau der Fachhochschule OST im St.Galler Lachenquartier umbauen und erweitern. Der Kantonsrat berät die Vorlage mit Kosten von 44 Millionen Franken in der Septembersession.

Marcel Elsener
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NTB-Campus Waldau: Das heutige Studienzentrum Technik der Fachhochschule OST im St.Galler Lachenquartier soll bis 2028 für ein zentrales Staatsarchiv umgebaut und erweitert werden.

NTB-Campus Waldau: Das heutige Studienzentrum Technik der Fachhochschule OST im St.Galler Lachenquartier soll bis 2028 für ein zentrales Staatsarchiv umgebaut und erweitert werden.

Bild: Ralph Ribi

Das Staatsarchiv hat endlich etwas zu Lachen, grossgeschrieben. Der Kalauer sei erlaubt, weil Staatsarchivar Stefan Gemperli und sein 15-köpfiges Team nach langer Geduldsprobe nun erstmals konkrete Aussichten auf ein zentrales und grösseres Archiv haben: Im Lachenquartier der Kantonshauptstadt plant die Regierung das heute auf drei Standorte verteilte und aus allen Nähten platzende Staatsarchiv an einem Ort unterzubringen – in einer Liegenschaft, wo derzeit das Studienzentrum Technik der Fachhochschule OST untergebracht ist.

Im umgenutzten Gebäude stünden dem Staatsarchiv ab der geplanten Eröffnung 2028 gesamthaft 8000 Quadratmetern Geschossfläche zur Verfügung, inklusive neu erstellten unterirdischen Magazinräumen, die Platz für das vorhandene Archivgut und Lagerkapazitäten für weitere 30 bis 40 Jahre böten. Baudirektorin Susanne Hartmann spricht von einer «guten, pragmatischen Lösung» auf einem kantonseigenen Grundstück, wo der «Wissensspeicher» und das «historische Gedächtnis» des Kantons für die Zukunft gesichert würden. Als Vorbild dient das 2011 eröffnete Thurgauer Staatsarchiv auf dem ehemaligen Zeughaus-Areal in Frauenfeld, das ebenfalls mit einem klimatisierten unterirdischen Magazin eingerichtet ist.

Räume schon länger ungeeignet und zu klein

So klar der gesetzliche Auftrag zur Überlieferung der Dokumente der kantonalen Behörden, der Verwaltung und der Anstalten des Staates, und so unbestritten seit fast zwei Jahrzehnten der Raumbedarf, musste das Staatsarchiv trotzdem jahrelang anderen Bauvorhaben den Vortritt lassen. Es brauchte mehrfach Druck aus dem Kantonsrat, um der von Staatsarchivar Gemperli schon 2014 beklagten «schleichenden Zerstörung» der Archivschätze Einhalt zu gebieten. Am Hauptstandort im Regierungsgebäude am Klosterhof (wo sich auch Kantonsgericht und Stiftsarchiv befinden) sind die Räume zu klein und ungeeignet, und wegen der veralteten Haustechnik bestand ein hohes Schadensrisiko; 2014 war es dort zu einem Wasserschaden gekommen.

Die Bestände des Staatsarchivs umfassen aktuell rund 10 Laufkilometer physische und 15 Terabyte digitale Daten. Jährlich wächst das analoge Archiv im Durchschnitt um 100 bis 200 Laufmeter. Die Magazinreserven im Klosterbezirk sind seit 2019 erschöpft. Die zugemieteten Räume an der Spisergasse (Werkstätten, Büros) und an der Schuppisstrasse (Aussenmagazin, mit Reserven bis vielleicht 2027) sind eine unzureichende Lösung, die wegen der Verteilung zusätzlichen Betriebsaufwand verursacht.

Vier Standorte in der Stadt auf hohe Anforderungen überprüft

Nachdem frühere Ideen für einen Neubau an der Moosbruggstrasse und Standorte in- und ausserhalb der Stadt St.Gallen verworfen wurden, prüfte der Kanton vier geeignete Standorte. Diese mussten hohe Anforderungen erfüllen wie sehr gute Erreichbarkeit, zwingende Anbindung an die Verwaltung und Kulturgüterschutz-Standards wie sehr gute Baugrundverhältnisse, einen tiefen Grundwasserspiegel und einen Abstand von 300 Meter von den Hauptverkehrsachsen – Letzteres wegen der Erschütterungen durch Geleise oder Autobahnen.

Das Grundstück neben dem städtischen Werkhof Waldau schnitt in der Evaluation «deutlich am besten ab», wie es heisst. Geprüft wurden ausserdem das unbebaute Grundstück neben der Kaufmännischen Berufsschule an der Kreuzbleiche, der Parkplatz Kinderspital mit angrenzenden Familiengärten und das ehemalige Personalwohnhaus neben der Klinik Stephanshorn.

Ersatzlösung für OST-Studienzentrum nötig

Die Vorlage muss nun zwei Hürden nehmen: Wenn der Kantonsrat im September zustimmt, folgt im Mai 2022 die Volksabstimmung. Der Kreditbedarf beträgt 44,3 Millionen Franken. Davon werden 39 Millionen für die Erweiterung und Umnutzung des bestehenden Gebäudes benötigt. Für den Bau der Kulturgüterschutzräume ist ein Bundesbeitrag von 3 Millionen Franken zu erwarten. Mit der Konzentration in einem kantonseigenen Gebäude könnten künftig Mietkosten von rund 165’000 Franken pro Jahr eingespart werden.

Eine besondere Herausforderung betrifft die Fachhochschule OST: Bis zum Baubeginn des neuen Staatsarchivs im Jahr 2025 muss ein Ersatzstandort für ihr Studienzentrum gefunden werden. Für diese Ersatzlösung setzt der Kanton 8,3 Millionen Franken ein. Ein Mietobjekt sei in Sicht, aber noch nicht spruchreif, sagt Bauchefin Hartmann. Abgesehen davon brauche die OST sowieso mehr Platz; in welche Richtung es gehe, hänge von der künftigen Gewichtung der Fakultäten ab. Von wegen Verbindungen: Ein hübscher Zufall will es, dass Anna Jessen, die Basler Architektin des Thurgauer Staatsarchivs, das die St.Galler Baubehörden so beeindruckte, den St.Galler Architekturlehrgang an der OST leitet.

Noch offen ist die künftige Nutzung der heutigen Staatsarchivräume im Klosterbezirk. Am ehesten dürfte dort wohl die Verwaltung profitieren.

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