Vor 33 Jahren spielten Skistars in Staad ein Fussballturnier gegen Sportreporter

Archivperle um 15 Uhr
Vor 33 Jahren spielten Skistars in Staad ein Fussballturnier gegen Sportreporter

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Sheila Eggmann

Wir testen mit dieser Serie ein neues Format. Immer um 15 Uhr folgt an dieser Stelle ein überraschender Artikel aus früheren Zeiten.

Sheila Eggmann, Jolanda Riedener 1 Kommentar
Drucken

... freuten sich die Staaderinnen und Stader über fussballspielende Skistars

Während des Fussballspiels in Staad regnete es.

Während des Fussballspiels in Staad regnete es.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Jolanda Riedener

Als das Ereignis überhaupt wurde das Plausch-Fussballturnier auf dem Bützel in Staad bezeichnet: Skistars spielten vor 33 Jahren gegen Sportjournalisten von DRS, wie das «Ostschweizer Tagblatt» berichtete.

2088 Zuschauerinnen und Zuschauer sowie Hunderte von Kindern wohnten dem Fussballspiel bei. «Stars mit klingenden Namen wie die mehrfachen Weltmeister und Olympiasieger Pirmin Zurbriggen, Peter Müller oder Martin Hangl konnten aus allernächster Nähe ‹live› betrachtet werden», hiess es in der Ausgabe vom 18. September 1989.

Ausserordentlich war der Andrang auf die Skinationalmannschaft.

Von allen Seiten wurden die Skistars belagert.

Von allen Seiten wurden die Skistars belagert.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Jolanda Riedener

«Zurbriggen, Müller und so weiter konnten sich dem gewaltigen Autogrammrummel nicht einmal in der Umkleidekabine erwehren», heisst es im «Ostschweizer Tagblatt» von damals. Die Skiasse haben die Partie gegen die DRS-Journalisten schliesslich mit 6:3 gewonnen.

... bot Amalia Näf einen Riesenpilz am St.Galler Marktstand an

Der Riesenpilz wurde erst ausgestellt, danach verkauft.

Der Riesenpilz wurde erst ausgestellt, danach verkauft.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Jolanda Riedener

Es ist ein besonderer Fund, der Amalia Näf im September 1999 vor ihrem Marktstand in St.Gallen präsentiert. Marktführer Albert Näf pflückte den Riesenbovist im Thurgau. Er erzählt gegenüber dem «St.Galler Tagblatt», wie er den Pilz fand: «Vor einer Woche war es ein etwa faustgrosser Kopf, sieben Tage später ein riesiger Pilz.» Das Warten hat sich gelohnt.

Den Fundort gibt Näf aber nicht preis. Er sagt nur: «Im Thurgau.» Schon das Jahr zuvor hatte er dort grosse Boviste gefunden. Den Riesenpilz bietet das Paar darauf auf dem Markt an. «Wer den ganzen Brocken will, erhält ihn am Stück, sonst wird er tranchenweise verkauft», sagt Amalia Näf.

... blickte die Abtwiler Miss Schweiz Amanda Ammann auf ihre Amtszeit zurück

Damals dachte sie nicht ans Aufhören: Amanda Amann war 2008 Miss Schweiz.

Damals dachte sie nicht ans Aufhören: Amanda Amann war 2008 Miss Schweiz.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Jolanda Riedener

Endlich eine Miss Schweiz aus dem Kanton St.Gallen: Amanda Ammann wurde im Oktober 2007 zur schönsten Frau des Landes gekrönt. Am 16. September sagt sie im «St.Galler Tagblatt»: «Als Miss Schweiz weisst du nie, was dich an einem Anlass erwartet. Das war schon etwas verrückt, aber sehr spannend.» Ende September muss die damals 21-Jährige ihre Krone wieder abgeben. Damals sagte sie:

«Ich würde gerne noch ein Jahr weitermachen.»

Miss-Schweiz-Wahlen sind seit 2018 Geschichte und auch die in Uzwil aufgewachsene Amanda Ammann hat sich inzwischen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

... meldeten die SBB die Entgleisung eines Schnellzugs auf der Strecke St.Gallen–Genf

Schnellzug entgleist: Nur eine Person wurde leicht verletzt.

Schnellzug entgleist: Nur eine Person wurde leicht verletzt.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Jolanda Riedener

In der Ausgabe vom 15. September 1959 heisst es:

«Die Kreisdirektion 1 der SBB teilt mit: Am Dienstag entgleiste in der Nähe der Bennstofflager bei Gland der ganze Zug 28 St.Gallen–Genf (Genf an 0.59 Uhr).»

Die Lokomotive habe kurz vor einem Bahnübergang das Geleise verlassen. Die Ursache der Entgleisung sei noch nicht geklärt. «Einzig der Speisewagen stürzte um, und es wurde nur eine Passagierin leicht verletzt», heisst es weiter. Der Zugsverkehr würde «beträchtliche Störungen erleiden», da die beiden Geleise versperrt wurden und der Strom bis Genf unterbrochen sei.

Die erste Meldung des Ereignisses wurde ohne Bild publiziert.

Die erste Meldung des Ereignisses wurde ohne Bild publiziert.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Jolanda Riedener

Später heisst es, «dass weder das fahrende Personal des verunglückten Zuges noch das Stationspersonal der Strecke irgendein Verschulden trifft». Die Ursache liege vielmehr an einem nicht von aussen erkennbaren Materialfehler. Dieser sorgte dafür, dass sich ein Magnet senkte und bei der Durchfahrt in Gland die bei den Signalen angebrachten Gegenmagnete berührte.

... erreichte uns die Meldung, dass der Goldacher Ausbrecherkönig im Gefängnis verstorben war

Fast 30 Jahre verbrachte der Ostschweizer im Gefängnis.

Fast 30 Jahre verbrachte der Ostschweizer im Gefängnis.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Jolanda Riedener

Der «Ausbrecherkönig» Walter Stürm hat sich im Untersuchungsgefängnis in Frauenfeld das Leben genommen, indem er sich mit einem Plastiksack erstickt hat, das berichtete das «St.Galler Tagblatt» am 14. September 1999. Ein Wärter des Kantonalgefängnisses Frauenfeld brachte «dem bekanntesten Häftling der Schweiz» am Montagmorgen um 7 Uhr Frühstück, als er ihn tot aufgefunden habe.

Die Hälfte seines Erwachsenenlebens verbringt Stürm im Knast, über 20 Jahre, viele davon in Isolationshaft, zweimal tritt er deswegen in den Hungerstreik. Zuvor hatte es schon mehrere Selbstmordversuche gegeben.

Aufgewachsen war Stürm in Goldach und Rorschach. Ausbrecherkönig nannte man ihn, weil er achtmal aus Schweizer Gefängnissen entwichen ist, zweimal haute er im Hafturlaub ab. Er soll über hundert Delikte begangen haben: Einbruch, Diebstahl, Raub, Banküberfall, mit zwei Ausnahmen immer gewaltfrei. Hundertfach liefert er Schlagzeilen, die berühmteste schreibt er selber, im April 1981 nach dem Ausbruch aus dem Gefängnis Regensdorf, als Botschaft an die Wärter:

«Bin beim Ostereiersuchen. Stürm.»

... präsentierte ein Landwirt aus Bütschwil stolz sein Zwergkalb

Das Zwergkalb aus Bütschwil schaffte es in die Zeitung.

Das Zwergkalb aus Bütschwil schaffte es in die Zeitung.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Jolanda Riedener

Tiere gehen immer, lautet eine Weisheit aus dem Journalismus. Das war wohl auch schon vor 43 Jahren so. Damals wurde im «St.Galler Tagblatt» obiges Bild abgedruckt, das zwei Kälbchen zeigt. Die Kuh eines Landwirts aus Bütschwil hatte dieses 14 Tage alte Tier zur Welt gebracht, das noch kleiner war als ein normales, fünf Tage altes Kalb (links im Bild).

Immerhin: Gesund und wohlauf war es trotz seiner Grösse. Und Landwirt Jakob Schönenberger war sichtlich stolz auf sein Vieh, mit dem er oben-ohne fürs Bild posierte.

In einer früheren Version stand, dass der Artikel mit dem Zwergkalb vor 25 Jahren, nämlich am 13. September 1997 erschienen ist. Das war falsch. Der Artikel ist am 13. September 1979 publiziert worden.

... berichtete das «Tagblatt» über ein «völliges Verkehrschaos» in der Stadt St.Gallen

Messe, Fussball und Altstadtlauf: Am 12. September berichtete das «St.Galler Tagblatt» von einem Verkehrschaos.

Messe, Fussball und Altstadtlauf: Am 12. September berichtete das «St.Galler Tagblatt» von einem Verkehrschaos.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Jolanda Riedener

Was für ein Wochenende in der Gallusstadt, im September 1994. Die ganze Stadt war an diesem Samstag auf den Beinen. Oder treffender: auf den Rädern. Der FC St.Gallen spielt im Espenmoos gegen die Grasshoppers. «Um die Mittagszeit waren bereits alle Parkiermöglichkeiten ausgeschöpft», teilte die Stadtpolizei mit. Doch damit nicht genug: Zeitgleich fand die Mobautech in den Olma-Messen statt, das war die beliebte Messe für Modellbau, die später bis 2002 zur Spielemesse wurde.

Anscheinend hat auch die dritte Grossveranstaltung zum Verkehrschaos beigetreten, obwohl man sich beim Altstadtlauf in erster Linie ohne PW fortbewegte. Die Stadtpolizei habe mit stündlichen Durchsagen übers Radio dazu aufgerufen, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Genützt habe es nichts. Das Fazit der Stapo:

«Ohne Verhaltensänderungen in der Stadt werden mehrere Veranstaltungen in dieser Grössenordnung an einem Tag nicht mehr möglich sein.»

... versanken die USA im Terror

Die Titelseite des «St.Galler Tagblatts» am Tag nach den Anschlägen.

Die Titelseite des «St.Galler Tagblatts» am Tag nach den Anschlägen.

Bild: Andri Vöhringer

Heute vor 21 Jahren verübten Terroristen mit Passagierflugzeugen Anschläge in New York und Washington. Dabei stürzten die symbolträchtigen Zwillingstürme des World Trade Centers ein, ausserdem raste ein Flugzeug in das Pentagon. Mehrere tausend Menschen kamen ums Leben.

Am Tag nach den Anschlägen berichteten unsere Zeitungen von einer «feigen Attacke auf Zivilisten», von einem «neuen Pearl Harbour», von einem Tag, der alles verändern wird:

... posierten Personen des öffentlichen Lebens für die Modestrecke des «Tagblatt»

6 Bilder

Bild: Archiv

1988 reichte es nicht, bekannt zu sein – man durfte auch noch für die «Tagblatt»-Herbst- und Wintermodenstrecke hinhalten. So landeten Sängerin und Moderatorin Paola, Verkehrsdirektor Werner Boos, Nationalrätin Eva Segmüller, Fussballer Beat Rietmann, Synchronschwimmerin Karin Singer und Architekt Robert Bamert als modische Vorbilder in der Beilage.

Vor 34 Jahren gab es ausserdem noch die Seite «Zum Vergnügen», auf der unter anderem verzweifelte Jasserinnen und Jasser ihre Fragen zum Spiel einreichen konnten. Beantwortet wurden sie von Peter Hammer, der Mitglied in der Schach-Nationalmannschaft war und zahlreiche Spiele erfand.

Wer Probleme beim Jassen hatte, konnte bei Peter Hammer um Rat fragen.

Wer Probleme beim Jassen hatte, konnte bei Peter Hammer um Rat fragen.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Sheila Eggmann

... gab es diesen Ford für 13’450 Franken zu kaufen

Wer möchte einen schnellen Flitzer? Ford stellte 1962 ein Fahrzeug seiner Luxuslinie vor.

Wer möchte einen schnellen Flitzer? Ford stellte 1962 ein Fahrzeug seiner Luxuslinie vor.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Sheila Eggmann

Er fährt mit 160 Kilometern pro Stunde «so schnell wie ein Sportwagen ... das gibt Überlegenheit!», stand in dieser Ford-Werbung von 1962. Ebenfalls suchte man in der Ausgabe nach einer «ehrlichen Tochter zur Besorgung des Haushalts», einen «jungen Mann zum Anlernen als Wickler» oder eine «junge Tochter für allgemeine Büroarbeiten».

Rheintaler Autorin Jolanda Spirig ordnet Werbung von früher ein:

... absolvierte die erste Gasturbinen-Elektrolokomotive ihre Probefahrt

Diese Lokomotive zierte die Front im Jahr 1941.

Diese Lokomotive zierte die Front im Jahr 1941.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Sheila Eggmann

Sie war zwar laut, aber leistungsstark: die Gasturbinen-Elektrolokomotive. Vor über 80 Jahren setzte man die erste ihrer Art auf Schweizer Schienen ein. Sie sei geeignet gewesen, die ölgefeuerte Dampflokomotive «sehr vorteilhaft zu ersetzen», wie dem «Tagblatt» von damals zu entnehmen ist.

Das Bild der Lokomotive ist eines der wenigen in der Ausgabe von 1941. Dafür gibt es Zeichnungen wie diese hier im «Handelsteil». Die Grafiken wurden damals noch von Hand gezeichnet, sie zeigen etwa die Entwicklung der Arbeitslosen (Kurve 1), der Gütermengen (Kurve 2) oder des Aussenhandels (Kurve 3) auf. Arbeitslose hatte es damals schweizweit 5412, was einer Abnahme um 6000 gegenüber dem Vorjahr entsprach.

Im Wirtschaftsteil mussten die Diagramme von Hand gezeichnet werden.

Im Wirtschaftsteil mussten die Diagramme von Hand gezeichnet werden.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Sheila Eggmann

... fragte man sich, ob es acht Regionalspitäler im Kanton St.Gallen braucht

Die Debatte um die Notwendigkeit von so vielen Spitälern war schon vor 30 Jahren entfacht.

Die Debatte um die Notwendigkeit von so vielen Spitälern war schon vor 30 Jahren entfacht.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Sheila Eggmann

Vor 30 Jahren feierte man das 100-Jahr-Jubiläum des Flawiler Spitals. «Das Spital ist eine Pflanze, die auf kargem Boden gewachsen ist, und trotzdem hat sie Blüten getrieben», steht im dazugehörigen Artikel. Um bei derselben Wortwahl zu bleiben: Die Blüten sind mittlerweile aus bekannten Gründen verwelkt. 2021 wurde das Spital endgültig geschlossen.

Bereits vor 30 Jahren war klar: «Wir dürfen die Augen nicht verschliessen vor den Finanzproblemen.»

Damals war übrigens das Lied «Rhythm Is A Dancer» von Snap auf Platz eins der Hitparade, wie derselben «Tagblatt»-Ausgabe zu entnehmen ist.

Regen zum Tanzen an: die Topsingles im Jahr 1992.

Regen zum Tanzen an: die Topsingles im Jahr 1992.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Sheila Eggmann

Video: Youtube

... führte man in Bonn eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 50 km/h ein

Auf dieses Polizeiauto wurde ein Tacho gebunden.

Auf dieses Polizeiauto wurde ein Tacho gebunden.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Sheila Eggmann

Für Autofahrerinnen und Autofahrer mit ungenauem Tacho hatte die deutsche Polizei im Jahr 1957 eine Idee: Sie montierte auf einem Polizeiauto kurzerhand einen riesigen Tachometer und forderte die Verkehrsteilnehmer auf, diesem zu folgen, um so die eigene Geschwindigkeit messen zu können.

Apropos Polizei: In derselben Ausgabe des «St.Galler Tagblatts» wunderte man sich über den Umstand, dass in der Schweiz erstmals weibliche Polizeikräfte, im Artikel «mutige Mädchen» genannt, eingestellt wurden:

Die «Sensation»: Am Rheinfall waren 1957 erstmals zwei Polizistinnen im Amt.

Die «Sensation»: Am Rheinfall waren 1957 erstmals zwei Polizistinnen im Amt.

Bild: «Tagblatt»-Archiv, Sheila Eggmann

... diskutierte man über die Rationierung von Strom

Die drohende Stromkrise war Thema auf der Titelseite des «Tagblatt» von 1974.

Die drohende Stromkrise war Thema auf der Titelseite des «Tagblatt» von 1974.

Bilder: «Tagblatt»-Archiv, Sheila Eggmann

Die Ölkrise von 1973 war eigentlich eine Ölpreiskrise. Damals stieg der Preis von Öl dramatisch an, weil die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) das Öl als politische Waffe gegen diejenigen Staaten anwendete, welche freundschaftliche Beziehungen zu Israel unterhielten. Dies erreichten sie, indem sie die Produktion drosselten. 

Die Folge war in den Industriestaaten eine Rezession mit Inflation, Arbeitslosigkeit und Rückgang der Konsumnachfrage. Die Schweiz reagierte darauf unter anderem mit einem Sonntagsfahrverbot. Ein Jahr später bereitete man sich auf eine drohende Stromkrise vor.

Strom für diverse neuartige elektronische Geräte schien aber noch genügend da zu sein, wenn man der Werbung in der gleichen Zeitung Glauben schenken will:

Dieses Gerät stellte den Fernseher automatisch ein oder aus.

Dieses Gerät stellte den Fernseher automatisch ein oder aus.

Hier wird ein elektronischer Rechner angepriesen.

Hier wird ein elektronischer Rechner angepriesen.

1 Kommentar