APRILWETTER
Arktische Kaltfront trifft auf die Ostschweiz: Temperatursturz, Schneefall, Ernteausfall

Am Montagabend sind die Temperaturen in der Ostschweiz schlagartig eingebrochen. Wir stehen vor mehreren kalten und winterlichen Tagen, bevor es am Wochenende wieder wärmer wird. Mit Ausnahme der Landwirtschaft tragen Flora und Fauna vom Wintereinbruch keine langwierigen Schäden davon.

Siri Würzer
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Trotz Frostnächten gibt es für die Natur keine Gefahr von langwierigen Schäden.

Trotz Frostnächten gibt es für die Natur keine Gefahr von langwierigen Schäden.

Bild: Benjamin Manser (6. April 2021)

Nach einem frühlingshaften Osterwochenende ist die Kälte schlagartig zurück. Am Abend des Ostermontags fiel in der Ostschweiz gar der Schnee. Wer am Dienstagmorgen nach dem Aufwachen aus dem Fenster geblickt hat, fand sich an vielen Orten vor einer blendenden Schneelandschaft wieder.

Der plötzliche Wetterwechsel ist einem arktischen Kaltluftausbruch geschuldet. Am Ostermontag dehnte sich laut Meteo Schweiz ein Sturmtief über Skandinavien rasch in Richtung Mitteleuropa aus. An vielen Orten in der Schweiz sind über das Wochenende noch Höchsttemperaturen gemessen worden. Wegen der nördlichen Kaltfront kam es von einem Tag auf den anderen zum extremen Temperatursturz von bis zu 20 Grad Celsius.

Die momentanen tiefen Temperaturen seien vor allem in der Landwirtschaft problematisch, sagt Daniel Gerstgrasser, Meteorologe bei Meteo Schweiz. Auf zwei Metern Bodenhöhe wurden am Dienstag bis zu -6 Grad Celsius gemessen. Am Boden waren es sogar -9 °C. «Alles, was bereits blühte, erfriert jetzt», sagt Gerstgrasser. Blüten trügen Frostschäden davon und es komme zu Ernteausfällen. Bereits eine einzige Frostnacht könne für Nutzplanzen fatale Auswirkungen haben.

Die Wetterverhältnisse halten nur wenige Tage an

Der Wintereinbruch ist laut Wetterprognosen nur von kurzer Dauer. Bereits am Freitag werden in St.Gallen schon wieder Sonnenschein und Temperaturen von 13 Grad Celsius vorausgesagt. Trotzdem wird es bis dahin vor allem in der Nacht Bodenfrost geben. Am Mittwoch soll es laut Gerstgrasser nochmals einen Schneeschub im Thurgau geben.

Im Allgemeinen seien die Schäden durch einen solchen Wintereinbruch umso grösser, je früher im Jahr es bereits sehr warm gewesen war. Schneetage im April, wie wir sie aktuell erleben, seien hingegen ein alljährliches Phänomen. Ausserdem war es erst Mitte März noch für ungefähr zehn Tage sehr kalt. Die diesjährige Entwicklung der Frühlingsvegetation falle deshalb in die Norm, sagt Gerstgrasser. Die Temperaturschwankungen würden der Natur nicht zu schaffen machen. Weitaus schlimmer wäre es laut Gerstgrasser, wenn es Ende April oder gar Anfang Mai nochmals derart kalt werden würde.

Am Montagabend sind die Temperaturen schlagartig eingebrochen.

Am Montagabend sind die Temperaturen schlagartig eingebrochen.

Bild: Benjamin Manser (6. April 2021)

Die Pollen werden bereits nächste Woche zurückkehren

Und wie sieht es mit dem Pollenflug aus? Für Allergikerinnen und Allergiker hat Gerstgrasser nur bedingt gute Nachrichten. Der Blütenstaub werde momentan zwar gedämpft. Wenn aber in ein paar Tagen das Frühlingswetter zurückkehrt, wird es mit dem Pollenflug nach dem kurzen Unterbruch unverändert weitergehen. Aktuell haben die Pollen der Esche und Birke Hochkonjunktur.

Auch die Fauna scheint von den tiefen Temperaturen nicht sonderlich betroffen zu sein. Der bereits in stillen Gewässern abgelegte Froschlaich etwa wird die kommenden kalten Tage verkraften, meint Ökofachmann Jonas Barandun. Es sei nur ein kleiner Verlust zu erwarten. Er sagt:

Jonas Barandun, Ökofachmann und Inhaber der Ökonzept GmbH

Jonas Barandun, Ökofachmann und Inhaber der Ökonzept GmbH

Bild: Ralph Ribi
«Wenn das Wasser gefriert, dann stirbt nur die oberste Schicht des Laichs. Der grösste Teil liegt nämlich unter der Wasseroberfläche.»

Einige Amphibien hätten sogar während der kalten Tage im März bereits abgelaicht. Die Froscheier hätten die Kälte damals ebenfalls überstanden. Auch die Zugvögel sind angesichts der kalten Temperaturen nicht in Gefahr. Obwohl etwa Staren oder Grasmücken bereits aus Afrika zurückgekehrt seien, könnten diese für einige Tage auf nahe gelegene Gebiete wie etwa Süddeutschland ausweichen. Ein Problem würde sich ihnen erst stellen, wenn sich die Kälte über längere Zeit halten würde.

Der Schnee könnte sich in St.Gallen für einige Tage halten.

Der Schnee könnte sich in St.Gallen für einige Tage halten.

Bild: Benjamin Manser (6. April 2021)