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REPORTAGE: Trump schwebt ein - grosser Tag für Ostschweizer Flugzeugfan

Tausende von Schaulustigen warteten heute am Pistenende des Flughafens Zürich auf die Air Force One. Mitten unter ihnen, der 39-jährige Rorschacher Christian Keel.
Richard Clavadetscher, Oberglatt
Bild: Benjamin Manser

Bild: Benjamin Manser

Wenn man es ihm zuträgt, wird Donald Trump sicher stolz verkünden: Die Tausenden von Menschen jeden Alters, die sich auf den flachen Hügeln rund um das Pistenende des Flughafens Zürich postiert hatten, sind seinetwegen gekommen. Ganz falsch ist dies für einmal nicht. Die Leute wollen sehen, wie die Air Force One, die umgebaute Boeing 747-200B des amerikanischen Präsidenten, in Zürich einfliegt – Trump an Bord. «Wenn in etlichen Jahren vielleicht wieder einmal ein amerikanischer Präsident in die Schweiz kommt, wird er wohl nicht mehr mit diesem Flugzeugtyp, sondern mit einem Nachfolgemodell einfliegen», so ein mit Spiegelreflexkamera und Teleobjektiv bewaffneter Mittvierziger, nachdem er seine Kameraeinstellungen an einem Airbus der Turkish Airlines im Landeanflug überprüft hat.

Weil die Polizei in diesen Tagen nichts dem Zufall überlassen will, sind reichlich Beamte vor Ort, die im Auto angereiste Schaulustige freundlich, aber bestimmt in dafür vorbereitete Stellräume einweisen. Schummeln geht nicht: Wer sein Fahrzeug dank Vierradantrieb in die Wiese parkiert, wird unmissverständlich zurück auf die Strasse beordert. Pressetäfelchen hinter der Windschutzscheibe? «Gilt heute nicht!», sagt ein schmunzelnder Polizist. Zum ausgeschilderten Stellplatz fahren also! Da die Polizei die Stellpätze nach dem Zwiebelschalenprinzip füllt, sind die nahe an den Hügeln gelegenen Plätze bereits um 9 Uhr belegt. Eine Parkiermöglichkeit findet sich dann schliesslich doch noch – eine halbe Stunde Fussmarsch vom nächsten Hügel mit Blick auf die Landepiste entfernt.

WORLD ECONOMIC FORUM, WEF, DONALD TRUMP, AIRFORCE ONE, (Bild: Keystone/Walter Bieri)
WORLD ECONOMIC FORUM, WEF, DONALD TRUMP, AIRFORCE ONE, (Bild: Keystone/Walter Bieri)
WORLD ECONOMIC FORUM, WEF, DONALD TRUMP, AIRFORCE ONE (Bild: Keystone/Ennio Leanza)
WORLD ECONOMIC FORUM, WEF, DONALD TRUMP, AIRFORCE ONE, (Bild: Keystone/Walter Bieri)
FLUGHAFEN ZUERICH, AIR FORCE ONE, PRAESIDENTENFLUGZEUG, WORLD ECONOMIC FORUM, WEF, WIRTSCHAFTSTREFFEN, 48. WELTWIRTSCHAFTSTREFFEN, WELTWIRTSCHAFTSFORUM, (Bild: AP Photo/Evan Vucci)
TRUMP DAVOS (Bild: AP Photo/Evan Vucci)
WORLD ECONOMIC FORUM, WEF, DONALD TRUMP, AIRFORCE ONE (Bild: Keystone/Ennio Leanza)
WORLD ECONOMIC FORUM, WEF, DONALD TRUMP, AIRFORCE ONE (Bild: Keystone/Ennio Leanza)
SWITZERLAND WORLD ECONOMIC FORUM WEF DONALD TRUMP AIRFORCE ONE (Bild: Keystone/Ennio Leanza)
WORLD ECONOMIC FORUM, WEF, DONALD TRUMP, AIRFORCE ONE (Bild: Keystone/Ennio Leanza)
TRUMP DAVOS (Bild: AP Photo/Evan Vucci)
TRUMP (Bild: AP Photo/Evan Vucci)
WORLD ECONOMIC FORUM, WEF, DONALD TRUMP, AIRFORCE ONE (Bild: Keystone/Ennio Leanza)
TRUMP DAVOS (Bild: AP Photo/Evan Vucci)
SWITZERLAND WORLD ECONOMIC FORUM WEF (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)
SWITZERLAND WORLD ECONOMIC FORUM WEF (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)
SWITZERLAND WORLD ECONOMIC FORUM WEF (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)
17 Bilder

Donald Trump landet in Zürich

7 Uhr in Rorschach abgefahren

Erfahrene Schaulustige, sogenannte Planespotter (etwa: Flugzeugfotografierende), die regelmässig vor Ort sind, um Fluggerät im Landeanflug abzulichten, haben das natürlich kommen sehen und sind früh genug aufgebrochen. Sie konnten ihr Auto noch nah am Schauplatz abstellen und haben sich, ausgerüstet nicht nur mit Kamera, sondern auch mit Thermosflasche, Verpflegung und Klappstuhl, bereits an einer günstigen Stelle auf dem Hügel postiert.

Einer dieser erfahrenen Planespotter ist der 39jährige Christian Keel aus Rorschach. Er ist am Morgen schon um 7 Uhr losgefahren und erwischte unweit des Pistenendes in der Umgebung von Oberglatt noch einen Parkplatz. «Ich hatte Glück», sagt er. «Da waren schon etliche Autos abgestellt, aber ein Parkfeld war noch frei.» Gerade mal zehn Minuten zu Fuss waren nötig, um zu der von ihm bevorzugten Planespotter-Stelle zu gelangen. Einmal eingerichtet, bleibt auch Keel nichts anderes als den zahlreichen Schaulustigen am Ort: Warten und nochmals warten. So bleibt Zeit für das eine oder andere Gespräch. Christian Keel, so erfahren wir, ist seit früher Jugend von Flugzeugen fasziniert. Bereits als Sechsjähriger stand er auf der Zuschauerterrasse des Flughafens in Zürich-Kloten. Das Hobby Planespotting war deshalb naheliegend.

Bild: Benjamin Manser

Bild: Benjamin Manser


Russen und Chinesen fehlen noch

«Von meinem Stiftenlohn habe ich mir dann das Geld für eine Minolta-Spiegelreflex-Kamera gespart. Ich war damals 16 Jahre alt», sagt Keel. Am Anfang habe er alles an Flugzeugen «gfötelet», was ihm vor die Linse kam. Inzwischen ist Keel wählerischer. Weil er nicht einfach Flugzeuge knipsen wollte, sondern höhere Ansprüche ans Bild stellte, bildete er sich fotografisch weiter, besuchte er Kurse. «Es geht mir heute zwar noch immer um Flugzeuge, aber mich interessiert das Gesamtbild. Dieses muss meinen Ansprüchen genügen.» Der Rorschacher sieht sich denn auch heute nicht mehr lediglich als Planespotter, sondern als Aviatik-Fotograf. Sein Arbeitsgerät ist entsprechend: In der Hand hält er eine Sony-Spiegelreflex-Kamera der teuren Art.
Sei es nun als Planespotter oder eben als Aviatik-Fotograf, inzwischen ist einiges an Bildmaterial zusammengekommen. «An Flugzeugen, die in der westlichen Welt gebaut werden, habe ich so ziemlich alles beisammen», sagt Keel. Lücken gebe es nur noch bei russischen und chinesischen Flugzeugtypen.

Um zu diesen Fotos zu kommen, reicht es natürlich nicht, wenn man sich in Oberglatt auf einen der flachen Hügel setzt und wartet. Man muss den Flugzeugen nachreisen. Das hat Christian Keel durch all die Jahre hindurch getan: Mit seinem Zelt im Gepäck war er in Europa und gar in Amerika unterwegs. Und weil nicht jeder Flughafen in jedem Land so planespotterfreundlich ist wie Zürich-Kloten, hat sich der Rorschacher jeweils zuerst in der Planespotter-Szene kundig gemacht: Lassen die einen an jenem Flughafen überhaupt fotografieren – oder wird man etwa gleich wegen Spionage verhaftet? «Besonders bei Militärflughäfen wie etwa der amerikanischen Air Base im deutschen Ramstein ist das durchaus ein Thema», sagt Keel.

Bild: Benjamin Manser

Bild: Benjamin Manser


Heute, am Pistenende des Flughafens Zürich, droht keine solche Gefahr, man kann die Sache also entspannt angehen. Und auch das Wetter ist gnädig: kein Nebel, die Sonne drückt durch. Inzwischen ist es halb elf Uhr. Und plötzlich taucht die Air Force One mit dem typischen blauen Kopf auf. Wer sie noch nicht gesehen hat, dem kündigt sie sich akustisch an: Viel lauter als alle Flugzeuge zuvor, setzt die Boing 747 zur Landung an. Christian Keel macht seine Arbeit: keine Hast, jeder Handgriff sitzt – und dann ist der Riesenvogel auch schon wieder aus dem Blickfeld verschwunden.

Ob er nun zufrieden sei, fragen wir Christian Keel. «Ja, das bin ich. Hat bestens geklappt.» Und nun? Nun räumt er zusammen, fährt er nach Hause und wird sich dort an den Rechner setzen: Bildbearbeitung!

Die flachen Hügel mit Blick auf das Pistenende beginnen sich zu leeren, das Schauspiel ist vorbei, die Menschen gehen wieder zurück zu ihren Autos. Ob nun Donald Trump erfährt, dass Tausende Schaulustige am Pistenende des Flughafens Zürich auf die Ankunft seines Flugzeugs warteten? Falls dem so ist, wird er es die Welt sicher twitternd wissen lassen: Auch die Menschen in Switzerland liebten ihn, wird er dann wohl verkünden. – Oder war es vielleicht Sweden?




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