Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Mutmasslicher Missbrauchsfall am Regionalen Leistungszentrum in Wil: Verdächtigter Kunstturntrainer ist wieder auf freiem Fuss

Ein Kunstturntrainer wird verdächtigt, eine 17-jährige Turnerin sexuell missbraucht zu haben. Nach zwei Monaten wurde der Mann am Montag aus der Untersuchungshaft entlassen. Das Zwangsmassnahmengericht hat den Antrag der Staatsanwaltschaft auf Verlängerung der Haft abgewiesen.
Luca Ghiselli
Der Beschuldigte war am Regionalen Leistungszentrum Ostschweiz in Wil als Kunstturntrainer tätig. Inzwischen wurde er entlassen. (Bild: Michel Canonica)

Der Beschuldigte war am Regionalen Leistungszentrum Ostschweiz in Wil als Kunstturntrainer tätig. Inzwischen wurde er entlassen. (Bild: Michel Canonica)

Er schlug national hohe Wellen, der mutmassliche Missbrauchsfall am Regionalen Leistungszentrum Ostschweiz. Im August beschuldigte eine heute 17-jährige Turnerin ihren Trainer: Dieser habe sie unter einem Vorwand 2017 zu sich nach Hause gelockt und mit Alkohol gefügig gemacht.

Der Fall hatte umfangreiche Konsequenzen: Der Trainer wurde entlassen, die Geschäftsführerin des RLZO kündigte per Ende September. Am Elternabend stand das mutmassliche Opfer nach Bekanntwerden der Anzeige hin – und erntete statt Anerkennung Kritik.

Staatsanwaltschaft wollte U-Haft verlängern

Als der Fall Mitte August 2019 publik wird, ist der Trainer bereits verhaftet worden. Gegen ihn wird seither wegen mutmasslicher sexueller Handlungen mit Minderjährigen ermittelt. Am Montag, auf den Tag genau zwei Monate nach seiner Festnahme, wurde der Beschuldigte nun aus der Untersuchungshaft entlassen, wie Beatrice Giger, Medienbeauftragte der St.Galler Staatsanwaltschaft, auf Anfrage bestätigt. Sie sagt:

«Der Beschuldigte hat ein Haftentlassungsgesuch gestellt. Die Staatsanwaltschaft hat die Abweisung dieses Gesuchs und stattdessen die Verlängerung der Untersuchungshaft beantragt.»

Das Zwangsmassnahmengericht sei indes dem Antrag der Staatsanwaltschaft nicht gefolgt und habe stattdessen die Haftentlassung gutgeheissen.

Kaution wurde angeordnet

Beatrice Giger, Mediensprecherin Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen. (Bild: PD)

Beatrice Giger, Mediensprecherin Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen. (Bild: PD)

Heisst konkret: Der beschuldigte Trainer ist seit Montag wieder auf freiem Fuss – und kann sich entsprechend frei bewegen.

Um der Fluchtgefahr zu begegnen, wurde laut Giger aber durch das Zwangsmassnahmengericht eine Kaution angeordnet. Wie hoch diese ausfiel, will Giger nicht sagen und verweist auf den entsprechenden Artikel in der Strafprozessordnung. Dort heisst es:

«Die Höhe der Sicherheitsleistung bemisst sich nach der Schwere der Taten, die der beschuldigten Person vorgeworfen werden, und nach ihren persönlichen Verhältnissen.»

Weitere Untersuchungen stehen an

Wie geht es nun weiter? Laut Beatrice Giger stehen weitere Untersuchungshandlungen an, die Ermittlungen gehen also weiter. Ob und wann es zu einer Anklage kommt, ist allerdings noch offen. «Dazu kann ich derzeit noch keine Stellung beziehen», sagt Giger.

Diese Kriterien müssen für die U-Haft erfüllt sein

Damit das Zwangsmassnahmengericht Untersuchungshaft anordnet, bedarf es einerseits des sogenannten allgemeinen Haftgrundes. Das heisst: eines dringenden Tatverdachts auf ein Verbrechen oder Vergehen. Andererseits muss mindestens ein besonderer Haftgrund gegeben sein.

Besondere Haftgründe sind: Fluchtgefahr, Wiederholungsgefahr, Ausführungsgefahr (wenn ernsthaft zu befürchten ist, eine Person werde ihre Drohung, ein schweres Verbrechen auszuführen, wahrmachen) oder Kollusionsgefahr (wenn ernsthaft zu befürchten ist, die dringend verdächtige Person könnte Personen beeinflussen oder auf Beweismittel einwirken, um so die Wahrheitsfindung zu beeinträchtigen).

Die Untersuchungshaft wird zunächst für höchstens drei Monate angeordnet. Danach kann sie jeweils für längstens drei Monate, in Ausnahmefällen für längstens sechs Monate, verlängert werden. Die Staatsanwaltschaft stellt zu diesem Zweck ein Haftverlängerungsgesuch beim Zwangsmassnahmengericht, das darüber entscheidet.

Die Untersuchungshaft endet mit der Entlassung der beschuldigten Person während der Untersuchung (Ablauf der Haftdauer oder Entlassung nach Haftentlassungsgesuch), dem vorzeitigen Antritt einer freiheitsentziehenden Sanktion oder mit dem Eingang der Anklage beim erstinstanzlichen Gericht. (sk/ghi)

Mehr zum Thema:

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.