Überschwemmungen
«Spürte, dass die Bevölkerung enttäuscht ist»: Betroffene Gemeinde Schlatt gleist Hochwasserschutz auf, Bevölkerung drängt aber auf raschere Massnahmen

Nach dem Hochwasserereignis 2021 hat die Gemeinde Schlatt die Bevölkerung zu einer Info eingeladen. Die Schadenssumme liegt bei über zwei Millionen Franken. Deshalb fordert die Bevölkerung, dass es schneller geht, als die Gemeinde Hochwasserschutzmassnahmen plant.

Manuela Olgiati
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Der Mühlebach führt so viel Wasser, dass er über die Ufer tritt.

Der Mühlebach führt so viel Wasser, dass er über die Ufer tritt.

Bild: PD

Wasser im Keller, überflutetes Kulturland und Strassen in der Gemeinde Schlatt. Das Hochwasser im Juni und Juli 2021 war ein einschneidendes Ereignis für die Bevölkerung. Nun braucht es Lösungen, um gewappnet zu sein für weitere Ereignisse. An der Infoveranstaltung am Mittwochabend diskutierten rund 150 Einwohnerinnen und Einwohner im Saal des Gemeindehauses über rasche Massnahmen.

Der Dorfbach führt so viel Wasser, dass es nur schwer zurückgehalten werden kann.

Der Dorfbach führt so viel Wasser, dass es nur schwer zurückgehalten werden kann.

Bild: PD

Obschon die Schlatter Feuerwehr bei den Überschwemmungen rasch reagierte und Notmassnahmen halfen, Schlimmeres zu verhindern, beläuft sich die Schadenssumme auf 2,25 Millionen Franken. Am Ereignis von 2021 in Schlatt waren mehrere Fachstellen involviert. Das Aufarbeiten und ein weiteres Planen nach einem solchen Ereignis brauchen eine enge Zusammenarbeit vieler Parteien. Um Hochwasserschutzmassnahmen umzusetzen, benötigt es viel Arbeit. Gemeindepräsidentin Marianna Frei sagte:

Marianna Frei, Gemeindepräsidentin Schlatt.

Marianna Frei, Gemeindepräsidentin Schlatt.

Bild: PD
«Es braucht vor allem Zeit.»

Es brauche eine solide Planung. Unterlagen erstellen und zur Prüfung an den Kanton einreichen, auch Kreditanträge müssen von Stimmberechtigten bewilligt werden. Frei sagte im Anschluss an den Infoanlass: «Ich spürte, dass die Bevölkerung enttäuscht ist.»

Erste Massnahme frühestens 2023 umsetzbar

Viele erwarteten konkrete Lösungen und hätten am liebsten gleich sofort etwas unternommen. Frühestens im kommenden Jahr sei jedoch eine erste Massnahme umsetzbar. An der Infoveranstaltung erläuterten Fachpersonen die kritischen Punkte, die das Hochwasser mit sich brachten. In seinem Referat sprach Planer Urban Fenner von der Fröhlich Wasserbau AG in Frauenfeld von Pendenzen. Mögliche erste Projekte wären der «Chömigrabe» am Kindergartenweg. Auch eine Korrektur an der Wiesentalstrasse am Schlatterbach steht im Fokus.

Zur Massnahmenliste für eine Notfallplanung seien die Anhebung des Geländes, Dämme und erhöhte Lichtschächte Thema. Selbst eine Bachöffnung auf Gebiet von Privatgrundstücken wurde diskutiert.

Überflutung durch Oberflächenabflüsse an der Frauenfelderstrasse.

Überflutung durch Oberflächenabflüsse an der Frauenfelderstrasse.

Bild: PD

Private trafen präventiv Vorkehrungen

So etwas wie das Hochwasser 2021 hat die Gemeinde Schlatt noch nicht erlebt. Im Juni und Juli im letzten Jahr trat der Schlatterbach wegen des langanhaltenden Regens über die Ufer. Der reissende Bach wurde zu einem Ungetüm und füllte Keller und Garagen von Hauseigentümern. Auch Kulturland und Naturstrassen wurden zerstört.

Gemäss der Abteilung Wasserbau und Hydrometrie des Kantons Thurgau sei dies aber keine aussergewöhnliche Situation. Ein solches Ereignis könne nach starken Regenfällen einige Male pro Jahr vorkommen. Marianna Frei sagte:

«Es dauerte Wochen und Monate, um wieder alles in Stand zu stellen.»

Auch die Liegenschaft, in der die Gemeindeverwaltung beheimatet ist, war betroffen. Inzwischen hätten Hausbesitzer auch Vorkehrungen für weitere mögliche Naturereignisse getroffen. Am effektivsten gelten derzeit private Vorkehrungen an Objekten. Gemäss Fachexperte Fenner sollte die Priorisierung nach Kosten-Nutzen-Verhältnis geplant werden. Zu allererst erarbeitet das kantonale Amt für Umwelt eine Gefahrenkarte mit den überarbeiteten Hydrologiepunkten.