Fairplay
«Ich hätte auch kaltschnäuzig sein können»: Gérôme Leupin aus Pfyn erhält Auszeichnung für fairste Ostschweizer Aktion

Fairness zahlt sich aus: Im Derby gegen den FC Frauenfeld gewinnt Gérôme Leupin vom FC Pfyn nicht nur Bier, sondern auch 2000 Franken, weil er ein Handspiel zugibt.

Anja Kündig
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Gérôme Leupin in Aktion.

Gérôme Leupin in Aktion.

Bild: Jan Keller

Handspiel ist im Fussball verboten. Daraus entstandene Tore zählen nicht. Genau diese Situation hat sich auf dem Sportplatz der Kleinen Allmend in Frauenfeld abgespielt. Denn im Derby gegen den FC Frauenfeld hat ein Spieler vom FC Pfyn ein Tor mithilfe seines Arms erzielt. Der 31-jährige Gérôme Leupin stand mit den Senioren vom FC Pfyn auf dem Platz, als ihm das Missgeschick passierte.

Als Stürmer gehört das Skoren zu seinen Aufgaben – nicht jedoch mit dem Arm. Beim Spielstand von 2:1 für die Frauenfelder kommt es zum Zweikampf mit dem Goalie der gegnerischen Mannschaft, wobei der Fussball plötzlich an Leupins Arm landet. Leupin reagiert mit einer Bewegung, die den Ball direkt vor seine Füsse fallen lässt. Schuss und Tor, das der Schiedsrichter zunächst anerkennt. Dann laute Stimmen.

Ehrlich währt am längsten

«Die Gegner des FC Frauenfeld haben die Berührung mit meinem Arm gesehen und beim Schiri reklamiert», sagt Leupin. Daraufhin sei der Schiedsrichter zu ihm gekommen und habe ihn gefragt, ob es tatsächlich zum Handspiel gekommen sei. «Ich hätte auch lügen können, aber das Spiel war sowieso nicht von grosser Relevanz», meint Leupin. Das Tor wird nicht gezählt, und es kommt zum Freistoss für die Frauenfelder. Das Spiel endet 2:2 unentschieden. Für seine Ehrlichkeit erhält Leupin eine Auszeichnung des Ostschweizer Fussballverbands (OFV).

Gérôme Leupin vom FC Pfyn.

Gérôme Leupin vom FC Pfyn.

Bild: Jan Keller

Nach dem Spiel hätten sich die Gegner dankbar gezeigt. «Sie haben mich sogar auf ein Bier eingeladen», sagt Leupin schmunzelnd. Auch in der eigenen Mannschaft traf die Aktion auf positive Rückmeldung und Lob. «Fairness im Sport ist allen wichtig», erklärt Leupin. Dieser Meinung ist auch Michael Höppner, Trainer der Senioren, der die Aktion von der Seitenlinie aus beobachtet und sie dann dem Ostschweizer Fussballverband gemeldet hat.

«Fairness im Fussball soll weiterhin so gelebt werden.»

Der OFV verleiht den Fairplay-Award an Spielerinnen und Spieler als Belohnung für spezielle Aktionen. «Ich empfinde die Auszeichnung als wunderbare Geste und Würdigung meiner Ehrlichkeit», sagt Leupin. Neben dem, dass sich die Fairness ausbezahlt habe, sei er nun auch um ein Stück reicher – um 2000 Franken. «Mit dem Geld werde ich dem Seniorenteam zwei Kasten Bier zahlen und meinen Junioren vielleicht noch etwas Gutes tun», sagt Leupin schmunzelnd.

Die Preisübergabe (von links nach rechts): Stephan Häuselmann, Gérôme Leupin, Michael Stalder und Michael Büchel.

Die Preisübergabe (von links nach rechts): Stephan Häuselmann, Gérôme Leupin, Michael Stalder und Michael Büchel.

Bild: Livia Eichenberger

Vorbild für die Jungen

Wenn Gérôme Leupin nicht gerade selber auf dem Platz steht, kümmert er sich um das Training der B-Junioren des FC Pfyn. «Ich sage ihnen immer, dass es auf dem Platz eine gesunde Aggressivität braucht, die Fairness aber immer im Vordergrund stehen muss», erzählt Leupin. Es bereite ihm Freude, gemeinsam mit dem Nachwuchs zu wachsen. Er sagt: «Spass haben ist alles. Und Spass hat man, wenn man respektvoll und fair spielt.»