REGION: Die Grippewelle rollt bereits an

Mit dem Winter hält in der Ostschweiz die Grippe Einzug. Doch die typischen Symptome wie Husten, Fieber und Gliederschmerzen sind nicht immer einem Grippevirus zuzuordnen.

Patrick Baumann
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Wer einer Grippe wirksam vorbeugen will, kann sich impfen lassen. (Bild: Keystone)

Wer einer Grippe wirksam vorbeugen will, kann sich impfen lassen. (Bild: Keystone)

Patrick Baumann

In der Ostschweiz ist zum ersten Mal in dieser Grippe-Saison die Epidemie-Schwelle überschritten. Aktuelle Zahlen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zeigen, dass hier in der Kalenderwoche 49 auf 100000 Einwohner 77,5 Personen wegen Grippeverdachts ärztl iche Hilfe in Anspruch nahmen. Der saisonale epidemische Schwellenwert liegt bei 64 Grippeverdachtsfällen pro 100000 Einwohner. «Die Epidemie-Schwelle ist erst minimal überschritten», sagt Patrick Scheiwiler, Vizepräsident der kantonalen Ärztegesellschaft St. Gallen. «Die Erfahrung zeigt, dass die Grippewelle ihren Höhepunkt mit 300 bis 400 Fällen pro 100000 Einwohner jeweils im Februar erreicht.» Nebst der Ostschweiz liegen auch die Zentralschweiz, das Bernbiet sowie Fribourg und Jura über der Epidemie-Schwelle.

Nicht immer ist es eine Grippe

Schweizweit ist der epidemische Schwellenwert noch nicht erreicht. In Europa wurde eine niedrig e Aktivität der grippeähnlichen Erkrankungen gemeldet. Ebenso verzeichneten Nordamerika und Asien eine niedrige Grippeaktivität, aber mit steigendem Trend.

Grippeähnliche Erkrankungen treten in der Schweiz saisonal auf. Gemäss BAG konnte bisher in jedem Winter eine Grippewelle festgestellt werden. Von Jahr zu Jahr variieren aber die Intensität, die Länge, die Art der zirkulierenden Virenstämme und die Auswirkungen auf die Bevölkerung. Zu beachten ist, dass nicht jede Krankheit, die landläufig als Grippe bezeichnet wird, tatsächlich eine Grippe ist. «In der Medizin spricht man von Grippe, wenn der Erreger der Krankheit ein Influenza-Virus ist», sagt Patrick Scheiwiler. «Daneben gibt es noch Hunderte Viren, die ähnliche Symptome verursachen.» Meist werde er in seiner Praxis nicht wegen einer Grippe, sondern wegen eines grippalen Infekts (Erkältung) konsultiert.

Typisch für eine Influenza-Infektion seien der plötzliche Beginn der Krankheit mit hohem Fieber und Husten sowie die lange Regenerationszeit. «Eine richtige Grippe dauert ein bis zwei Wochen. Ein grippaler Infekt klingt bereits nach drei bis sieben Tagen ab», sagt Scheiwiler. «Problematisch an der Grippe ist, dass Patienten bereits vor Ausbruch der Symptome ansteckend sind.» Vor einer Infektion schützen könne man sich im Alltag durch Desinfektion der Hände. «Wer einer Erkrankung wirksam vorbeugen will, kann sich auch einfach impfen lassen», sagt Scheiwiler. Er empfiehlt die Grippeimpfung insbesondere für Angehörige von Risikogruppen. «Dazu gehören Personen, die über 65 Jahre alt sind und alle Personen mit einem geschwächtem Immunsystem.» Zu beachten sei, dass die Grippeimpfung keinen wirksamen Schutz vor grippalen Infekten bieten könne. Jedes Jahr sterben in der Schweiz durchschnittlich 300 bis 500 Personen an einer Influenza-Infektion.