REGION: Der Alleingang ist definitiv

Die HTW Chur will nicht mehr zur Fachhochschule Ostschweiz gehören. Für die übrigen drei Teilschulen in Buchs, Rapperswil und St. Gallen hat das nicht nur negative Folgen.

Sina Bühler
Drucken
Teilen
Wachstum von 32 Prozent: Die Fachhochschule Chur will sich mit Nischenangeboten profilieren. (Bild: Arno Balzarini/KEY)

Wachstum von 32 Prozent: Die Fachhochschule Chur will sich mit Nischenangeboten profilieren. (Bild: Arno Balzarini/KEY)

Sina Bühler

Die HTW Chur geht bald eigene Wege. Bis heute gehört die Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur zur FHO, der Fachhochschule Ostschweiz. Nun hat die Bündner Regierung beschlossen, dass man eigene Wege gehen will. Für die HTW ist das ein logischer Schritt. «Die FHO ist ein Verbund mehrerer Kantone – die HTW Chur ist die einzige Teilhochschule darin, die als Träger ausschliesslich einen einzigen Kanton hat», sagt Jürg Kessler, Rektor der HTW Chur. «Sie untersteht als einzige dem kantonalen Gesetz für Forschung und Hochschulen in Graubünden.» Dieses wäre zu ändern, wenn die HTW Chur auch künftig im Ostschweizer Hochschulverbund verbleibt.

Die Standorte der übrigen Teilhochschulen der FHO – die NTB Buchs, die HSR Rapperswil und die FHS St. Gallen – liegen alle im Kanton St. Gallen. «Der geplante Ausstieg der HTW ist für uns keine Überraschung. Er wird in der FHO seit bald zehn Jahren diskutiert», sagt Albin Reichlin, Direktor der Fachhochschule Ostschweiz.

Der Fachhochschulrat Ostschweiz habe dem Antrag des Kantons Graubünden auf eigenständige Führung nun zugestimmt. Der Austritt von Graubünden sei ein politischer Entscheid, den die FHO zu akzeptieren habe, sagt Reichlin. «Wenn die Politik strategischen Einfluss auf ihre Hochschule nehmen will, ist die Selbständigkeit die einzige Möglichkeit.» Das neue Bundesgesetz verlangt, dass Hochschulen einer einheitlichen Führung und Strategie unterstellt sein müssen (siehe Box). Dennoch bedauert FHO-Direktor Albin Reichlin den Austritt: «Gemeinsam waren wir gut aufgestellt.»

Weg frei für neue Studiengänge

Die Bündner sind mit ihrem Alleingang zuversichtlich. Wer in Chur studiert habe, habe sich auch nicht wegen der Grösse der Hochschule dafür entschieden; «Es ist eher das Gegenteil», meint Jürg Kessler. «Wir setzen auf eine innovative Nischenstrategie mit schweizweit einmaligen Studienangeboten und haben damit Erfolg. In diesem Jahr haben wir bei den Neustudierenden ein Wachstum von 32 Prozent erreicht. Und damit werden wir weiterfahren.»

Der Churer Alleingang hat für die Ostschweizer Fachhochschule auch positive Auswirkungen: Das neue Konstrukt macht im Alleingang unter anderem den Weg frei für neue Studiengänge, denn innerhalb der FHO können zwei Teilhochschulen nicht exakt dasselbe anbieten.

Dies hatte beispielsweise dazu geführt, dass Maschinen-, Elektro- oder Informatikstudiengänge nicht in Chur angeboten werden können. Die HTW Chur ist deshalb mit der NTB Buchs eine Kooperation im Studiengang Systemtechnik eingegangen, damit am Standort Chur unter der Leitung der NTB auch Systemtechnik-Studierende ausgebildet werden können. Rapperswil hat zudem auf ein Photonics-Studium verzichtet, solange es dieses in Chur gibt.

Bundesgelder fliessen direkt nach Chur

Künftige Kooperationen unter den Hochschulen oder Instituten bleiben aber weiterhin möglich und sind erwünscht – dies betonen sowohl Reichlin als auch Küpfer. Finanziell wird sich laut Reichlin ebenfalls nicht viel ändern: «Stimmt der Bundesrat der Akkreditierung von Chur zu, werden die Beiträge des Bundes für die Studierenden direkt an die HTW ausbezahlt.»