Interview

Regierungsrat Walter Schönholzer: «Es ist mehr als nur ein Job»

Thurgauer Regierungsratswahlen (7): Für Walter Schönholzer (FDP) ist der Klimawandel «das Thema unserer Generation».

Christian Kamm
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Volkswirtschaftsdirektor Walter Schönholzer peilt eine weitere Amtszeit an.

Volkswirtschaftsdirektor Walter Schönholzer peilt eine weitere Amtszeit an.

Andrea Stalder

Sie sind seit vier Jahren Regierungsrat. Ein schöner Job?

Walter Schönholzer: Ja sehr. Für mich ist es mehr als nur ein Job. Eine Ehre aber auch eine grosse Herausforderung. Die Arbeit macht mir Spass.

Wir behaupten, dass es Tage gegeben hat, da hätten Sie am liebsten alles hingeschmissen.

Es hat schwierige Momente gegeben, auch emotional harte − rund um den Fall Hefenhofen natürlich. Diese lange Zeit von Anschuldigungen durch Leute, die einen gar nicht kennen, Berge von meist anonymen Schreiben an mich und meine Familie. Das ging an die Nieren. Aber ich bin nicht an meiner Aufgabe verzweifelt.

Wenige Wochen im Sommer 2017 haben Ihrer Amtszeit den Stempel aufgedrückt. Immer wieder Hefenhofen.

Das ist zu akzeptieren. Aber dieser Fall war 15 Jahre alt und ist nun einmal mit meiner Person verbunden.

«Mit etwas Abstand bin ich heute klar der Überzeugung, dass nichts so schlecht ist, dass es nicht auch wieder sein Gutes hätte.»

Ich habe zum Beispiel lange mit der Rolle der Medien gehadert. Rückblickend muss ich sagen: Ohne den Druck der Medien wäre es unmöglich gewesen, den äusserst komplexen Fall in dieser Kürze und Konsequenz zu lösen.

Oft wurde kritisiert, dass keine personellen Konsequenzen aus dem Fall Hefenhofen gezogen worden sind. Sie haben durch dick und dünn am Kantonstierarzt festgehalten. Weshalb?

Weil eine Entlassung nur ein medialer Befreiungsschlag gewesen wäre, welcher der wahren Komplexität nicht gerecht geworden wäre. Mir ging es darum, mit meinen Mitarbeitern dafür zu sorgen, dass so etwas nicht mehr passiert.

Dafür ist der Fall dann Ihnen voll auf die Füsse gefallen.

Das wäre er so oder so. Aber ich bin nicht der Typ, der den Sack schlägt, wenn er den Esel meint. Den Leuten ein Opfer zum Frass vorzuwerfen und zu tun, als ob damit alle Probleme gelöst seien, um die eigene Haut zu retten, entspricht mir nicht.

Im Falle des Chefs im Amt für Informatik hatten Sie unlängst weniger Geduld. Und die Öffentlichkeit weiss bis heute nicht, weshalb er gehen musste.

Personelle Entscheidungen muss der Departementschef fällen. Sie können nicht öffentlich diskutiert werden, ebenso wenig im Parlament. Das werde ich auch hier nicht tun.

Geheimniskrämereien heizen die Gerüchteküche an. Vor allem, wenn auch Geld im Spiel ist. Die Rede ist von einem so genannten «Schweigegeld».

Das sind Interpretationen zu denen ich nie Stellung bezogen habe. Ich werde es auch in Zukunft nicht tun.

Planen Sie nach einer Wiederwahl, das Departement zu wechseln?

Das kann ich im Moment nicht sagen. Es kommt darauf an, wie die Regierung nach der Wahl zusammengesetzt ist. Dann wird es darum gehen, gemeinsam die beste Lösung für den Kanton zu treffen.

Viele hätten Verständnis dafür, wenn Sie vom Thema Tierschutz genug hätten und ein anderes Departement reizvoll fänden.

Jedes Departement ist reizvoll. Es ist aber nicht meine Art, vor Problemen davon zu laufen. Herausforderungen sind dazu da, angegangen zu werden.

Die Regierungswahl bringt eine Neuauflage des Duells Walter Schönholzer gegen Ueli Fisch. Wie wollen Sie den Grünliberalen diesmal in Schach halten?

Wir haben sieben Kandidaturen für fünf Sitze. Zum Glück. Es wäre komisch, wenn nur fünf Personen für die fünf Sitze kandidierten.

Wettbewerb ist gut?

Absolut. Die neuen Kandidaten fordern uns alle heraus.

«Ueli Fisch und ich haben einige Gemeinsamkeiten. Zahlreiche Werte teilen wir.»

Ich kämpfe nicht gegen ihn, sondern überzeuge mit meinem Leistungsausweis. Die Leute wissen, was Sie mit mir bekommen.

Aber Fisch kämpft vielleicht gegen Sie.

Das habe ich von ihm so nie gehört. Wir haben drei Herausforderer, die gerne einen Sitz in dieser Regierung hätten. Und es ist wahrscheinlich allen drei egal, welcher Sitz das ist.

Fisch und Bétrisey können auf der grünen Welle reiten. Seit dem Verlust des Nationalratssitzes hat der Freisinn hingegen ein Verliererimage.

Ich setze auf meinen Leistungsausweis. Stichwort Energienutzungsgesetz: Zu Null im Parlament durchgegangen. Ich bin mit den Kritikern an einen Tisch gesessen und habe Mehrheitsverhältnisse geschaffen, von denen andere Kantone nur träumen können. Oder was wir im ÖV und in der E-Mobilität mit der Umstiegsprämie für Neuwagen erreicht haben. Mein Einsatz für den Erhalt des Agroscope-Standorts Tänikon. Die Super-Aktion «Leben statt Pendeln», die wir aus eigener Kraft stemmten. Der Thurgau hat 2019 eine Netto-Zuwanderung an Firmen: 106 mehr zugewanderte Unternehmen als weggezogen sind. Das ist schweizweit Platz zwei. Oder die Bestandespflege: Wir haben dafür gesorgt, dass die V-Zug in Sulgen bauen kann und nicht ins Ausland geht, dass die Mowag in Tägerwilen ausbauen konnte und so im Thurgau geblieben ist und dass das Reka-Dorf in den Thurgau kommt. Verliererimage? Sicher nicht.

Spielt der Thurgau in Sachen Energieeffizienz immer noch in der Champions League?

Ich verstehe nicht viel von Fussball, deshalb rede ich nicht gerne von Champions League. Unser Förderprogramm ist sehr gut, aber andere Kantone haben aufgeholt, was auch nötig war. Es kommt immer darauf an, was man anschaut: bei den Minergie-Bauten liegen wir schweizweit an der Spitze. Und mit dem neuen Energienutzungsgesetz übernimmt der Thurgau wieder eine Leaderrolle.

Wie grün ist Walter Schönholzer?

Sehr; und ich verhalte mich auch so. Ich setze auf Eigenverantwortung, denn mit Veränderungen muss man immer bei sich selber anfangen. Es gibt in diesem Bereich viel zu tun. Die Entwicklung des Klimas ruft nach Veränderungen. Da werde ich nicht lockerlassen, auch wenn ich nicht das Grüne im Parteinamen trage. Das ist das Thema unserer Generation. Jene, die sich an den politischen Schalthebeln befinden − egal, welche Partei − sind aufgefordert zu handeln. Und ich will handeln.

Einschätzung: Ein Schatten bleibt

Walter Schönholzer kann machen, was er will: Hefenhofen wird er nicht mehr los. Der mit seinem Namen verbundene Tierschutzskandal bleibt unvergessen. Dabei hat Schönholzer seither vieles richtig gemacht. Und er beweist politischen Instinkt. Vorbildlich, wie er das Energienutzungsgesetz durchs Parlament lotste oder mit der Prämie für E-Autos die Nase im Wind hat. Wenn Schönholzer aber tatsächlich den Resetknopf drücken will, müsste er das Departement wechseln. (ck)

Person

Regierungsrat Walter Schönholzer (FDP) steht seit dem 1. Juni 2016 dem Departement für Inneres und Volkswirtschaft vor. Er absolvierte eine kaufmännische Berufslehre und war in der Privatwirtschaft zuletzt als Verkaufsleiter Export der Lista AG tätig. Vor seiner Wahl in die Regierung amtierte Schönholzer zehn Jahre lang als Gemeindepräsident von Kradolf-Schönenberg. 2009 bis 2016 sass er für die FDP im Grossen Rat, drei Jahre präsidierte er auch die freisinnige Kantonalpartei. Schönholzer ist verheiratet und Vater von vier Kindern. (ck)

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