Glosse

Regierungsrat Klöti porträtiert mit einem Touch Richard Gere

Martin Klöti wurde zum Abschluss seiner Amtszeit von Lisa Schmid in Öl auf die Leinwand gebannt. Ein bisschen schräg und verwegen wirke er auf dem Gemälde, meint der Regierungsrat. Doch was es mit der pinkfarbenen Wolke neben seinem Kopf auf sich hat, bleibt schleierhaft.

Christina Genova
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«Schräg und verwegen»: Regierungsrat Martin Klöti mit seinem Porträt.

«Schräg und verwegen»: Regierungsrat Martin Klöti mit seinem Porträt. 

Bild: PD

Nun ist also auch Martin Klötis Porträt bereit, um in die Galerie seiner Vorgängerinnen und Vorgänger eingereiht zu werden. Gestern wurde es in einem feierlichen Akt enthüllt. Um die Abstandsregeln einzuhalten, fand der Anlass im Hofkeller statt.

Wer im Kanton St.Gallen als Regierungspräsidentin oder Regierungspräsident amtete, wird bei seinem Austritt aus der Regierung für die Ewigkeit in Öl gebannt. Die Ehre, Klöti zu porträtieren, fiel der 78-jährigen Künstlerin Lisa Schmid zu. Der scheidende Kulturminister liess es sich nicht nehmen, damit eine St.Gallerin zu beauftragen. In ihrer letzten Atelierausstellung vergangenen November zeigte Schmid Stillleben von Kirschen, Artischocken oder Äpfeln. Als welche Frucht oder welches Gemüse sich Martin Klöti sehen würde, ist nicht bekannt. Und dass er einem Gemüse ähnelt, kann man nicht behaupten. Doch bei den Tieren fiele seine Wahl auf den Leoparden, erzählte er der Rapperswiler Tänzerin Lea Moro anlässlich eines gemeinsamen Projekts vergangenen Sommer.

Der Glamourzuständige der St.Galler Regierung

Raubtierhaft und gefährlich wirkt Klöti auf diesem Porträt jedoch nicht. Er selbst deutet seinen Gesichtsausdruck als «ein bisschen schräg und verwegen», sein Lächeln wirkt auf dem Gemälde etwas verkrampft. Seine Frisur, die an jene der Comicfigur Tim aus Tim und Struppi erinnert, verleiht ihm dennoch etwas Spitzbübisches. Weil es dem Noch-Regierungsrat an Zeit und vielleicht auch Geduld für aufwendige Porträtsitzungen mangelte, malte Schmid ihn nach einer fotografischen Vorlage, aufgenommen an einer Premiere der St.Galler Festspiele. Keine zufällige Wahl, sitzt doch Klöti von Amtes wegen im Verwaltungsrat von Konzert und Theater St.Gallen. Kein Zufall auch deshalb, weil er, der selbsternannte Glamourzuständige der St.Galler Regierung, solche Auftritte liebt. Dass Regierungsratskollegin Heidi Hanselmann seinem Porträt einen «Touch von Richard Gere» attestierte, wird ihn gefreut haben.

Lisa Schmid mit Martin Klöti, den sie zum Ende seiner Amtszeit porträtierte.

Lisa Schmid mit Martin Klöti, den sie zum Ende seiner Amtszeit porträtierte.

PD

Konventionell wollte Klöti keinesfalls verewigt werden. Der Regierungsrat trägt Smoking und Fliege, sein Auftritt ist elegant. Im Hintergrund steht dicht gedrängt das Premierenpublikum, Klöti ragt als Lichtgestalt aus der grauschwarzen Masse heraus. Doch was hat es mit dem in Blau-, Violett- und Pinktönen gehaltenen Hintergrund auf sich? Soll damit ein kitschiger Sonnenuntergang oder der Widerschein eines Scheinwerfers angedeutet werden? Oder ist es gar eine Anspielung auf Klötis Unterstützung für Pink Cross, den Dachverband der schwulen Männer? Es bleibt nebulös, wie auch die wolkig verwischten Konturen dieses Porträts, ein Stilmittel der Künstlerin. Doch der Schluss, dass Klöti als Politiker nicht fassbar gewesen wäre, sollte daraus nicht gezogen werden.

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