Rambazamba
«Das Musikverbot entstand irrtümlicherweise»: Nach Kritik hebt die Stadt St.Gallen das im Mai erlassene Verbot auf Drei Weieren wieder auf

Die Stadt St.Gallen hat entschieden, das Musikverbot wieder aufzuheben. Die Einführung habe zu Unsicherheiten geführt. Der Mannenweier sei aufgrund seiner öffentlichen Zugänglichkeit ein Sonderfall. Neben der Musik auf Drei Weieren gibt auch der Abfall im Bermudadreieck zu reden. Polizei und Stadt reagieren.

Sandro Büchler
Merken
Drucken
Teilen
Er darf wieder: Der Stadtrat hat das umstrittene Musikverbot für den Mannenweier zurückgezogen.

Er darf wieder: Der Stadtrat hat das umstrittene Musikverbot für den Mannenweier zurückgezogen.

Bild: Michel Canonica

Rambazamba am Mannenweier: Dort hatte in den vergangenen Tagen ein bis jetzt nicht offiziell kommuniziertes Musikverbot nach Recherchen von «FM1Today» für Verwunderung gesorgt. Einige zeigten sich irritiert, andere waren entrüstet. Musik aus Boxen und Handys, aber auch vom Flöten- oder Gitarrenspieler wurde verboten. Klammheimlich wurden neue Infotafeln mit den neuen Regeln aufgestellt und seit Saisonstart gar 20 Bussen ausgestellt. Die allermeisten Bussen betrafen die Zeit nach 22 Uhr.

Nach der öffentlichen Kritik macht der Stadtrat nun eine Rolle rückwärts. In einer Medienmitteilung schreibt er am Mittwoch: «Das Musikverbot auf den Drei Weieren wird aufgehoben.»

«Irrtum», «Fehleinschätzung» und «zu wenig sensibel»

Die Begründung mutet kurios an. Alles sei ein Irrtum, schreibt der Stadtrat. Im Mai seien die Badeordnungen der vier städtischen Freibäder angepasst worden, mit dem Ziel, diese zu vereinheitlichen. Neu wurde das Abspielen von Musik sowie das Spielen von Musikinstrumenten – wie in den anderen Badis der Stadt – auch auf Drei Weieren verboten.

«Irrtümlicherweise wurde auch der Mannenweier bei der Umsetzung mitberücksichtigt.»

Dies habe zu Fragen und Unsicherheiten geführt, weshalb man das Thema und die rechtlichen Grundlagen nochmals mit den Dienststellen besprochen habe.

Roland Hofer, Leiter Bad- und Eisanlagen Stadt St.Gallen.

Roland Hofer, Leiter Bad- und Eisanlagen Stadt St.Gallen.

Bild: Ralph Ribi

Roland Hofer, Leiter Bad- und Eisanlagen, erklärt: «Der Mannenweier ist ein Sonderfall. Denn im Gegensatz zu den anderen Freibädern ist er öffentlich zugänglich – sieben Tage, 24 Stunden.» Bei der Harmonisierung der Badeordnungen sei die restriktive Umsetzung eines Musikverbots im Nachhinein eine Fehleinschätzung.

«Offensichtlich sind wir falsch gelegen und waren zu wenig sensibel.»

Was gut gemeint gewesen sei, funktioniere in der Praxis nicht und führe lediglich zu Unmut unter den Badegästen.

«Die ‹Weieren› sind ein wichtiger Platz für St.Gallen. Hier kommen viele Menschen zusammen», sagt Hofer. Dass sich dabei die Anwohner von teils lauter Musik gestört fühlen, bleibe aber ein Thema. «Bei der Frage des Lärms gibt es immer zwei Seiten.»

Tagsüber sind die Badmeister in der Pflicht, abends die Polizei

Was gilt nun genau? Die Stadt schreibt in ihrem Communiqué: Beim Mannenweier, zwischen Möslengut und Milchhüslidamm, werde der Badebetrieb während der Saison von 9 bis 19 Uhr beaufsichtigt. In dieser Zeit sei das Abspielen von Musik und das Spielen von Musikinstrumenten grundsätzlich erlaubt, «sofern sich niemand dadurch gestört fühlt». Zuständig sind die Badmeister.

Die Sonne geniessen in der natürlichen Arena am Mannenweier.

Die Sonne geniessen in der natürlichen Arena am Mannenweier.

Bild: Sandro Büchler

Nach 19 Uhr ist die Stadtpolizei in der Pflicht. Bei übermässigem Lärm könne sie eine Busse von 60 Franken aussprechen. «Die Polizei sucht grundsätzlich zuerst den Dialog, bevor eine Busse ausgesprochen wird», schreibt die Stadt. In extremen Fällen von lauter Musik müsse man aber direkt mit einer Busse rechnen. Bussen wegen des irrtümlichen Musikverbots, die in den vergangenen Wochen ausgestellt wurden, will die Polizei prüfen und allenfalls zurückziehen.

Im Bermudadreieck ist die Polizei vor Ort

Offenbar haben viele Nachholbedarf. Mit den sinkenden Infektionszahlen und weiter wegfallenden Massnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie zieht es viele wieder nach draussen: Bei milden Temperaturen ein Bier trinken und in der Gartenbeiz einen EM-Match schauen, Freundinnen und Freunde wieder treffen, die man gefühlt seit über einem Jahr nicht mehr gesehen hat, oder ein kühles Bad im Mannenweier nehmen. La Dolce Vita ist zurück.

Einige schlagen aber über die Stränge und da Nachtclubs noch nicht offen sind, ist das Partyvolk in den Gassen und den Naherholungsgebieten rund um die Stadt unterwegs. Im Bermudadreieck, wo Engel- und Augustinergasse zusammentreffen, liessen die Nachtschwärmer am zweiten Juniwochenende viel Abfall zurück. Anwohner berichteten, dass es selbst vor Corona noch nie so schlimm gewesen sei. Die Stadtpolizei hat reagiert.

Das Bermudadreieck ist beliebt bei Nachtschwärmern.

Das Bermudadreieck ist beliebt bei Nachtschwärmern.

Archivbild: Ralph Ribi (25.07.2020)

Um dem Littering Einhalt zu gebieten und damit das Bad in der Menge trotz noch immer geltenden Coronaregeln halbwegs gesittet über die Bühne gehen zu lassen, ergriff die Stadtpolizei vergangenes Wochenende präventive Massnahmen. Abfallkübel, Informationstafeln und Gitterabschrankungen wurden aufgestellt und die Polizei zeigte Präsenz vor Ort.

Im Hintergrund laufen weitere Gespräche

Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen.

Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen.

Bild: PD

«Die getroffenen Massnahmen haben zu einer Verbesserung der Situation geführt», sagt Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen. Im Hintergrund würden aber weitere Gespräche zwischen Quartierbewohnern, Gastronomen und Behörden laufen. Bereits in den vergangenen Monaten kam es in und um St.Gallen wiederholt zu Littering-Vorfällen, so etwa Ende April auf dem Freudenberg. Widmer sagt:

«Littering ist ein gesellschaftliches Problem.»

Doch nur mit Repression und Bussen könne das Problem nicht gelöst werden. «Die Polizei ist nur ein Puzzleteil dabei.» Widmer sagt, an Orten, von denen man wisse, dass dort regelmässig Abfall liegen gelassen werde, patrouilliere man häufiger. «An Grillstellen etwa.» Am bevorstehenden Wochenende werden wiederum sommerliche Temperaturen erwartet. Wo, wann und wie häufig die Stadtpolizei kontrollieren will, werde situativ entschieden, sagt Widmer.