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REFORM: "Berufsbildung ist zu schwerfällig"

Die Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell will die Berufsfachschulen neu organisieren. Sie sollen sich auf einzelne Fachbereiche spezialisieren und enger mit der Wirtschaft zusammenarbeiten.
Adrian Vögele
Mehr Tempo, mehr Flexibilität: IHK-Direktor Kurt Weigelt fordert ein neues Modell für die Berufsfachschulen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Mehr Tempo, mehr Flexibilität: IHK-Direktor Kurt Weigelt fordert ein neues Modell für die Berufsfachschulen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Adrian Vögele

adrian.voegele

@tagblatt.ch

Die Tage der «Gemischtwarenläden» in der Berufsschullandschaft sind gezählt: Davon ist Kurt Weigelt überzeugt. Der Direktor der Industrie- und Handelskammer (IHK) St. Gallen-Appenzell skizzierte gestern vor rund 1000 Besucherinnen und Besuchern des Konjunkturforums auf dem Olma-Areal, wie er sich die Berufsbildung in Zukunft vorstellt. Zwar sei die Schweiz zu Recht stolz auf die Berufslehre. Doch der rasche Wandel der Arbeitswelt gehe nicht spurlos an der Berufsbildung vorbei. Im Kanton St. Gallen seien die Berufsfachschulen nach geografischen Kriterien gruppiert und würden jeweils eine breite Palette von Berufen anbieten. Das habe historische und regionalpolitische Gründe. «Diese Struktur macht das Berufsbildungssystem umständlich und schwerfällig», sagt Weigelt. Die Schulen hätten Mühe, die Lerninhalte rasch an wechselnde Ansprüche der Wirtschaft anzupassen.

Mehr Kompetenz, mehr Autonomie

Die IHK schlägt nun vor, dass in der Ostschweiz Berufsschulen nach Fachbereichen gebildet werden – beispielsweise für Gesundheit, Verkauf oder Informatik. Je nach Bedarf könne eine Schule auch mehrere Standorte haben. «Es geht nicht um Schulhäuser, sondern um die Bündelung von Kompetenzen», so Weigelt. Die Schulen sollen eng mit der Wirtschaft zusammenarbeiten und inhaltlich wie organisatorisch eine hohe Autonomie haben. Die politische Führung könne über Leistungsvereinbarungen erfolgen, das Tagesgeschäft an den Schulen würde entpolitisiert. «Die Schulleitung wäre auch in inhaltlichen Fragen kompetent und würde sich nicht nur auf die Verwaltung konzentrieren, wie das heute oft der Fall ist», heisst es in der Publikation, welche die IHK gestern vorlegte. Zudem soll eine «freie Schulwahl» gelten: Die Firmen sollen selber entscheiden können, an welche Schule sie ihre Lehrlinge schicken.

Zwar werden derzeit auf Bundesebene die Leitlinien für die Berufsfachschulen überarbeitet. Doch der Prozess für diese «Berufsbildung 2030» dauere zu lange und sei stark durch «Verwaltung und Experten» geprägt, ­bemängelt Weigelt. «Wir sollten nicht warten, bis Bern uns glücklich macht, sondern selber etwas unternehmen.»

Kanton Thurgau als Vorreiter

Die IHK unterstreicht ihre Forderung mit den Ergebnissen einer Umfrage der Fachhochschule St. Gallen bei Ostschweizer Lehrlingen: Demnach sind die Aus­zubildenden mit den Lerninhalten an ihrem Arbeitsort deutlich zufriedener als mit dem vermittelten Wissen an den Berufsfachschulen und in den überbetrieblichen Kursen. Besonders unzu­frieden mit dem Schulstoff und den Kursen sind die Informatik-Lehrlinge (Ausgabe vom 14. November).

Podiumsgäste des Konjunkturforums reagierten gestern wohlwollend auf den Vorschlag der IHK. Dieser sei «prüfenswert», sagte Marco Frauchiger, Rektor des Berufs- und Weiterbildungszentrums Wil-Uzwil: «Die Kleinräumigkeit des Systems war früher gerechtfertigt – heute nicht mehr.» Die Schulen müssten flexibler werden.

Im Thurgau gibt es bereits Schulen in der Art, wie sie die IHK vorschlägt – etwa das Berufszentrum für Technik in Frauenfeld oder das Gewerbliche ­Bildungszentrum Weinfelden. Bildungsdirektorin Monika Knill hält eine Ausweitung des Modells auf die gesamte Ostschweiz für denkbar.

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