Rechtsstreit um Räumung einer Autowerkstatt

ST. GALLEN. Die Räumung einer Autowerkstatt hat gestern das St. Galler Kantonsgericht beschäftigt. Ein Mechaniker, dessen Partnerin und ein Autobastler fühlen sich um über 300 000 Franken geprellt. Die Vermieterin hingegen will nur Müll und Schrott entsorgt haben.

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ST. GALLEN. Die Räumung einer Autowerkstatt hat gestern das St. Galler Kantonsgericht beschäftigt. Ein Mechaniker, dessen Partnerin und ein Autobastler fühlen sich um über 300 000 Franken geprellt. Die Vermieterin hingegen will nur Müll und Schrott entsorgt haben. Das Kreisgericht Rheintal hatte die Frau Mitte 2014 wegen Sachentziehung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs zu einer bedingten Geldstrafe von 72 000 Franken verurteilt. Sie zog den Fall ans Kantonsgericht weiter und verlangte einen Freispruch.

«Mietzahlungen blieben aus»

Den Mietvertrag für die Werkstatt hatte die Lebenspartnerin des Mechanikers unterschrieben. Die Vermieterin sagte in der Berufungsverhandlung, ab 2012 seien die Mietzahlungen ausgeblieben. In der Werkstatt habe sich niemand mehr blicken lassen, der Mechaniker sei nicht erreichbar gewesen. Die Vermieterin suchte Rat bei einem Anwalt. Mit eingeschriebenem Brief forderte sie die Mieterin zur Rückgabe des Mietobjekts auf. Kurze Zeit später räumte sie zusammen mit einem Angestellten die Werkstatt. Die Abbruchautos liess sie abtransportieren und verschrotten. Sie sei davon ausgegangen, korrekt zu handeln. Sie fühle sich unschuldig.

«Rücksichtslos und arrogant»

Die Mieter machten einen Schaden von 342 000 Franken geltend. Werkzeuge, Autoersatzteile, Büroeinrichtung und wichtige Unterlagen – alles sei verschwunden. Ihr Anwalt sprach von einem «rücksichtslosen und arroganten» Vorgehen der Vermieterin. Der Verteidiger sah dies anders: Die Vermieterin habe annehmen dürfen, dass die Mieter die Werkstatt nicht mehr wollten. Sie hätten nur Schrott zurückgelassen. Der Mechaniker habe bereits eine neue Werkstatt im Thurgau geführt. Die Staatsanwaltschaft beantragte die Abweisung der Berufung. Das Urteil des Kantonsgerichts steht noch aus. (sda)