RAZZIA: Hanfplantage als Geschenk für die Mutter

Die Polizei hat medienwirksam eine Hanfplantage in Jona ausgehoben. Jetzt wird klar: Die Mieterin des Kellerlokals steckt tiefer in der Sache mit drin als bisher angenommen.

Conradin Knabenhans
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Joghurt, Brot, Käse: Was im Volg Jona über die Theke geht, ist legal. Weniger legal waren die Geschäfte in einem Hobbyraum im Keller des gleichen Gebäudes im Lenggis-Quartier. Eine im Kanton Zürich wohnhafte Frau pflanzte dort 360 Hanfpflanzen an. Im Dezember 2016 flog die Hanfplantage nach einer Polizeirazzia auf. Gegenüber dem Vermieter, der Sennereigenossenschaft Lenggis, betonte die Frau stets, das Kellerabteil als Hobbyraum und Lager – vor allem für ihren Sohn, der mitunter als Plattenleger tätig sein soll – zu nutzen. Das erzählt Josef Kälin, Kassier der Genossenschaft. Kurzum: Sie gab sich ahnungslos. Das war aber nur die halbe Wahrheit, wie sich jetzt herausstellt.

Wie aus dem Strafbefehl des Untersuchungsamtes Uznach hervorgeht, hatte der Sohn bei seiner Mutter Schulden von 2500 Franken. Weil er diese nicht begleichen konnte, schenkte er ihr eine sogenannte «Growbox» mit Lampen, Filtern und Ventilatoren, um Cannabis anzubauen. Die ersten 16 Pflanzen züchtete sie so in ihrer Wohnung in der Agglomeration Zürich.

Das reichte aber offenbar noch nicht. Bei der Hausdurchsuchung im Dezember 2016 wurden dann insgesamt über 350 Pflanzen sichergestellt. Auf das versprochene Geld muss die Frau warten. Ihr Sohn konnte von den Pflanzen nämlich gerade einmal 300 Gramm ernten und verkaufen. Der Erlös für die Mutter betrug 500 bis 600 Franken. Weil die 58-jährige Frau nicht vorbestraft ist, kommt sie mit einem blauen Auge davon. Sie erhält eine bedingte Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je 50 Franken. Dazu kommen eine sofort zu bezahlende Busse und Gebühren von insgesamt 2300 Franken. Strafe und Busse werden nebst dem Hanfanbau auch ausgesprochen, weil die Frau in ihrer Wohnung nachweisbar einige Gramm Cannabis konsumiert hat. Der Strafbefehl ist rechtskräftig. Auf die Schliche kam dem Duo nach intensiven Untersuchungen die Staatsanwaltschaft des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Sie wird voraussichtlich im Herbst am dortigen Kantonsgericht Anklage gegen den im Appenzellischen wohnhaften Sohn erheben. Für die Sennereigenossenschaft ist der Fall abgeschlossen. Wie Josef Kälin erzählt, wurde der Kellerraum inzwischen an eine neue Mieterin übergeben.

Conradin Knabenhans

ostschweiz@tagblatt.ch