RAUBTIERE: Schakal im Wolfsrevier

Im Wolfskanton St. Gallen ist ein Goldschakal aufgetaucht. Manche befürchten, die beiden Arten könnten sich vermischen. Laut Bund ist das unwahrscheinlich – der Wolf sei der grösste Feind des Schakals.

Adrian Vögele
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Der Goldschakal ist deutlich kleiner als der Wolf und weicht diesem in der Regel aus. (Bilder: Getty, Benjamin Manser)

Der Goldschakal ist deutlich kleiner als der Wolf und weicht diesem in der Regel aus. (Bilder: Getty, Benjamin Manser)

Adrian Vögele

adrian.voegele@tagblatt.ch

Die St. Galler Fauna ist um ein Mitglied reicher: Vor kurzem fotografierte ein Ornithologe im Linthgebiet einen Goldschakal (Ausgabe vom 19. Juli). Wobei: Ob sich das Tier immer noch im Kanton aufhält, ist offen. Man habe seit der ersten Sichtung keine weiteren Hinweise mehr zum Schakal erhalten, sagt Markus Brülisauer vom Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Dafür macht der Wolf wieder von sich reden: Im Calandarudel hat es erneut Nachwuchs gegeben – acht Jungtiere sind es wohl, wie die Bündner Wildhut feststellte.

Was geschieht, wenn Wolf und Goldschakal im selben Gebiet leben? «Das lässt sich nicht voraussagen», so Brülisauer. Es sei ohnehin völlig unklar, wie sich die Sache mit dem Goldschakal entwickle. «Dass sich die Art hier dauerhaft niederlässt, wäre nur dann denkbar, wenn es ein Pärchen gäbe.» Bislang wurden in der Schweiz aber nur sehr wenige einzelne Goldschakale beobachtet. Die Tiere breiten sich in Europa von Südosten her aus. Die nächstgelegene ständige Population befindet sich im Friaul in Italien, nahe der slowenischen Grenze. Die Goldschakale stehen in der Schweiz unter Schutz – sie gelten als einheimische Art, da sie ohne Zutun des Menschen einwandern.

Pfotenfrage an den Bundesrat

Obwohl der Schakal hierzulande ein Neuling ist, war er bereits Thema im Bundesparlament. Der St. Galler SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel verlangte im Juni 2016 in der Fragestunde Auskunft zur Vermischung von Wölfen und Schakalen. «Anhand der DNA-Tests werden in der Schweiz auch Tiere als reine Wölfe bezeichnet, welche Merkmale von Artenvermischungen aufweisen», schreibt Büchel. «Dazu gehören zum Beispiel Verwachsungen an den Fussmittelballen, welche auf eine Einkreuzung mit Schakalen hindeuten.» Der Bundesrat erteilt dieser Vermutung eine Absage. Obwohl sich der Lebensraum des Goldschakals mit demjenigen des Wolfes in vielen Gebieten überschneide, gebe es keinerlei Hinweise für eine «Hybridisierung» zwischen den zwei Tierarten. «Eine Verpaarung dieser Arten ist unwahrscheinlich, da der Wolf der wichtigste Feind des Goldschakals ist.» Der Goldschakal ist grösser als ein Fuchs, aber deutlich kleiner als ein Wolf. Diese Hierarchie zeigt Wirkung: «In Gebieten mit Wolfsrudeln kommt es meist zur Abwanderung von Schakalfamilien», schreibt der Bundesrat. Eine gewisse Verwachsung an den Fussmittelballen könne sowohl beim Goldschakal als auch beim Wolf auftreten – jeweils unabhängig von der anderen Tierart. Das sei kein Anzeichen für eine Kreuzung von Goldschakal und Wolf.

Diskussionen über Wolf-Hund-Mischlinge

Die Debatte über allfällige Wolfsmischlinge in der Schweiz wird schon länger geführt. Immer wieder ist zu hören, die hiesigen Wölfe seien in Wahrheit Wolf-Hund-Hybriden, die entfernt werden müssten. Der frühere Walliser CVP-Nationalrat Roberto Schmidt bezweifelte die Wirksamkeit von DNA-Proben in dieser Frage: Ab einem bestimmten «Einkreuzungsgrad» seien Mischlinge mittels DNA-Analyse nicht mehr erkennbar, schrieb er in einer Motion. Man müsse daher das Aussehen und den Körperbau der Wölfe genauer unter die Lupe nehmen. So lasse sich feststellen, ob es sich um Hybriden handle.

Der Bundesrat argumentiert in seiner Antwort auf die Motion genau umgekehrt: «Mischformen zwischen Haus- und Wildtieren lassen sich in den ersten beiden Generationen oft anhand äusserer Merkmale wie der Körperproportionen oder der Pigmentierung von Haut und Haaren erkennen.» Bei Wolf-Hund-Hybriden könnten dies etwa auffällig grosse Ohren oder ein schwarzes Fell sein. Bei der Rückkreuzung mit der Wildform jedoch würden diese Merkmale schnell wieder verschwinden. «Dagegen lassen sich die Spuren der Hybridisierung im Erbgut der Tiere noch über sehr lange Zeiträume nachweisen.» Die Kantone seien verpflichtet, Hybriden aus der Wildbahn zu entfernen. Doch beim Wolf gebe es keinen Handlungsbedarf. Nie seien die Experten bei den Untersuchungen von Wolfs-DNA seit 1995 im Alpenraum auf Mischlinge gestossen. «Es gibt sie einfach nicht», sagte Bundesrätin Doris Leuthard in der Ratsdebatte über die Motion im Frühling. Ohnehin könne man das nicht aufgrund des Aussehens der Tiere beurteilen. «Das, glaube ich, ist eine unwissenschaftliche Methode.» Der Vorstoss wurde abgelehnt – hatte im Rat aber viele Befürworter: 110 zu 82 lautete das Resultat.