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RASSISMUSSTREIT: Agassiz wird zum Fall für die Antirassismuskommission

Der St. Galler Historiker Hans Fässler wendet sich im Fall Agassiz erneut an Bundesbern.

Der St. Galler Hans Fässler und der Freiburger Hans Barth vom Komitee «Démonter Louis Agassiz» sind erzürnt. Der Zentralverband des Schweizer Alpenclubs (SAC) hat entschieden, dem Glaziologen und Rassentheoretiker Louis Agassiz die Ehrenmitgliedschaft nicht abzusprechen. «In der Antwort auf unsere Forderung hat der SAC den Rassen­hetzer Louis Agassiz derart banalisiert, wenn nicht gar verteidigt, dass wir uns entschlossen haben, an die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus sowie an die Fachstelle für Rassismusbekämpfung des Eidgenössischen Departements des Innern zu gelangen», teilten sie gestern mit.

In ihrem Schreiben fordern sie eine Stellungnahme der ­beiden Bundesinstitutionen zur Erklärung des SAC. Dieser argumentierte Ende August, dass die Ehrenmitgliedschaft mit Agassiz’ Tod im Jahr 1873 ohnehin erloschen sei. Man könne Agassiz nicht etwas absprechen, das gar nicht mehr existiere. Zudem sei Agassiz als Glaziologe Mitbegründer und wichtiger Vertreter der Eiszeittheorie gewesen. Das Komitee stört sich besonders an folgender Aussage des SAC: Agassiz sei zwar aus heutiger Sicht Rassist gewesen, damals sei sein radikales Gedankengut aber in vielen Kreisen üblich gewesen.

«Dies ist eine grobe Geschichtsklitterung und eine Verharmlosung der damaligen Rassenhetze und Verbrechen gegen die Menschheit», schreibt das Komitee an den Bund. Die SAC-Stellungnahme sei schwerwiegend und unverantwortlich. Der Südtiroler Spitzenalpinist Reinhold Messner hat sich in dieser Sache ebenfalls schon zu Wort gemeldet (Ausgabe vom 15. August). In einem Mail an Fässler schrieb er: «Ich hielt den SAC immer für einen toleranten Verein. Die SAC-Ehrenmitgliedschaft von Louis Agassiz ist untragbar.»

Nicht der erste Versuch

Fässler hat schon zuvor bei der SAC-Sektion St. Gallen, in der er Mitglied ist, versucht zu intervenieren. An der HV 2016 wurde sein Antrag gutgeheissen. Der St. Galler Delegierte hätte an der DV des Zentralverbandes die Entlassung Agassiz’ aus der Ehrenmitgliedschaft beantragen sollen. So weit kam es allerdings nicht, da ein Sektionskamerad Fässlers einen Formfehler bei der Abstimmung festgestellt hatte. An der HV im März 2017 wurde erneut – und regelkonform – abgestimmt. Doch Fässlers Gegner waren dieses Mal besser vorbereitet und gewannen die Abstimmung (Ausgabe vom 4. März).

Das Komitee «Démonter Louis Agassiz» war schon 2010 mit einer Petition gescheitert, die forderte, das Agassizhorn anders zu benennen. Die drei Gemeinden Grindelwald BE, Guttannen BE und Fieschertal VS haben eine Petition zur Umbenennung des Gipfels abgelehnt. Louis Agassiz kam 1807 in Môtier FR zur Welt und wanderte später in die USA aus. 2007 verurteilte der Bundesrat in einer Antwort auf eine Interpellation das «rassistische Denken» des Zoologen und Glaziologen, sah aber keinen Grund, den nach ihm benannten Berg umzutaufen. (sda/hrt)

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