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«Rassismus hat keinen Platz am Open Air»

Soll sich ein Festival politisch oder sozial engagieren? Solche Fragen wurden erstmals an einem Podium im Sittertobel diskutiert.
Philipp Bürkler
Ausgelassene Stimmung vor der Sternenbühne während des Konzerts der schwedischen Alternativ-Rockband Johnossi. (Bild: Ralph Ribi)

Ausgelassene Stimmung vor der Sternenbühne während des Konzerts der schwedischen Alternativ-Rockband Johnossi. (Bild: Ralph Ribi)

Welche soziale Verantwortung trägt ein Musikfestival mit internationaler Ausstrahlung wie das Open Air St. Gallen? Wie können Toleranz und Respekt gelebt werden? Und was heisst das? Solche und ähnliche Fragen haben am Freitagvormittag, während die meisten Besucher nach der ersten Partynacht langsam aus ihren Schlafsäcken krochen, Festivalleiter Christoph Huber, Kulturjournalist Kaspar Surber und Fruszina Szép, Leiterin des Berliner Festivals Lollapalooza, an einem Podium diskutiert.

Initiiert wurde die Diskussion von der europäischen Initiative «Take a Stand», was soviel heisst wie Stellung beziehen oder Haltung zeigen. Der Initiative angeschlossen sind über 100 Festivals in ganz Europa. Ziel ist es, eine Diskussion in Gang zu bringen über soziales Engagement und die gesellschaftliche Verantwortung solcher Anlässe zu fördern. Nicht nur die Festivallandschaft hat sich durch zunehmende Kommerzialisierung, gestiegene Gagen für Künstler und höhere Ticketpreise für Besucher in den vergangenen Jahren radikal verändert, sondern auch die gesamte Gesellschaft. Stichworte sind: Rechtspopulismus, Flüchtlingskrise oder andere Re­striktionen im Alltag.

«Es ist wichtig, dass wir auch an Festivals über gesellschaftliche Veränderungen sowie soziale Verantwortung reden», sagte Fruszina Szép aus Berlin. «Wir müssen über Respekt und Toleranz reden, um eine bessere Welt zu schaffen.» Auch Kaspar Surber, Redaktor bei der «Wochenzeitung», findet ein Engagement zwingend. «Wir befinden uns global in einer schwierigen Situation bezüglich Menschenrechte. Deshalb ist es wichtig, dass sich möglichst viele Menschen engagieren.» Auch Festivals mit tausenden Besuchern.

Vereinzelt Rechtsradikale auf dem Gelände

Surber erwartet von den Festivalverantwortlichen ein grösseres und sichtbareres Engagement, beispielsweise gegen Rassismus und Sexismus. «Rassismus hat keinen Platz an einem Festival, das müsste von den Organisatoren noch deutlicher kommuniziert werden.»

Besucherinnen und Besucher eines Open Airs seien in der Regel offene und respektvolle Menschen. Es gebe aber auch an einem solchen Anlass immer wieder negative Ausnahmen. Seit einigen Jahren mischen sich regelmässig Rechtsradikale unter das Publikum. Nur: «Weshalb fühlen sich solche Menschen überhaupt vom Open Air St. Gallen angesprochen?», fragt ein ratloser Festivalgänger, der im Publikum sitzt. «Wir hatten tatsächlich in einigen Jahren während Fussballweltmeisterschaften Probleme mit solchen Leuten, die beinahe den Zusammenhalt der Besucher zerstört haben», antwortet ihm der Programmchef. Huber stellt aber klar: «Wir würden nie eine Band wie Böhse Onkelz, die in der rechten Szene beliebt ist, für einen Auftritt buchen.»

Ein weiterer Diskussionspunkt war die zunehmende Kommerzialisierung solcher Veranstaltungen. Überall auf dem Gelände sieht man Werbetafeln und grosse Brands, die ihre eigenen Bar- und Musikzelte haben. Ohne Sponsoring könnte ein Festival wie St. Gallen jedoch nicht überleben. Dennoch erinnert Kaspar Surber daran, dass bereits das Woodstock-Festival 1969 in den USA, das weltweit erste grosse Open-Air-Festival, aus kommerziellen Gründen stattgefunden habe. «In St. Gallen hat man die Idee von 1977 einfach kopiert.» Huber entgegnete ihm, alles geschehe mit Herzblut – und nicht des Geldes wegen.

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