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RASSISMUS: Geschasster Beamter Candrian: "Kanton Thurgau hat mir das Messer an den Hals gesetzt"

Der ehemalige St. Galler CVP-Kantonsrat Maurus Candrian ist erneut mit anstössigen Kommentaren im Internet aufgefallen. Dass er nun nicht mehr beim Thurgauer Baudepartement arbeiten kann, findet er übertrieben - ein scharfer Verweis hätte seiner Meinung nach genügt.
Maurus CandrianBild: Ralph Ribi (Bild: Ralph Ribi)

Maurus CandrianBild: Ralph Ribi (Bild: Ralph Ribi)

Um einen Blog-Eintrag auf Tagesanzeiger.ch entbrennt eine heftige Diskussion. In deren Verlauf schreibt Maurus Candrian etwa: «Israel ist ein Terroristenstaat, zehnfach schlimmer als der IS.» Ein Leser bezichtigt ihn des Antisemitismus. Unterdessen wurde ein Grossteil der Kommentare gelöscht. Für Candrian haben sie aber Folgen. «Blick», der auf die Kommentare aufmerksam wurde, konfrontierte seinen Arbeitgeber, den Kanton Thurgau, am Mittwoch damit. Am Ende des Tages ist der St. Galler nicht mehr Ressortleiter im Tiefbauamt.

Am Kern seiner Aussagen hält Candrian fest. «Im Grundsatz stehe ich dazu.» Schreiben würden er sie so aber nicht mehr. Er habe sie nach einer Blinddarmoperation unter Medikamenten verfasst. «Hätte ich eine Woche abgewartet, hätte ich es nicht mit der gleichen Vehemenz geschrieben», sagt er mit klarer, ruhiger Stimme. Den Vorwurf, er sei Antisemit oder Rassist, lässt er nicht gelten. «Es geht um Israelkritik.» Er lehne jegliche Art von Rassismus ab. «Ich bin der erste, der für eine friedliche Lösung im Nahen Osten ist.» Um dies zu untermauern, reicht er per E-Mail seine Überlegungen zu einem Friedensplan nach. Dem heute 60-jährigen geht das Weltgeschehen sehr nahe. «Mich beschäftigen Kriege enorm.» Während des Irakkrieges schlief er nächtelang nicht.

Der Kanton habe ihm «das Messer an den Hals gesetzt». Die Optionen seien gewesen: Er kündige oder werde fristlos gekündigt. Bedenkzeit: Eine Stunde. Wegen mutmasslich besseren Aussichten bei der Rente kündigte er. Groll gegen den Kanton hegt er nicht. «Ich finde das Verhalten aber feige.» Ein «scharfer Verweis» wäre für ihn angebracht gewesen. Auch eine Verpflichtung, sich bis zur Pensionierung «zu enthalten», hätte er unterschrieben. Ihm sei bewusst, dass man als öffentlich-rechtlicher Angestellter «gewisse Einschränkungen zu Lasten der verfassungsmässigen Meinungsfreiheit hinnehmen» müsse.

Es ist nicht das erste Mal, dass Candrian wegen einer Äusserung den Schreibtisch räumen muss. 2013 trennte sich der Kanton St. Gallen von ihm. Einvernehmlich, hiess es damals. Nach 17 Jahren im Staatsdienst. Der Auslöser war eine E-Mail, die Candrian an die israelische Botschaft in Bern geschickt hatte. Darin drückte er seine Genugtuung über den Tod von fünf israelischen Touristen aus. Ein Gericht verurteilte ihn wegen Rassendiskriminierung. Candrian findet dies heute noch ein «klares Fehlurteil».

Ob die neuerlichen Äusserungen ein juristisches Nachspiel haben, wird derzeit offenbar abgeklärt. Die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen habe am Donnerstag aus dem «Blick»davon erfahren, sagt Sprecher Roman Dobler. «Wir prüfen derzeit, ob die in der Berichterstattung bei ‹Blick online› publizierten Kommentare überhaupt den Tatbestand der Rassendiskriminierung nach Artikel 261bis Strafgesetzbuch erfüllen.» Eine Strafuntersuchung sei damit aber noch nicht eröffnet. (seb.)

Lesen Sie unter diesem Link das Interview mit der Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag zum Fall Maurus Candrian.

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