Raser
Er war mit 141 km/h zwischen Müllheim und Hefenhausen unterwegs: «Der Chef hat mich gestresst.»

20-Jähriger aus Winterthur kassiert eine bedingte Freiheitsstrafe vor dem Bezirksgericht Weinfelden: Er muss sich aber fünf Jahre lang bewähren.

Ida Sandl
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Auto rast bei diesem Symbolbild über die Strasse.

Auto rast bei diesem Symbolbild über die Strasse.

Bild: Baona / iStockphoto

«Eigentlich bin ich nicht der Typ, der gegen Gesetze verstösst», sagt der 20-Jährige vor dem Bezirksgericht Weinfelden. Trotzdem ist es ihm in seinem jungen Leben schon zweimal passiert. Im März 2019 verurteilte ihn die Winterthurer Staatsanwaltschaft zu einer bedingten Geldstrafe. Er war innerorts geblitzt worden als er mit 97 Stundenkilometern unterwegs war.

Zu wenig Zeit zwischen den einzelnen Kundenterminen

Im Mai 2020, noch während der Probezeit, blitzte es wieder und abermals war der Beschuldigte aus dem Kanton Zürich viel zu schnell. 141 Stundenkilometer zeigte der Tacho auf der Strasse zwischen Müllheim und Hefenhausen an. Er sass am Steuer eines Dienstwagens, ein Renault Mégane. Es sei gegen Ende seiner Lehre als Informatiker gewesen und der Chef habe ihn gestresst. Viel zu wenig Zeit habe er ihm zwischen den Kundenterminen reserviert. Dann passierte es: Er war bereits im Verzug, die Strasse leicht abschüssig. Wetter und Sicht waren gut, die Fahrbahn gerade und trocken: «Da bin ich wohl etwas zu lange auf dem Gaspedal geblieben.»

Ob er da nicht an seine Vorstrafe gedacht habe, will der Weinfelder Gerichtspräsident Pascal Schmid wissen. Das sei halt schon vor einem Jahr gewesen, verteidigt sich der Beschuldigte:

«Es ging bei diesem Stress vergessen.»

Diese Aussage macht die Richter hellhörig: «Dann war die Probezeit zu kurz.» Der Beschuldigte beteuert zwar, dass er seine Lektion gelernt habe: «So etwas würde ich auch mir nicht mehr antun.» Er habe jetzt eine neue Arbeitsstelle und müsse beruflich nicht mehr Auto fahren.

Verteidiger und Staatsanwalt haben sich auf ein abgekürztes Verfahren geeinigt. Das ausgehandelte Strafmass sieht eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten, bei einer Probezeit von drei Jahren vor, dazu eine Busse von 800 Franken. Die bedingte Geldstrafe der Staatsanwaltschaft Winterthur von 600 Franken muss er nun ebenfalls bezahlen.

Doch das Gericht bleibt skeptisch. Bei einer einschlägigen Vorstrafe sei eine bedingte Freiheitsstrafe eigentlich nicht üblich, sagt der Gerichtspräsident. Zu Gunsten des Beschuldigten berücksichtigen die Richter aber sein junges Alter und dass es sich um eine berufliche Fahrt gehandelt hat. Sie wollen den Deal nicht platzen lassen, doch die Probezeit sei zu kurz.

Gericht verlängert Probezeit auf fünf Jahre

Das Gericht stimmt dem abgekürzten Verfahren schliesslich unter der Bedingung zu, dass die Probezeit auf fünf Jahre verlängert wird. Der Verteidiger versucht noch auf vier Jahre zu verkürzen, doch Schmid bleibt hart: «Haben Sie so wenig Vertrauen in Ihren Mandanten?» Die längere Probezeit sei der Prävention geschuldet. Zum Beschuldigten sagt Schmid: «Wir legen Ihnen damit keine Steine in ihren weiteren Lebensweg.»