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Rangkämpfe von Platzhirschen sind fehl am Platz

Die St. Galler Spitäler sind auf dem Weg, selbst ein finanzieller Notfall zu werden. (Bild: Urs Bucher)

Die St. Galler Spitäler sind auf dem Weg, selbst ein finanzieller Notfall zu werden. (Bild: Urs Bucher)

Am Osterdienstag fahren auf dem Areal das Kantonsspitals St. Gallen die Bagger auf.Für ein neues Bettenhaus und eine Tiefgarage. Mitten im Spital­gelände wird schon bald ein riesiges Loch klaffen. Ein ebensolches zeichnet sich bei den Finanzen ab. Noch schreiben die St. Galler Spitäler gesamthaft schwarze Zahlen, noch weisen sie Gewinn aus. Doch bereits die Prognose für das laufende Jahr ist düster. Es zeichnet sich ein Verlust von 25,7 Millionen Franken ab. Das ist keine vorübergehende Abkühlung, sondern vielmehr ein nachhaltiges Problem. Rote Zahlen dürften auch die nächsten Jahre der St. Galler Spitäler prägen. Die Rede ist von einem jährlichen Loch von 50 bis 70 Millionen Franken.

Kommen Spitäler ins Trudeln, wird eine Karte rasch gespielt: jene der Spitalschliessungen.Der Kanton St. Gallen hat keine Erfahrungen damit: Die letzte Aufhebung eines regionalen Spitals liegt Jahrzehnte zurück. Es gibt somit auch kaum Erfahrungen mit den Auswirkungen einer Schliessung. Der letzte Regierungsrat, der daran zu denken wagte, war seinen Job zügig los.

Seither sind Spitalschliessungen ein Tabuthema – für die Politiker ebenso wie für die Bevölkerung. Jedenfalls, wenn es um das Spital vor der eigenen Haustür geht. Bei einem in einer entfernten Ecke des Kantons könnte ruhig der Schlüssel gedreht werden. Dass die dortige Bevölkerung – aus einem anderen Blickwinkel – gleich denkt, zeigte sich vor gut drei Jahren. Damals genehmigte das St. Galler Stimmvolk eine der teuersten Vorlagen in der Geschichte des Kantons: Es winkte 930 Millionen durch, um die Spitäler nach einem 15-jährigen Baumoratorium auf Vordermann zu bringen – allerdings unterschiedlich deutlich. Würde die Bevölkerung heute, bei weiter steigenden Gesundheitskosten und sich abzeichnenden roten Zahlen der Spitäler, nochmals so entscheiden? Die Frage ist müssig. Nicht aber jene, wie die schlingernden Spitäler wieder auf Kurs gebracht werden können.

Der Spitalverwaltungsrat ist gefordert. Er hat einen Strategieprozess lanciert. Erste Ergebnisse sollen im Sommer vorliegen. Reichen dürfte das kaum, um die Spitäler zurück in die Gewinn­zone zu führen. Unterstützung von der Politik kann der Spitalverwaltungsrat derzeit kaum ­erwarten. Als die FDP Anfang Jahr von einem «Spital-Fiasko» sprach und eine Debatte über die Finanzen und Investitionen lancieren wollte, lief sie im Kantonsparlament auf. Sie solle sich in der Spitalfrage nicht als «Retterin des Kantons» aufspielen, massregelte sie die SVP. Nicht ohne zu ­erwähnen, dass sie als einzige Partei konsequent die Pläne der Regierung kritisiert hatte. Die SP erinnerte daran, dass sie Spitalfragen schon immer anders beurteilt hatte als die Bürgerlichen. Die CVP fühlte sich sichtlich unwohl bei diesem Schlagabtausch und erinnerte daran, dass das Volk der Sanierung der Spitäler zugestimmt hatte. Gut möglich, dass die FDP den Widerstand gegen eine vertiefte Auseinandersetzung erst recht provoziert hatte, weil sie fast zeitgleich nach einer St. Galler Herzchirurgie rief. Kosten hin oder her.

Sollen die St.Galler Spitäler eine Zukunft haben, sind Rangkämpfe von Platzhirschen fehl am Platz. Gefragt ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den aktuellen Problemen der Spitäler – rasch, sachlich und frei von Egomanien und Animositäten. Ebenso gefragt ist die Regierung. Auch wenn sie bei Spitalfragen gebetsmühlenartig auf die Verantwortung des Verwaltungsrats verweist, verbietet ihr das nicht, mitzudenken und Vorschläge zu machen.

Verwaltungsrat und Politik werden sich auf eine Ver­sorgungsstrategie verständigen müssen.Das ist mehr als eine Spitalstrategie – und kann unter dem Strich auch auf die Schliessung von Standorten hinauslaufen. Das werden die nächsten Debatten zeigen. Was das Volk dazu sagt, steht dann nochmals auf einem anderen Blatt.

Regula Weik

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