Randalierer vor Gericht

Am kommenden Donnerstag steht ein junger Zürcher vor dem Kreisgericht St. Gallen. Ihm wird vorgeworfen, vor einem Fussballspiel in der AFG Arena vermummt randaliert zu haben.

Claudia Schmid
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St. Gallen. Der Angeklagte muss sich am Donnerstag wegen Landfriedensbruchs, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie Widerhandlung gegen das Vermummungsverbot vor den Schranken verantworten. Er wurde am 28. Oktober 2009 vor dem Fussballspiel FC St. Gallen gegen GC festgenommen und am 30. Oktober nach einem Schnellverfahren mit einem Strafbescheid entlassen. Gegen diesen Strafbescheid legte er Einsprache ein, weshalb die Staatsanwaltschaft Anklage vor Gericht erhob.

Sicherheitszaun zerstört

Laut Anklageschrift wirft man dem knapp 20-Jährigen vor, auf dem Weg vom Extrazug ins Stadion mit anderen Chaoten einen Sicherheitszaun zerstört zu haben. Die Gruppe von rund 100 mehrheitlich vermummten Personen, in der sich auch der Angeschuldigte befand, warf Steine, Flaschen und Bierdosen gegen Polizeibeamte. Eine Polizistin wurde von einem Stein getroffen und verlor einen Zahn. Auch Verkehrssignale blieben vor den Chaoten nicht sicher.

Als sich der junge Mann etwas von der Gruppe entfernte, nahm ihn die Polizei fest. Gegen die Verhaftung soll er sich mit Fusstritten gewehrt haben. Wie es in der Anklageschrift heisst, ist der Angeklagte nicht geständig. Er sagte aus, er sei nicht an der Zerstörung des Sicherheitszaunes beteiligt gewesen. Eine Kapuze habe er zwar getragen, doch habe der Schal den Hals und nicht die ganze untere Gesichtshälfte bedeckt.

Schutz vor Pfefferspray

Auch Einwände des Verteidigers sind in der Anklageschrift vermerkt. So erklärte er, sein Mandant habe sich von der randalierenden Gruppe lösen wollen. Dabei sei er von der Polizei verhaftet worden. Den Schal habe er über das Gesicht gezogen, um sich vor Pfefferspray zu schützen, den die Polizei eingesetzt habe. Dieser Version widersprechen die Beamten.

Die Staatsanwaltschaft fordert eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 30 Franken und eine Busse von 900 Franken. Eine früher in Zürich per Strafbefehl bedingt ausgesprochene Geldstrafe sei zu bezahlen. Es handelt sich dabei um 600 Franken. Verlangt wird zudem, dass der Mann in den nächsten zwei Jahren keine wichtigen Fussball- und Eishockeyspiele besuchen darf.

Erstmals angeklagt

Vor dem Kreisgericht St. Gallen ist erstmals eine Widerhandlung gegen das Vermummungsverbot angeklagt. Zwar wurden laut Auskunft von Thomas Hansjakob, erster Staatsanwalt im Kanton, einige Strafbescheide ausgesprochen, doch kam es bisher noch zu keiner Anklage vor Gericht. Das Vermummungsverbot bei Kundgebungen, Sportanlässen und anderen Versammlungen ist im Kanton St. Gallen seit dem 1. Januar 2009 in Kraft. Es soll verhindern, dass Chaoten und Hooligans unerkannt Straftaten begehen können.