Raketen, Vulkane, Knallkörper: An diesem
1. August wird es in der Ostschweiz wieder mehr knallen als in den letzten Jahren

Nach zwei dürftigen Jahren befeuert die Corona-Pandemie das Geschäft mit Knallfröschen. Wenn das Wetter mitspielt, kann man sich somit auf einen farbenfrohen Nachthimmel am Nationalfeiertag freuen.

Henrike Hoppe, Remo Künzler
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Ostschweizer Feuerwerkshändler profitiert von den privaten Feiern.

Ostschweizer Feuerwerkshändler profitiert von den privaten Feiern.

Bild: Imago Images

Dieses Jahr wird wieder mehr Feuerwerk gekauft als die Jahre zuvor. Das vermutet zumindest Alain Stucki, Geschäftsleiter der Stucki AG in Wil, die Dekorationsartikel und Feuerwerk importiert und fabriziert. Das Wetter könnte für den Nationalfeiertag am Samstag wie gemacht sein für eine Grillfeier im Garten. Da darf das gemeinsame Zünden von Feuerwerkskörpern nicht fehlen.

Alain Stucki ist Geschäftsführer der Stucki AG in Wil.

Alain Stucki ist Geschäftsführer der Stucki AG in Wil.

Bild: PD

Gemäss Stucki kaufen gerade Privatpersonen dieses Jahr vermehrt Raketen, Vulkane und andere Kracher. Hoch im Kurs seien vor allem die Vulkane. «Wir haben neu einen Einhornvulkan im Sortiment, der bei den Kindern super ankommt», sagt Stucki. Vulkane würden die Zuschauer über längere Zeit unterhalten. «Nicht wie Raketen, wo das Spektakel nach wenigen Sekunden vorbei ist.» Zudem würden sie fast keinen Lärm verursachen.

Familienfeste statt Bundesfeiern

«Die Leute sind nicht in weit entfernte Feriendomizile gereist», sagt Stucki. Keiner würde Feuerwerk mit nach Italien an den Strand nehmen. Die Familien bleiben zu Hause, weshalb die ersten Verkaufstage positiv angelaufen seien. Dies, obwohl Grossunternehmen wegen der vielen Ausfälle von Veranstaltungen gar kein Feuerwerk gekauft haben.

Dasselbe beobachtet man auch bei «X-Feuerwerk» aus Oberuzwil. Martin Ebneter, Präsident des Feuerwerkverkaufs, bestätigt, dass die Nachfrage an Feuerwerkskörpern wieder gestiegen ist. Auch er sei sich sicher, dass dies mit abgesagten Partys, Ferien zu Hause und gutem Wetter zu tun hat. Alain Stucki bestätigt, dass der Verkauf von Feuerwerk 2018 aufgrund des verhängten Feuerwerksverbots extrem schwierig gewesen sei. Und auch 2019 seien die potenziellen Kunden eher an Open Airs gegangen oder hätten ihr Geld für Reisen ausgegeben.

Mit allfälligen Feuerwerksverboten rechnet der Geschäftsleiter nicht. «Ich hoffe es natürlich nicht. Bisher ist nur ein Feuerverbot im Wald und in Waldnähe im Aargau bekannt.» Zudem besteht im Kanton Thurgau wegen der Trockenheit gemäss Behördenangaben neu eine erhebliche Waldbrandgefahr. Die Behörden erhöhten die Gefahrenstufe auf das Level drei von fünf. Feuer und Feuerwerk seien jedoch zwei völlig verschiedene Sachen, sagt Stucki. Keiner würde im Wald sein Feuerwerk zünden. «Wir kämpfen ab und zu mit dieser Gleichsetzung. Man sollte lieber ein Grill- oder Zigarettenverbot durchsetzen», sagt Stucki.

«Viele Unfälle könnten vermieden werden» Seines Erachtens sei das Einhalten der Sicherheitsabstände viel wichtiger. «Auf jedem Produkt steht ein Sicherheitsabstand, der einzuhalten ist. Wahrscheinlich könnten 80 Prozent der Unfälle mit Feuerwerkskörpern vermieden werden, wenn man diese sicher positionieren würde.» Er ist sich sicher: «Wenn alle darauf Rücksicht nehmen, steht einem sicheren und gemütlichen 1.-August-Abend nichts im Weg.»

Migros streicht Feuerwerk, Coop nicht

Im vergangenen Jahr machte sich allerdings nicht nur wegen des Feuerwerkverbotes in der Branche ein Umdenken bemerkbar: Die Migros Ostschweiz hat Feuerwerksartikel gänzlich aus ihrem Sortiment gestrichen. Grund dafür ist einerseits die Belastung für die Umwelt. «Wir haben vermehrt Rückmeldungen von Kunden erhalten, die sich wegen des Klimaschutzes und des Lärms für Tiere Sorgen gemacht haben», sagte Andreas Bühler, Sprecher der Migros Ostschweiz, in dieser Zeitung (Ausgabe vom 5. Juli 2019).

Andererseits spielte für den Detailhändler die Planungssicherheit eine wichtige Rolle: «In den kommenden Jahren ist vermehrt mit sehr trockenen und heissen Sommermonaten wie 2018 zu rechnen», so Bühler damals. Es fehle schlichtweg die Sicherheit, das Feuerwerk verkaufen zu können. Anders sieht es bei der Konkurrenz aus. Coop verkauft nach wie vor Feuerwerk: «Wir verspüren eine hohe Nachfrage nach Feuerwerkskörpern», sagt Patrick Häfliger, Sprecher der Coop-Filialen.

Kleiner Exkurs zu Feuerwerk-Schmuggel

In den Tagen vor dem 1. August und Silvester stellt die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) jeweils fest, dass viel Feuerwerk über die Grenzen eingeführt wird. So führt die EZV immer wieder Schwerpunktkontrollen durch, um die Einfuhr von illegalen Feuerwerkskörpern zu verhindern.

Wer Feuerwerkskörper importieren möchte, benötigt grundsätzlich eine Einfuhrbewilligung vom Bundesamt für Polizei. Privatpersonen dürfen jedoch pyrotechnische Gegenstände zu Vergnügungszwecken bis zu einem Gesamtgewicht von 2,5 Kilogramm brutto pro Person ohne Bewilligung einführen, sofern die Feuerwerkskörper in der Schweiz erlaubt sind.

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mbr/sda