Raiffeisen: Erfolgreiche erste Jahreshälfte trotz Fall Vincenz

Der Gewinn der Raiffeisen betrug per 30. Juni 416 Millionen Franken. Damit liegt er wie schon letztes Jahr über der Schwelle von 400 Millionen Franken, wie die Raiffeisen-Gruppe am Mittwoch bekanntgegeben hat.

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Die Raiffeisen-Gruppe verzeichnete ein erfolgreiches erstes Halbjahr (Bild: Urs Bucher)

Die Raiffeisen-Gruppe verzeichnete ein erfolgreiches erstes Halbjahr (Bild: Urs Bucher)

(pd/bro) Zum ausgezeichneten Semesterausweis beigetragen hätten insbesondere die anhaltende Ertragsstärke im Kerngeschäft sowie die leicht rückläufige Kostenentwicklung, schreibt die Raiffeisen-Gruppe in einer Medienmitteilung.

Halbjahresgewinn von 416 Millionen Franken

Dennoch: Die ersten sechs Monate der Raiffeisen hätten nicht kontrastreicher sein können, heisst es weiter. Einerseits könne aufgrund des weiterhin erfolgreichen operativen Bankgeschäfts eine anhaltend positive Entwicklung im Kerngeschäft verzeichnet werden.

Demgegenüber stehe die öffentliche Debatte um Corporate-Governance-Themen von Raiffeisen Schweiz. Die Ertragsstärke im Kerngeschäft sowie die leicht rückläufige Kostenentwicklung führten zu einem hohen Geschäftserfolg von 517 Millionen Franken. Mit einem Halbjahresgewinn von 416 Millionen Franken konnte die 400-Millionen-Grenze wie bereits im ersten Semester 2017 erneut deutlich überschritten werden.

Fast durchgängig steigende Erträge

Der Geschäftsertrag der Raiffeisen-Gruppe liegt im Vergleich zur Vorjahresperiode fast unverändert bei 1636 Millionen Franken (plus 8 Millionen Franken oder plus 0,5 Prozent). Insbesondere die Erträge aus dem Zinsgeschäft um 17 Millionen auf 1138 Millionen Franken (plus 1,6 Prozent) sowie dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft um 10 Millionen auf 256 Millionen Franken (plus 3,9 Prozent) legten stark zu.

Kräftig angestiegen ist aufgrund der einmalig hohen Dividendenausschüttung der Aduno Holding AG auch der Beteiligungsertrag um 33 Millionen auf 53 Millionen Franken (plus 156,3 Prozent).

Rückläufig habe sich dagegen die Position «anderer ordentlicher Ertrag» um 50 Millionen auf 58 Millionen Franken (minus 46,6 Prozent) entwickelt. Dies sei darauf zurückzuführen, dass im Vorjahr markant höhere Beträge aus den Projekten zur Einführung des neuen Kernbankensystems über diese Position aktiviert worden sind. Als Folge dieser verminderten Investitionen sei auch der Geschäftsaufwand leicht gesunken – um 7 Millionen auf 1000 Millionen Franken (minus 0,7 Prozent). Höhere Aufwände mussten hingegen bei den Wertberichtigungen auf Beteiligungen verbucht werden.

Positive Entwicklung im Kredit- und Einlagengeschäft

Das kontinuierliche Wachstum des Geschäftsvolumens hat sich auch im ersten Halbjahr 2018 fortgesetzt. Mit einem Anstieg von 2,1 Prozent (plus 3,6 Milliarden Franken) wuchsen die Hypothekarforderungen über dem Markt. Bei den Kundeneinlagen wurde ein Anstieg von 0,9 Prozent (plus 1,5 Milliarden Franken) verzeichnet.

Vermehrt ist der Trend zu beobachten, dass Kunden Teile ihrer Kontoguthaben aufgrund der tiefen Verzinsung in Wertschriftenbestände umschichten. Der Netto-Neugeldzufluss beträgt in der Berichtsperiode 2,2 Milliarden Franken.

Gisel: «Raiffeisen gehört zu sichersten Bankinstituten»

«Die anhaltende Ertragsstärke und die positive Entwicklung im Hypothekargeschäft machen deutlich, dass die Raiffeisen Gruppe auch in diesem Jahr überaus erfolgreich wirtschaftet. Zum Erfolg beigetragen hat insbesondere der gute Geschäftsgang der 246 Raiffeisenbanken», betont Patrik Gisel, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz. «Obwohl das Geschäftsvolumen in den letzten fünf Jahren stetig gestiegen ist, haben sich die Wertberichtigungen für Ausfallrisiken in dieser Zeit laufend reduziert. Die Raiffeisen Gruppe gehört weiterhin zu den sichersten Bankinstituten der Schweiz», sagt er.

Nach Abschluss des Enforcementverfahrens der Finma und der Feststellung von Corporate-Governance-Mängeln bei Raiffeisen Schweiz in der Vergangenheit habe Moody's trotz weiterhin soliden Risikodaten das «Long-Term Deposit Rating» für Raiffeisen von «Aa2» auf «Aa3» und das «Senior Unsecured Dept Rating» von «A2» auf «A3» angepasst. Die Ratingagentur stuft damit die möglichen mittelfristigen Auswirkungen eines Reputationsschadens höher ein als die auch von Moody's attestierten unverändert guten Fundamentaldaten der Gruppe inklusive solider Kapital- und Liquiditätsausstattung.

Definitive TLAC-Anforderungen in Vernehmlassung

Die risikogewichtete Gesamtkapitalquote der Gruppe liegt per 30. Juni 2018 bei 16,9 Prozent. Die risikogewichtete Going-concern-Kapitalquote beträgt 16,6 Prozent. Für den Aufbau der zusätzlichen Gone-Concern-Anforderung wird gemäss Vernehmlassungsvorlage eine Übergangsfrist von sieben Jahren gewährt.

Dies bedeutete, dass die Raiffeisen Gruppe die neuen TLAC-Anforderungen ab 1. Januar 2026 vollumfänglich erfüllen muss. Raiffeisen geht davon aus, dass die zusätzlichen Anforderungen aus eigener Kraft und ohne ausserordentliche Mittelbeschaffung erfüllt werden können. Die Leverage Ratio übertrifft mit 7,0 Prozent bereits jetzt die zukünftigen ungewichteten TLAC-Anforderungen.

Seit dem 23. Februar 2018 laufe die Vernehmlassung zu den Änderungen der Eigenmittelverordnung zu den Gone-Concern-Anforderungen für die inländischen, systemrelevanten Banken. Die Änderungen sollen ab dem 1. Januar 2019 in Kraft treten.

«Ereignisreiche Phase» seit Affäre Vincenz

Seit der Eröffnung der Finma-Untersuchung und des Strafverfahrens gegen den ehemaligen Vorsitzenden der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz, Pierin Vincenz, durchlaufe die Raiffeisen-Gruppe eine «ereignisreiche Phase», teilt die Raiffeisen weiter mit.

Mit dem Abschluss des Enforcementverfahrens der Finma am 14. Juni anerkenne Raiffeisen Schweiz die in der Verfügung enthaltenen Verbesserungsmassnahmen. Die noch nicht umgesetzten Verbesserungen in der Corporate Governance würden zügig realisiert.

Rolf Walker und Thomas Rauber im Verwaltungsrat

Im Zuge der vorzeitigen Erneuerung des Verwaltungsrats von Raiffeisen Schweiz wurden an der Delegiertenversammlung vom vergangenen 16. Juni mit Rolf Walker und Thomas Rauber zwei neue Verwaltungsräte gewählt. An der ausserordentlichen Delegiertenversammlung vom kommenden 10. November ist die Wahl von mindestens vier neuen Verwaltungsratsmitgliedern sowie der neuen Verwaltungsratspräsidentin oder des neuen Verwaltungsratspräsidenten vorgesehen.

Des Weiteren hat sich Patrik Gisel am 18. Juli entschieden, seine Funktion als Vorsitzender der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz per Ende Jahr abzugeben und aus der Bankengruppe auszuscheiden. Die Suche nach einer neuen oder einem neuen Vorsitzenden der Geschäftsleitung läuft mit Hochdruck.

Aus makroökonomischer Sicht rechnet Raiffeisen Schweiz damit, dass das wirtschaftliche Umfeld stabil bleibt. Aufgrund der moderaten Inflation sehen sich die Notenbanken keinem Zugzwang ausgesetzt und treiben den Normalisierungsprozess der Zinsen nur sehr langsam voran. In der Schweiz dürfte sich daher das herausfordernde Tiefzinsumfeld ebenfalls nicht so schnell ändern. Der Druck auf die Zinsmargen wird folglich weiterhin anhalten.