Quittung für witzlosen Raub erhalten: 29-Jähriger wird nach Raub zu Haft verurteilt

Das Kreisgericht in Mels hat in seinem jüngsten Entscheid deutlich gemacht, dass es Selbstjustiz nicht hinnimmt. Eine angebliche Abreibung im Drogenmilieu qualifiziert es als Raub. Der Täter kassiert acht Monate Haft. Wieder mal.

Reinhold Meier
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«Es war kein Raub, sondern Rache», sagt der heute 29-jährige Täter.

«Es war kein Raub, sondern Rache», sagt der heute 29-jährige Täter.

Symbolbild: Mareycke Frehner

Die Geschichte wirkt wie ein drittklassig gespielter Ganovenfilm, ohne besondere Raffinesse. Zunächst locken ein paar Buben ihren Dealer per Telefon an den Bahnhof. Einer von ihnen, minderjährig, dringt derweil in die leer geglaubte Wohnung in Flums ein, um zu klauen. Doch der Eindringling wird von Kollegen des Dealers überrascht. Die machen kurzen Prozess, schlagen den Dieb und nehmen ihm seine Beute ab. Tags darauf folgt die «Rache». Die Laiendarsteller begeben sich im Schutz der Nacht erneut zum Dealer und dringen, effektvoll maskiert, in dessen Wohnung ein.

Sie schüchtern ihn mit einem herumliegenden Baseballschläger ein und zwingen ihn auf sein Sofa. Dann schnappen sie Geld und Gegenstände im Wert von 600 Franken. Nach dem Rückzug teilen sie die Beute auf. Angereist waren sie zuvor per Zug von Chur in Richtung Walensee, dies nachdem der Hauptbeschuldigte schmackhaft gemacht hatte, beim Opfer gebe es «was zu holen». Zwar hielt sich ihr Ertrag pro Kopf in dürftigen Grenzen und auch die Masken mochten kaum verbergen, wer sie trug. Doch es ging wohl eher ums Symbolische, landete doch der silberne Aluminium-Baseballschläger als Trophäe in der Wohnung des nun Angeklagten, wie die Polizei entdeckte.

«Bin heute ein neuer Mensch»

«Es war kein Raub, sondern Rache», legte der heute 29-Jährige an Schranken dar. Es könne doch nicht angehen, dass man seinen minderjährigen Freund schlage. «Ich fühlte mich für ihn verantwortlich.» Man habe nichts klauen wollen. «Nur was auf die Schnurre geben.» Er selbst habe kein Geld genommen, nur die Kollegen. «Verharmlosen bringt sie jetzt auch nicht wirklich weiter», entschlüpfte es da der Richterin. Ja, es sei ein Fehler gewesen, meinte er. Er bereue und habe sich aus der «Bahnhofsgang» verabschiedet. Nun sei er ein neuer Mensch. Im Blick auf die beantragten zehn Monate Haft bekundet er:

«Ich würde nicht verstehen, wenn man mich jetzt für etwas bestraft, das Jahre zurückliegt.»

Sein Verteidiger sah es ähnlich. Der Mandant habe nur ein Unrecht korrigieren wollen und sei kein Räuber. Natürlich gehe diese Art der Selbsthilfe nicht an, aber sie entspreche dem damaligen Denken seines Mandanten. Er sei ohne Baseballschläger gekommen, habe keinen Tatplan gehabt, keine Gewalt ausgeübt und nichts holen wollen. Heute habe er sein Leben im Griff, lebe in stabiler Beziehung und gehe geregelter Arbeit nach. Er plädierte auf Freispruch. «Eine Chance, den guten Weg zu stärken.»

Lange Liste langer Vorstrafen

Das Gericht folgte dennoch im Wesentlichen den Anträgen der Staatsanwaltschaft und verhängte acht Monate Haft unbedingt. Dies im Zusatz zu einem Urteil von 2018 über fünf Monate Haft. Der Raub sei unbestritten und eingestanden. Erschwerend fielen weitere Delikte ins Gewicht, wie etwa kleinere Diebstähle von Lebensmitteln und Elektrogeräten, sowie eine erstaunliche Liste von Vorstrafen. Schon als Jugendlicher führte der Täter in Graubünden eine Gang, verübte während mehr als einem Jahrzehnt zahlreiche einschlägige Delikte wie Raub sowie banden- und gewerbsmässigen Diebstahl, Drohungen und Drogendelikte. Dafür sass er bereits mehrfach und insgesamt mehrere Jahre im Knast. Boulevardmedien nannten ihn denn auch den «Schreck von Thusis». Entlastend sei, dass er im aktuellen Fall einer Hofladenbesitzerin die geklauten Lebensmittel ersetzt habe, 84 Franken.

In einem abgetrennten Verfahren wurde einer der Mittäter, Anfang 20, wie beantragt, zu einer bedingten Haftstrafe von zehn Monaten verurteilt, bei drei Jahren Probezeit. Er hatte sich durchwegs geständig gezeigt und seit dem besagten Raub keine weiteren Delikte mehr begangen. Gegen zwei minderjährige Mittäter haben die Jugendstaatsanwaltschaften St. Gallen und Graubünden Verfahren nach Jugendstrafrecht geführt.