Prügelnde FCSG-Chaoten in Kesswil: Thurbo erstattet Anzeige

Am Wochenende sind St.Galler und Aarauer Fussballfans in einem Zug und am Bahnhof Kesswil aneinander geraten. Jetzt werden nach und nach mehr Details zum Gewaltvorfall bekannt.

Rossella Blattmann
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Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Fans des FCSG und des FC Aarau. (Symbolbild: Urs Bucher)

Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Fans des FCSG und des FC Aarau. (Symbolbild: Urs Bucher)

Hooligans randalieren nicht nur in Zürich. Jetzt sind sie auch im Oberthurgau unterwegs. Zum Beispiel in Kesswil.

Am Samstag fand in Amriswil um 16.30 Uhr das Cupspiel zwischen dem FC Amriswil und dem FC Aarau statt. Bereits vor dem Spiel kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Fans des Gästeteams und Anhänger des an diesem Tag spielfreien FC St.Gallen:

Wie ein 18-jähriger Passagier nun gegenüber «20 Minuten» berichtet, stieg er um 15.30 Uhr in Münsterlingen-Scherzingen in den Zug. Dort hätten ihm alkoholisierte Aarau-Fans zu verstehen gegeben, dass er sich nicht ins hintere Abteil setzen dürfe. «Sie waren laut, tranken Bier, beklebten den Zug. Wie Hooligans eben so sind», sagt er.

«Los!»

Als der Zug im Bahnhof Kesswil hielt, hätten auf einmal FCSG-Fans mit grünweissen Sturmhauben den Zug gestürmt. «Darauf riefen die Aarauer-Fans 'Los!'», sagt der 18-Jährige. «Die Aarauer und St.Galler-Fans rannten einander nach, teils mit Metallstangen in der Hand.» Um sicher aus dem Zug steigen zu können, habe ein Passagier die Notbremse gezogen.

Der Lokführer des Thurbos habe daraufhin sogar die Türen verriegelt. Niemand konnte mehr ein- oder aussteigen. «Ein Teil der Aarauer Hooligans war aber noch immer im Zug», sagt der 18-Jährige. «Es herrschte aufgelöste, unruhige Stimmung. Viele hatten Angst, eine Frau neben mir brach in Tränen aus.» Einer der Hooligans habe einem verängstigten Kleinkind über den Kopf gestreichelt und es mit den Worten «Das wird alles gut» getröstet.

Wenig Hooligans im Thurgau

Die Kantonspolizei Thurgau hat Kenntnis vom Vorfall und kam auch zum Einsatz. «Wir haben am Samstag eine Meldung erhalten, dass es im Bahnhof Kesswil zu Auseinandersetzungen zwischen Fans des FC Aarau und des FC St.Gallen gekommen ist», sagt Daniel Meili, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, auf Anfrage von «Tagblatt Online». «Wir waren innert fünf Minuten vor Ort.» Als die Polizisten am Bahnhof Kesswil eintrafen, habe sich die Lage jedoch wieder beruhigt. «Die Angreifer waren bereits weg», sagt Meili.

Streitereien zwischen alkoholisierten und gewalttätigen Hooligans kommen im Thurgau nicht oft vor, sagt Kapo-Sprecher Meili. «Solche Auseinandersetzungen sind hier eine absolute Seltenheit. Da es im Thurgau keine Klubs in den Top-Ligen gibt, haben wir hier auch wenig mit Hooligans zu tun.»

Anzeige gegen Unbekannt

Auch bei der Thurbo AG ist der Fall bekannt. Werner Fritschi, stellvertretender Geschäftsführer und Mediensprecher der Thurbo AG, bestätigt den Vorfall auf Anfrage von «Tagblatt Online». «Eine S8 war betroffen.» Wegen des Zwischenfalls sei es auf der Linie zu 12 Minuten Verspätung gekommen. Andere Züge seien wegen der Auseinandersetzungen nicht ausgefallen. Dennoch: «Wir haben Anzeige gegen Unbekannt erstattet», sagt Fritschi weiter. Über weitere Aktivitäten nach dem Vorfall ist der Thurbo AG am Donnerstag bisher nichts bekannt.

Bei Auswärtsspielen werden Fan-Extrazüge durch die SBB organisiert. «Wir von der Thurbo sind lediglich Zubringer bei Heimspielen im normalen Regelverkehr», sagt Fritschi. Im Kesswiler Fall hätten sich Fans des FC Aarau als kleine Gruppe in einem Thurbo-Zug befunden. «Insofern war das Cupspiel zwischen dem FC Aarau und Amriswil ein Einzelfall, und auch dass auswärtige Fan-Gruppen in einem Thurbo-Zug sitzen. Im Regelfall sind diese nicht mit uns unterwegs.» Die Verantwortlichen bedauern, dass es zu diesem Vorfall gekommen sei.

Fanarbeit St.Gallen ist informiert

«Wir haben aus den Medien von diesem Vorfall erfahren und keine Kenntnisse über Involvierte, Absichten oder den weiteren Verlauf», sagt Thomas Weber, Sozialarbeiter und Stellenleiter der Fanarbeit St.Gallen. Deshalb könne er die Ereignisse nicht in einem grösseren Zusammenhang bewerten.

«Wir werden dieses Ereignis nun intern mit unseren Ansprechpersonen aufarbeiten», sagt Weber. Zum aktuellen Zeitpunkt könne die Fanarbeit St.Gallen daher keine weiteren Aussagen zum Vorfall in Kesswil machen.