PROZESS: Von Raub und Diebstahl gelebt

Sie haben Autos, Geld, Zigaretten gestohlen, manchmal auch nur Nussgipfel und Pommes frites. Seit Montag stehen die sechs jungen Männern in Mels vor Gericht.

Reinhold Meier
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Reinhold Meier

ostschweiz@tagblatt.ch

Die Anklage wirft den damals 20- bis 30-jährigen Männern vor, vom Diebstahl regelrecht gelebt zu haben. In hoher Kadenz hätten sie gemeinsam, in wechselnder Zahl und mit weiteren Beteilig-ten in Tankstellen, Läden, Vereinsheime, Garagen, Gemeindeverwaltungen und Industriegebäude eingebrochen und dort Beute gemacht, namentlich im Werdenberg, Sarganserland und in Liechtenstein. Bei vier der sechs Beschuldigten steht zudem der Vorwurf des bandenmässigen Raubes im Raum, beim mutmasslichen Haupttäter sogar gleich mehrfach.

Er soll für den bewaffneten Raubüberfall auf eine Tankstelle in Haag verantwortlich sein, bei dem zwei Frauen mit vorgehaltener Pistole dazu gezwungen wurden, 3057 Franken auszuhändigen. An einer Tankstelle in Balzers soll er in gleicher Weise vorgegangen und eine Angestellte mit der Waffe zur Herausgabe von 2257 Franken genötigt zu haben. Als Filialleiter in einem Basler Elektronikshop hat er zudem rund 37000 Franken veruntreut, namentlich durch die Entwendung von über 1000 Handys und Dutzenden Computern, so die Anklage weiter. Bei einem dritten Überfall in Trübbach wurde er dank aufmerksamer Zeugen schliesslich geschnappt. Seine Deliktsumme beträgt über 85000 Franken.

Weitere Überfälle geplant

Sein Kompagnon soll hingegen fast zwei Dutzend Einbruchdiebstähle auf dem Kerbholz und dabei fast 30000 Franken erbeutet haben, in Bad Ragaz, Sargans, Wartau, Balzers und Triesen. Nicht einmal der Kiosk der Vaduzer Minigolfanlage war vor ihm sicher. Der Sachschaden beläuft sich auf fast die gleiche Summe. Bei beiden schlagen zudem strafbare Vorbereitungen zu weiteren Raubüberfällen, Vergehen gegen das Waffengesetz und zahlreiche Strassenverkehrsdelikte zu Buche. Namentlich eine Bank in Azmoos, ein Laden in Bad Ragaz und eine Bar in Sargans sowie Clubs in Liechtenstein und eine Firma in Sevelen waren konkret ins Visier für weitere Raubüberfälle geraten. Ferner fuhren die beiden mehrfach mit geklauten Töffs oder Autos, mit entwendeten Kontrollschildern, ohne Ausweis und Versicherung, durch die Gegend. Hinzu kommen bei mehreren Angeklagten Vorwürfe wegen Hehlerei, Siegelbruch und Drogendelikten.

Die Anklage fordert für den mutmasslichen Hauptangeklagten sechseinhalb Jahre Gefängnis, für seinen Kompagnon viereinhalb Jahre. Für ihre beiden Mitläufer stehen zwei Jahre Knast, bedingt auf vier Jahre, im Raum. Jenen beiden weiteren Angeklagten, die nicht in die Raubüberfälle verwickelt waren, drohen hingegen vier Jahre Haft respektive eine Geldstrafe in fünfstelliger Höhe. Der «aktivere» dieser beiden hatte binnen zwei Jahren rund 24000 Franken erbeutet und dabei einen Sachschaden in ähnlicher Höhe angerichtet.

Den Opfern blieb nur der Sachschaden

Nebst Geldbeträgen fielen ihm dabei auch Lebensmittel, Zigaretten und Getränke oder auch mal gar nichts in die Hände, sodass den Opfern nur der Sachschaden blieb. Aus einem Vereinsheim zog er mit zehn Nussgipfeln, fünf Kilogramm Pommes frites und drei Flaschen Kaffeerahm ab, bei einem Sachschaden von 500 Franken. Bei allen Beschuldigten handelt es sich um Einheimische: drei gebürtige Schweizer sowie drei Niedergelassene mit C-Bewilligung, die ebenfalls alle in der Schweiz geboren sind. Der Prozess wird heute Mittwoch fortgesetzt.