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PROZESS: Tödliche Tritte in den Bauch

Das Bezirksgericht Frauenfeld hat einen knapp 51-jährigen Mann zu neun Jahren Haft verurteilt. Der Mann hatte seine erwachsene Tochter zu Tode getrampelt, um sie von einem Dämon zu befreien.

Neun Jahre Freiheitsentzug wegen eventualvorsätzlicher Tötung hat das Bezirksgericht Frauenfeld gestern gegen einen knapp 51-jährigen Mann ausgesprochen, der seine erwachsene Tochter brutal zu Tode getrampelt hat. Er wollte sie von einem Dämon befreien.

Für das Gericht lag ein klarer Fall von Eventualvorsatz vor. Bei der schweren Misshandlung des Opfers habe der Beschuldigte mit dessen Tod rechnen müssen. Er habe dies in Kauf genommen. Von den Anklagepunkten Schändung und Störung des Totenfriedens sprach das Gericht den Mann frei. Es nahm – zu seinen Gunsten – an, erstens habe er tatsächlich geglaubt, mit einer sexuellen Handlung die sterbende junge Frau wiederbeleben zu können. Und zweitens dürfte sie noch gelebt haben, als er ihr ein Holzstück zwischen die Zähne drückte. Ebenfalls zu Gunsten des Mannes wertete das Gericht eine gutachterlich festgestellte leichte Einschränkung der Schuldfähigkeit. Dass der Beschuldigte in Deutschland sechsmal vorbestraft ist – fünfmal wegen Drogendelikten, einmal wegen Körperverletzung –, fiel negativ ins Gewicht. Damals hatte er seine pflegebedürftige Mutter zusammengeschlagen.

Täter war in der Mittelalterszene aktiv

Der Mutter und dem Halbbruder des Opfers hat er Genugtuungs- und Schadenersatzzahlungen in Höhe von insgesamt rund 70000 Franken zu zahlen. Zudem muss er die Untersuchungs- und Verfahrenskosten sowie die Gerichtskosten tragen – total gut 80000 Franken.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger kündigte an, er werde auf jeden Fall Berufung anmelden. Er hatte eine dreijährige Freiheitsstrafe wegen fahrlässiger Tötung gefordert. Der Staatsanwalt will die schriftliche Urteilsbegründung abwarten. Der Schuldspruch erfolgte zwar antragsgemäss, er hatte aber eine deutlich höhere Strafe von 14 Jahren gefordert.

Die Urteilseröffnung verfolgte der Beschuldigte – wie schon die ganztägige Verhandlung – äusserlich völlig unbewegt. Auf Vorschlag des Rechtsvertreters der Angehörigen erklärte er absolut emotionslos, er bedaure, was passiert sei. Auf das ihm zustehende Schlusswort verzichtete er. Zur Tat war es am 2. Januar 2016 in der Wohnung eines Bekannten im Wagenhausen gekommen. Der Beschuldigte und seine 25-jährige Tochter – beide Deutsche – verbrachten dort den Jahreswechsel. Vater und Tochter hatten sich erst zweieinhalb Jahre zuvor kennen gelernt. Alle drei waren in der Mittelalterszene aktiv.

Während der Abwesenheit des Wohnungsinhabers kam es zu der Tat. Um einen Dämon auszutreiben, nahm der Vater bei der geistig behinderten, kleinwüchsigen und sehr zart gebauten Frau nach eigenen Angaben eine Massage vor. Laut Gerichtspräsident Rudolf Fuchs handelte es sich aber in Wirklichkeit um reine Misshandlung. Mit seinem vollem Gewicht trampelte der Mann auf dem Körper der am Boden liegenden Tochter herum und trat sie «mit höchster Gewalt» von oben in den Bauch. Auf Videos, die das Gericht zeigte, demonstrierte der Beschuldigte dies in einer Tatrekonstruktion für die Ermittler.

Nachdem die Tochter zusammengebrochen war, holte er keine Hilfe. «In seiner Selbstüberschätzung» sei er überzeugt gewesen, das Opfer reanimieren zu können, sagte Gerichtspräsident Fuchs. Der Beschuldigte befindet sich seit der Tat in Haft. Er hat bereits den vorzeitigen Strafvollzug angetreten. (sda)

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