PROZESS: Stalker vor Gericht

War es Nötigung oder Fürsorge? Der Umgang mit seiner Ex-Freundin brachte einen 49-Jährigen vor das Kantonsgericht.

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Das Ende der Beziehung war der Anfang der Probleme. Deshalb stand ein 49-jähriger IV-Rentner am Freitag vor dem Kantonsgericht, beschuldigt unter anderem der schweren versuchten Körperverletzung. Das mutmassliche Opfer empfand den Kontakt mit ihrem Ex-Freund als ein über Monate andauerndes Stalking. Er kontaktierte sie in der eigenen Wohnung, auf der Strasse, per Mail, Telefon und Post, mit Geschenken und Beleidigungen, persönlich bei Freunden und Verwandten, bei ihrem Arzt. Der mutmassliche Täter habe sie nicht nur beschimpft und bedroht, er habe sie auch verfolgt, ihre Wohnung widerrechtlich betreten, sie tätlich angegriffen und versucht, sie mit dem Auto anzufahren. Trotz eines Rayon- und Kontaktverbots habe er sie weiterbelästigt.

Gerichtssaal frühzeitig verlassen

Aus der Sicht des Beschuldigten sei die wiederholte Kontaktaufnahme fürsorglich gemeint gewesen, wenn auch teilweise getrieben von Wut, Schmerz und Enttäuschung. Das meint jedenfalls sein Verteidiger, denn vor dem Kantonsgericht will sich der Beschuldigte nicht äussern. Er wünscht auch, frühzeitig den Gerichtssaal verlassen zu können. «Um eine Eskalation zu vermeiden», gewährt ihm das Gericht eine solche Ausnahme.

Allerdings hilft ihm das nicht. Weil er an der Verhandlung vor Kantonsgericht nichts Neues aussagen wollte, kann sich das Gericht fast nur auf die bestehenden Akten stützen. Dabei hatte er selber gegen einen Entscheid des St. Galler Kreisgerichts rekurriert. Dieses hatte ihn im November 2016 zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten, zu einer bedingten Geldstrafe und zu einer Busse verurteilt. Der Beschuldigte verlangt einen Freispruch und eine Aufhebung des fünfjährigen Kontaktverbots. Das Urteil des Kantonsgerichts wird schriftlich eröffnet. (sib)