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PROZESS: Spielsüchtiger greift in Amtskasse

Ein Amtskassenleiter veruntreute wegen seiner Spielsucht mindestens 121500 Euro. Nun hat ihn das Landesgericht Feldkirch zur Rückzahlung verurteilt.
Ostschweiz@tagblatt.ch
Bild: Benjamin Manser

Bild: Benjamin Manser

Vier Jahre lang manipulierte ein heute 51-Jähriger diverse Konten und niemand merkte etwas. Der Mann war jahrelang Amtskassenleiter in Dornbirn. Dass er spielsüchtig war, wusste sein Umfeld nicht, und er selbst unterschätzte das Problem.

«Meine Vorgesetzten hatten keine Ahnung, die kennen sich vielleicht in Rechtssachen gut aus, aber da – keine Chance», sagte er in der Verhandlung vor dem Landesgericht Feldkirch. Sie alle hätten sich immer sehr korrekt verhalten. Als der Landesbedienstete realisierte, wie tief er in dem ganzen Schlamassel steckte, war es zu spät. «Man handelt total irrational, irrt herum wie in einem Nebel», erinnert er sich. Jetzt macht er eine Therapie gegen Spielsucht, 90 Stunden sind vorerst geplant.

Spielbank und Internet

200 Mal war der Amtskassenleiter persönlich im Casino. Aber auch Internetspiele hatten für ihn ihren Reiz. Einen Drang zu spielen habe er immer schon gespürt, doch lange habe er diesen im Griff gehabt und sich deshalb keine Sorgen gemacht. Als er sich allerdings einer Herzoperation unterziehen musste und sein Leben am seidenen Faden hing, habe er jegliche Kontrolle verloren. Wenig später sei seine Mutter schwer erkrankt. Auch das habe ihn enorm viel Kraft gekostet, so der Angeklagte. Anfangs habe er sich eingeredet, die Rückstände ausgleichen zu können, doch der Schaden wurde immer grösser. Das Spielen brachte keine Verbesserung der Finanzlage. Insgesamt veruntreute der Mann mindestens 121500 Euro. Heute hat er 23000 Euro Schulden, keinen Job und lebt von der Notstandshilfe.

Bedingte Haftstrafe

«Zum Thema Schuld ist nicht viel zu sagen», räumt der Staatsanwalt ein und konzentriert sich bei seinem Plädoyer auf die Strafzumessung. «Die Veruntreuung ist nur durch Zufall aufgeflogen und der Beschuldigte war immerhin Leiter der Amtskasse», so der Staatsanwalt. Den Schaden will der Angeklagte gutmachen und muss das gemäss dem Urteil auch. Dass dies im Alter von 51 Jahren und mit einer 80-prozentigen Behinderung nicht einfach wird, weiss der Angeklagte. Der Bregenzer wird zu 18 Monaten bedingter Haft verurteilt und angewiesen, seine Therapie fortzusetzen. Ausserdem bekommt er einen Bewährungshelfer. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Christiane Eckert

ostschweiz@tagblatt.ch

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