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PROZESS: Mann streitet Todesdrohung ab

Ein Tunesier wehrt sich vor dem St. Galler Kantonsgericht gegen den Vorwurf, er habe Ex-Frau und Töchter mit dem Tod bedroht. Die Vorinstanz hatte ihn zu einem Jahr Haft verurteilt und ihn des Landes verwiesen.
Claudia Schmid

Claudia Schmid

ostschweiz@tagblatt.ch

Ein 56-jähriger Tunesier soll seine Töchter und deren Mutter regelmässig drangsaliert haben: Nun beschäftigte der Fall das St. Galler Kantonsgericht. Noch während der Beschuldigte verheiratet war, errichteten die Behörden im Rahmen eines Eheschutzverfahrens für die beiden Töchter eine Beistandschaft. Dies war im Jahre 2011. Fünf Jahre später wurde die Ehe geschieden. Der Mann und die Frau blieben im gleichen Mehrfamilienhaus, lebten jedoch in getrennten Wohnungen. Dies führte laut Anklageschrift immer wieder zu Problemen.

Das Kantonsgericht St. Gallen befragte an der Berufungsverhandlung nicht nur den Beschuldigten, sondern auch die Beiständin und die Ex-Frau. Sie habe die Beistandschaft von Anfang an als sehr intensiv erlebt, berichtete die Sozialarbeiterin. In einem der Telefonate habe der Mann gesagt, er könne das Verhalten seiner Ex-Frau nicht tolerieren. Sie sei ein schlechtes Vorbild für seine Töchter. In einem anderen Gespräch habe er gesagt, er lösche alle aus.

«Vor Fremden als Prostituierte bezeichnet»

Die Ex-Frau erzählte, dass sie von ihrem Ehemann vor Fremden als Schlampe bezeichnet worden sei, mit denen sie gegen Bezahlung Sex haben könnten. Im März 2017 habe sie ihre Töchter zum Schulhaus begleitet. Nachdem sie sich von ihnen verabschiedet habe, sei sie von lauten Schreien aufgeschreckt worden. Ihr Ex-Mann habe den Mädchen abgepasst und ihnen laut Vorwürfe gemacht. Konkret habe er ihnen vorgeworfen, dass sie im Auto des Freundes ihrer Mutter mitgefahren seien. Dann habe er gedroht, er werde eine Pistole kaufen und sie alle töten. Sie und ihre Töchter hätten noch heute Angst vor dem Beschuldigten.

Der Beschuldigte wies die Vorwürfe zurück. Die Wahrheit sei, dass ihn die Töchter gebeten hätten, er solle dafür sorgen, dass sich ihre Mutter nicht so oft mit ihrem Freund treffe. Sie hätten den Mann nicht akzeptiert. Die Beiständin habe wohl seine Worte falsch verstanden. Er liebe seine Kinder und würde ihnen niemals etwas antun, betonte er. Für ihn sei es eine Katastrophe, wenn er – wie vom Kreisgericht St. Gallen angeordnet – die Schweiz verlassen müsse. Er lebe seit 19 Jahren hier. Er würde in seiner alten Heimat ohne Arbeit und ohne Dach über dem Kopf auf der Strasse stehen.

Freiheitsstrafe bereits abgesessen

Die Verteidigerin verlangte einen Freispruch von den Anklagen der Verleumdung und der Drohung in einem Fall. Er sei wegen Drohung und Beschimpfung zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten zu verurteilen. Es sei eine ambulante Massnahme anzuordnen und die Aufhebung der dreijährigen Landesverweisung. Für die drei Monate Überhaft sei ihrem Mandanten eine Entschädigung zu entrichten. Der Mann befindet sich bereits seit zwölf Monaten im Gefängnis und hat somit die von der Vorinstanz ausgesprochene Freiheitsstrafe abgesessen. Die Drohung im Gespräch mit der Beiständin sei nicht bewiesen, da die Sozialarbeiterin sich nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnere. Eine Landesverweisung treffe ihren Mandanten unangemessen hart.

Die Staatsanwältin beantragte eine vollumfängliche Abweisung der Berufung. Ein Gutachten komme zum Schluss, dass die Gefahr bestehe, dass der Mann seine Drohungen gegenüber Exfrau und Töchtern wahr mache. Die Frau habe mehr als einmal Schutz im Frauenhaus gesucht. Der Beschuldigte brauche eine stationäre Massnahme, um seine psychischen Probleme angehen zu können. Eine Landesverweisung sei nicht unzumutbar, da er Familie in Tunesien habe. Auch hier in der Schweiz unterhalte er vor allem Kontakte zu Leuten aus arabischem Raum. Das Urteil des Kantonsgerichts wird in nächsten Tagen schriftlich erwartet.

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