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PROZESS: Hitlergruss am Busbahnhof

Ein 22-jähriger Neonazi musste sich wegen rechtsradikaler Äusserungen in Feldkirch vor Gericht verantworten.
Christiane Eckert

«In Buchenwald, in Buchenwald, da machen wir die Juden kalt» – das ist nur eine der Liedtextpassagen, die sich der heute 22-jährige Dornbirner anhörte. Auf seinem Handy sind etliche derartige Lieder gespeichert. Allein oder gemeinsam hörte er im Kollegenkreis Lieder mit rechtsradikalen Inhalten. «Zillertaler Türkenjäger», «Polackentango» oder die mittlerweile verbotene deutsche Rockgruppe Landser ergänzen das rechtsradikale Repertoire.

Am Busbahnhof Dornbirn sorgte der junge Mann ebenfalls für Aufsehen, als er mit Bomberjacke, Glatze und Springerstiefeln den Hitlergruss mit rechter Faust auf dem Herzen machte. Ein Aufnäher mit deutschem Reichsadler und dem Ausspruch «Das Reich kommt wieder» zierte die schwarze Jacke. Ein anderes Mal begrüsste der bislang Unbescholtene einen Kumpel, der mittlerweile ebenfalls nach dem Verbotsgesetz verurteilt wurde, mit «Heil Hitler». Tatort war wieder der Busbahnhof, rund 25 Personen wurden Zeuge. «Ich war immer unter Alkohol und Cannabis», sagte der Angeklagte vor dem Schwurgericht Feldkirch.

Offenbar schwärmte der junge Mann auch von seinem Grossvater, dessen SS-Sturmführer­uniform er sorgsam aufbewahrte. «Hitler hat auch gute Sachen gemacht, beispielsweise Autobahnen gebaut», sagt er auch heute noch. Das mit dem Massenmord sei allerdings nicht gut gewesen, räumt er ein. «Ich respektiere Ausländer, aber reden würde ich nie mit einem», hatte der Neonazi der Polizei erklärt. Heute habe er sich distanziert von all dem.

«Die aus der rechten Szene haben zu mir gehalten»

Warum er einst zu dieser Gruppierung stiess, erläutert der Mann so: «Ich wurde in der Firma gemobbt, und da waren die aus der rechten Szene, die haben zu mir gehalten. Ich habe mich wohlgefühlt und wollte auch dazugehören.» Er gesteht vor den Richtern, sich mit der Bomberjacke «wie der Boss» gefühlt zu haben. Sein Verteidiger betont, dass bei seinem Mandanten eine kognitive Schwäche vorliege – diese Intelligenzminderung wird später bei der Urteilsfindung berücksichtigt. Die Zigarettenschachtel mit dem Hakenkreuz habe er sich aus Langweile gebastelt. «Und was tun Sie heute, wenn Ihnen langweilig ist?», will die Vorsitzende des Schwurgerichtes wissen. «Ich meditiere, jetzt bin ich im Gleichgewicht», sagt der junge Dornbirner.

Selbst der Staatsanwalt ist in diesem Fall überzeugt, dass der 22-Jährige vor zwei Jahren hauptsächlich aus Orientierungslosigkeit Anschluss suchte: «Das ist keine Entschuldigung, aber eine Erklärung.» Der Schuldspruch in allen zehn Anklagepunkten führt zu 960 Euro unbedingter Geldstrafe, weitere 960 Euro gibt es auf Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Christiane Eckert

ostschweiz@tagblatt.ch

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