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PROZESS: Hells Angel vor Gericht

Ein St. Margrether Mitglied der Rockergruppe soll in Lustenau einen Türsteher mit einem Messer attackiert haben.

Im März 2016 gab es in der Lustenauer Discothek «Sender» eine Schlägerei, die dermassen ausuferte, dass sogar die Spezialeinheit Cobra gerufen wurde. Kürzlich waren fünf Gäste – Mitglieder der Hells Angels oder der Rockergruppe Nahestehende – vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen worden. Mittlerweile sind die Urteile rechtskräftig. Das Problem für das Gericht war: Es gab keine eindeutigen Beweise.

Gestern stand ein 31-jähriger Mann, der in St. Margrethen wohnt, wegen Mordversuchs vor Gericht. Das Mitglied der Schweizer Hells Angels «Riverside» soll dem 48-jährigen Türsteher mindestens vier Mal ein Messer in den Körper gerammt haben. Doch das Beweisverfahren läuft ähnlich wie im Verfahren wegen schwerer Körperverletzung. «Vergessen, lange her, weiss nicht mehr genau, es war so dunkel ...» ist fast bei allen Zeugen zu hören. Schien bei der Polizei noch einiges ganz klar zu sein, können die meisten der Zeugen vor Gericht kaum mehr konkrete Einzelheiten wiedergeben. «Mein Mandant hat das Opfer nie mit einem Messer attackiert», behauptet der Verteidiger, der von einer Verwechslung ausgeht. «Die sehen alle ähnlich aus – kräftige Typen, muskulös, kurze Haare.» Er will die Zeugen nicht als Lügner sehen, sondern darlegen, dass irren menschlich ist. Viel Handfestes liegt nach sechs Stunden Verhandlung nicht vor. Mehrmals werden die Zeugen belehrt, dass eine Falschaussage strafbar ist. Bislang hat jedoch niemand gesehen, wie der Mann, der in der Schweiz als Facharbeiter 4000 Franken verdient, zugestochen hat.

«Der grösste Fehler seines Lebens»

Dass er das am Boden liegende Klappmesser mit acht Zentimeter langer Klinge vom Boden aufnahm und draussen vor dem Lokal wegwarf, sei dumm gewesen, sagt der Angeklagte. «Das war der grösste Fehler seines Lebens», so die Verteidigung. Denn jetzt sei logischerweise die DNA seines Mandanten auf der Waffe. Der Mann sei im Stress gewesen und habe nicht gewollt, dass möglicherweise ein Freund Probleme bekomme. Dass er sich nicht um das blutende Opfer ­gekümmert habe, sei ebenfalls falsch gewesen. Das alles sei aber noch kein Mordversuch.

Heute sind drei Gerichtsmediziner als Sachverständige geladen. Sie sollen zu den Spuren und den Verletzungen Auskunft geben. Wie es kommt, dass ausschliesslich biologisches Material von Opfer und Angeklagtem auf dem Messer ist, kann sich der Beschuldigte nicht erklären. Wenn keine weiteren Beweisanträge kommen, könnte es heute ein Urteil geben. Die Verteidigung plädiert auf Freispruch.

Christiane Eckert

ostschweiz@tagblatt.ch

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