PROZESS: Gewalt gegen Lebenspartnerinnen

Das Obergericht bestätigte das Urteil des Bezirksgerichts Münchwilen, das einen 30-Jährigen zu 8 Jahren Gefängnis beziehungsweise einer stationären Massnahme verurteilt hatte.

Drucken
Teilen

Die wenige Monate mit dem Angeklagten verheiratete Ehefrau erstattete Anfang 2015 Anzeige gegen ihn. Sie machte geltend, er habe sie geschlagen, getreten, teils bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und mit dem Tod bedroht. Auch habe er sie gezwungen, Geld von den Konten ihrer Kinder abzuheben.

Im Verlauf der Strafuntersuchung konnten die Untersuchungsbehörden drei frühere Freundinnen des Angeklagten ausfindig machen; sie hätten gleiche oder ähnliche, teils gravierendere Gewaltexzesse, insbesondere sexueller Natur (Vergewaltigung, Schändung, sexuelle Nötigung), erlebt. Der Angeklagte habe sie terrorisiert und von ihrem früheren Umfeld isoliert. Der Beschuldigte gab lediglich ­einige wenige Übergriffe zu und bestritt die meisten Vorwürfe.

Angeklagter spricht von einer Verschwörung

Der Mann machte geltend, die vier Lebenspartnerinnen hätten sich untereinander abgesprochen und sich gegen ihn verschworen. Seine Ex-Frau habe Geld ihrer Kinder veruntreut und wolle dies nun ihm in die Schuhe schieben. Die Ex-Freundinnen würden ihn zu Unrecht als Monster, Vergewaltiger und Psychopathen darstellen. Man habe ihn wegen seiner Tätowierungen und seines muskulösen Körperbaus vorverurteilt. Vorinstanz und Obergericht folgten indessen grösstenteils den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Die Aussagen des Beschuldigten und seiner Familie sind wenig überzeugend. Oft konnte der Angeklagte konkrete Ereignisse nicht plausibel erklären. Die Aussagen der mehrmals befragten Partnerinnen dagegen erwiesen sich als glaubhaft.

Wie das Thurgauer Obergericht mitteilt, war es der Ansicht, dass die Verschwörungstheorie jeder Grundlage entbehrte. Die bewusste Falschaussage (Lüge) sei deutlich anspruchsvoller als die Aussage über tatsächlich Erlebtes. Falschaussagen über das gesamte Strafverfahren hinweg hätten eine einlässliche Planung und Koordination unter den vier Frauen vorausgesetzt. Zu solchen intellektuellen Leistungen seien sie aber offensichtlich nicht fähig. Zudem hätte die Zeit, seit der sie sich kannten, für eine derart ausgeklügelte Absprache nie ausgereicht. Ferner gab es weitere Beweise wie Fotos von Verletzungen, Berichte von Ärzten und Psychotherapeuten sowie Zeugenaussagen.

Genugtuung für die Opfer

Folglich wies das Obergericht die Berufung des Angeklagten ab. Es schützte hingegen jene der Ex-Frau teilweise, die eine höhere als die von der Vorinstanz zugesprochene Genugtuung von 5000 Franken verlangte. Wegen versuchter schwerer Körperverletzung, Vergewaltigung, Schändung, sexueller Nötigung, Gefährdung des Lebens, Nötigung, Drohung, einfacher Körperverletzung (alles mehrfach begangen), Tätlichkeiten, Erpressung, grober Verkehrsregelverletzung und unerlaubten Waffenbesitzes verurteilte das Thurgauer Obergericht den Angeklagten zu 8 Jahren Freiheitsstrafe und ordnete eine stationäre Massnahme an.

Ferner muss der Angeklagte an drei der vier Opfer Genugtuungen von 40000, 30000 und 15000 Franken bezahlen. Den Kindern wurde 48000 Franken Schadenersatz zugesprochen. Der Entscheid ist nicht rechtskräftig. (red)